„Schwarz liegt mir am Herzen“. Wer sein Auto vor dreißig Jahren an- und nie ab- oder umgemeldet hat, fährt heute noch mit schwarzen Taferln.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 07. August 2019 (03:00)
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Laurenz Lemmel, sein Mercedes, Baujahr 1953, und die schwarzen Kennzeichen gehören einfach zusammen.

In Klosterneuburg ist das Autokennzeichen noch immer ein Thema, das heftig diskutiert wird. Ein eigenes sollte es sein, dem Status der Stadt entsprechend.

Nach der Auflösung des Bezirks Wien Umgebung ziert ja neu angemeldete Autos das Kürzel der Bezirkshauptstadt „TU“, was nicht so vielen Bürgern der Babenbergerstadt recht ist. Vor 30 Jahren war der Protest enden wollend, als die schwarzen Taferl eingestampft wurden. Und es gibt sie heute noch. Vereinzelt natürlich nur, und vorwiegend auf Oldtimern oder Traktoren zu finden, denn nur, wer die letzten 30 Jahre ein und das selbe Auto hatte, ist auch heute noch in Besitz des schwarzen Kennzeichens. 2018 fuhren im aufgelösten Bezirk Wien Umgebung 208 Autos mit schwarzen Kennzeichen herum. Durchaus mit ganzem Stolz ihrer Besitzer.

Einer davon ist Laurenz Lemmel, Klosterneuburger und stolzer Besitzer eines Mercedes Benz, 170 SD, Baujahr 1953. „Im Jahr 1961 hab ich das Auto gekauft. Es hatte damals schon stolze 100.000 Kilometer“, erzählt Lemmel. Damals wurde das Auto angemeldet und bekam das schwarze Kennzeichen „N 66.161“. Wobei 66 für den Bezirk Wien Umgebung steht.

58 Jahre später fährt das Auto noch immer, und weil ununterbrochen angemeldet, trägt es noch immer sein schwarzes Kennzeichen. „Ganz genau weiß ich es nicht – da müsste ich nachschauen –, aber so um die 700.000 Kilometer zeigt der Kilometerzähler“, erzählt der 86-jährige Laurenz Lemmel. Unfassbare 700.000 Kilometer hat das historische Fahrzeug bereits auf dem Buckel und es fährt, und fährt und fährt...

„Die schwarze Nummerntafel liegt mir am Herzen. Ich hoffe, dass sich da nichts ändert, so lange es das Auto noch gibt.“ Laurenz Lemmel, stolzer Besitzer eines Mercedes, Baujahr 1953

Das schwarze Nummerntaferl und das Auto sind zu einer optischen Einheit gewachsen. Und das muss für Lemmel auch so bleiben: „Die schwarze Nummerntafel liegt mir am Herzen. Ich hoffe, dass sich da nichts ändert, so lange es das Auto noch gibt. Eine weiße Nummerntafel mit ‚TU‘ wäre furchtbar für mich, weil es einfach mit dem Auto nicht zusammenpassen würde.“ Lemmel weiß natürlich, dass rationell dem schwarzen Kennzeichen kein Wert beigemessen werden kann – „es ist ja nur eine Ziffernserie“ –, emotionell schaut das aber ganz anders aus.

Mit dem historischen Wagen und den schwarzen Taferln erregt Lemmel natürlich Aufsehen. Auch bei der Polizei, wie Lemmel erzählt: „Vor ein paar Jahren hat die Polizei einen Verbrecher gesucht. Obwohl es ja kaum vorstellbar ist, dass mein ’53er Benz als Fluchtauto fungiert, hat man mich aufgehalten und kontrolliert. Ich glaube, nur wegen des Autos, denn es wurde die Gelegenheit wahrgenommen, gleich an Ort und Stelle Fotos zu machen.“

Auf ein modernes Fahrzeug umzusteigen war für Laurenz Lemmel nie eine Option. „Natürlich bin ich auch mit technisch modernen Fahrzeugen gefahren. Das kann man aber nicht vergleichen, obwohl, einfacher zu bedienen sind moderne Fahrzeuge schon.“

„Es werden zwar immer weniger, aber es gibt sie noch, die schwarzen Nummertafeln“, weiß auch Wolfgang Buchta, Klosterneuburger und Herausgeber der Oldtimerzeitschrift „Austro Classic“. Dass ein Griss um die schwarzen Taferln herrscht, bestätigt sich auch in der Tatsache, dass viele gestohlen wurden.

Für Oldtimer-Besitzer ist das schwarze Taferl ein Muss. So lassen sich viele um ein paar Euro ein schwarzes Kennzeichen nachmachen. „Das ist natürlich für den öffentlichen Verkehr nicht zulässig, aber für das Museum, oder bei privaten Oldtimer-Fahrten, schaut es einfach besser aus, wenn die Nummerntafel mit dem historischen Fahrzeug eine Einheit bildet“, so Buchta, der selbst ein „WU“- Kennzeichen hat. „Das Wunschkennzeichen passte besser auf den dafür vorgesehenen Platz am Auto, weil es aus zwei Buchstaben und einer Ziffer besteht.“