Radfahrer fordern mehr Geld. Auch die beschlossenen 55.000 Euro für 2020 reichen nicht aus. Radfahrer brauchen 500.000 Euro für Radwege.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 10. Januar 2020 (05:48)
Angesichts der drohenden Klimakatastrophe und des immer wieder beklagten Bewegungsmangels der Kinder und Jugendlichen wird Radfahren immer mehr zum Thema.
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Großen Aufruhr unter den Radfahrern verursachte schon das Radverkehrsbudget 2019. Mit 5.000 Euro Jahresbudget machte sich die Stadtregierung keine Freunde unter den Radfahrern. Für 2020 sind 55.000 vorgesehen, also elfmal so viel. Aber auch das scheint die Gemüter nicht zu besänftigen. Ein Nachtragsbudget wird vehement gefordert.

Durch zwei Vereine sind die Klosterneuburger Radfahrer vertreten. Zum einen vom „Forum Radverkehr Klosterneuburg“ und zum anderen vom Forum „Radlobby Klosterneuburg“. Beide rufen im Chor: Mehr Geld!

„Derzeit werden etwa 2 Euro pro Klosterneuburger für 2020 zur Verfügung gestellt. In einer Stadt wie Graz 30 Euro.“ Gerhard Mikolasch, Forum Radverkehr

„Mit dem unzureichenden Budgetvoranschlag 2020 hinsichtlich Radwegebau und Öffifinanzierung ist es unmöglich, die Klimaziele und Ziele des neuen Stadtentwicklungskonzepts – 55 Prozent Radfahr-, Öffi-, Fußgängerverkehr – zu erreichen“, weiß Gerhard Mikolasch vom Forum Radverkehr. Aktuell würde man bei etwa 20 Prozent stehen. Die vom Radforum vorgeschlagenen wichtigsten Lückenschlüsse der Klosterneuburger Radwege könnten keinesfalls umgesetzt werden, weil nur ein Zehntel der dafür notwendigen Kosten von 500.000 Euro dotiert wurden. Daher wäre der derzeitige Budgetvoranschlag abzulehnen, gegebenenfalls neu zu überdenken und ein ausreichendes Nachtragsbudget zu dotieren.

Mikolasch: „Derzeit werden etwa 2 Euro pro Einwohner für 2020 zur Verfügung gestellt. In einer Stadt wie Graz werden 30 Euro pro Einwohner für den Radwegebau verplant.“

Radlobby nicht zufrieden

In das selbe Horn stößt die „Radlobby Klosterneuburg“. Mit dem für 2020 beschlossenen Budget der Stadt für Radwegebau und -erhaltung kann kein einziges der dringend nötigen Projekte umgesetzt werden. Angesichts der drohenden Klimakatastrophe und des immer wieder beklagten Bewegungsmangels unserer Kinder und Jugendlichen wird sich die Radlobby damit nicht zufrieden geben. Die Klosterneuburger Stadtregierung verspräche seit Jahrzehnten eine Steigerung des Radverkehrsanteils, zuletzt im 2019 beschlossenen Stadtentwicklungskonzept.

Bereits am 30. Jänner 1986 wurde im Stadtrat der „Vorrang für Radfahrer, Fußgänger und für den öffentlichen Verkehr“ beschlossen. 33 Jahre danach hält das STEK nun fest, dass der Anteil an nachhaltiger Mobilität – Gehen, Radeln, Öffis – auf 55 Prozent gesteigert werden soll.

"Jedes Jahr werden Projekte weiter aufgeschoben"

„Das kann aber nur funktionieren, wenn wir jetzt sofort mutig und massiv in die Infrastruktur investieren“, erklärt Werner Palfinger, Sprecher der Radlobby Klosterneuburg. Und weiter: „Zuerst brauchen wir sichere und komfortable Radwege, mit denen die wichtigsten Ziele in Klosterneuburg schneller erreichbar sind als mit dem Auto. Sonst steigen die Leute nicht um. Mit dem geplanten Budget kommen wir da keinen Zentimeter weiter. Seit 30 Jahren verspricht man uns bessere Radwege, jedes Jahr werden die Projekte weiter aufgeschoben.“

Für Finanzstadtrat Konrad Eckl (ÖVP) war die Budgeterstellung für 2020 „extrem mühsam.“ Die 55.000 Euro – immerhin elfmal so viel wie 2019 – seien ein klarer Schritt in die Richtung: Ja, da muss man mehr Geld in die Hand nehmen. Eckl: „Manche Dinge können wir uns heuer einfach nicht leisten. Aber wir werden uns bemühen, in den kommenden Jahren das Geld zur Verfügung zu stellen, damit der Verkehrsstadtrat seine Projekte abarbeiten kann.“ Natürlich gäbe es die Möglichkeit, Anfang Herbst beim Posten Radwegebau ein Nachtragsbudget zu beschließen. Das müsste aber Verkehrsstadtrat Kehrer beantragen.

Radverkehrsinfrastruktur im Bereich der Schulen gefordert

In einem ersten Schritt konzentriert die Radlobby Klosterneuburg ihre Forderungen auf die Schaffung einer sicheren Radverkehrsinfrastruktur im Bereich der Schulen. Warum?

Die Diagnose von WHO und Ärzten lautet: Kinder und Jugendliche bewegen sich zu wenig.

Je früher man das Fahrrad (und nachhaltige Mobilität ganz allgemein) schätzen lernt, umso besser. Ein Fahrrad erweitert den Aktionsradius von Kindern und fördert ihre Selbständigkeit.

Aufgrund der zahlreichen Elterntaxis sind Staus vor den Schulen Alltag. Zwischen Schulbussen und SUVs ist das Radeln aber gefährlich. Und weil es so gefährlich ist, dürfen die Schüler oft nicht mit dem Rad zur Schule fahren. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden.

Immer mehr Jugendliche demonstrieren freitags für ihre Zukunft ohne Klimakatastrophe. Die Radlobby Klosterneuburg möchte dafür sorgen, dass sie von Montag bis Donnerstag auch sicher und klimafreundlich in ihre Schule gelangen können.

Parallel zur Gründung der örtlichen Radlobby hat der Klosterneuburger Gerald Teschl eine Petition für eine sichere Anbindung des Gymnasiums und der Musikschule an das bestehende Radwegenetz gestartet. Die Radlobby Klosterneuburg unterstützt die Petition ausdrücklich. „Ein starkes Ergebnis wäre ein klares Signal für den allgemeinen Wunsch nach sicheren Radwegen“, so Palfinger.