Schwebendes Haus: Abbruchbescheid am Kollersteig!. Bauordnung in Klosterneuburg: Mittlerweile ist der Altbestand in den Neubau integriert worden. Da dürfte dem Bauherren ein Fehler unterlaufen sein.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 05. Mai 2021 (04:36)
Teile des alten GEB-Gebäudes sind in den Neubau über dem Keller eingebaut worden. Die statische Eigenständigkeit dürfte dem alten Gebäude aber genommen worden sein. Damit wäre dem Gebäude aber ein „wesentliches Merkmal“ für den Erhalt des GEB-Status im Grünland genommen worden.
Hornstein, Hornstein

Viel Kopfschütteln verursacht seit jeher, was alles mit den Lücken und raffinierter Auslegung der Bauordnung in Klosterneuburg auf die grüne Wiese gestellt wird. Einen ganz besonderen Fall und damit auch ein erstaunliches mediales Echo bescherte der Bau am Kollersteig 135. Dort wurden ein im Grünland stehendes GEB (Erhaltenswertes Gebäude im Grünland) mit Kran hochgehoben, darunter ein Keller gebaut, der Hang abgetragen, an der Vorderfront Panoramafenster eingebaut und das halbierte Holzhäuschen auf die Kellerdecke gestellt.

Diese Erweiterung des Gebäudes um mehr als das Doppelte bekam auch eine Baubewilligung, denn – so kurios auch die Vorgangsweise ist – zum damaligen Zeitpunkt war das gesetzeskonform. Nun hat sich allerdings das Blatt gewendet. „Nach einer Überprüfung wurden entsprechende baubehördliche Maßnahmen eingeleitet“, hält sich die Baubehörde bedeckt. Im Klartext heißt das: Baueinstellung und Abbruchbescheid!

Für ein GEB im Grünland herrschen strenge Regeln, deren Nichteinhaltung den Verlust des GEB-Status zur Folge haben. So darf von einem bestehenden GEB nur ein gewisser Teil abgerissen werden. Die wesentlichen Merkmale des ursprünglich bewilligten Gebäudes müssen erhalten bleiben. Das wäre mit der verbleibenden Hälfte des GEB‘s erfüllt. Zudem darf nach der Sanierung das Gebäude nicht den Charakter eines Neubaus haben.

„Wir werden dagegen natürlich Berufung einlegen. Die Unterlagen sind bereits beim Rechtsanwalt.“ Eigentümer Kollersteig 135, der namentlich nicht genannt werden will.

Als die Haushälfte des ursprünglichen Gebäudes auf der Kellerdecke ihren Platz gefunden hatte, waren die Vorgaben der Bauordnung – wenn auch in gewagter und grenzwertiger Auslegung – noch erfüllt. Auch der weitere bauliche Schritt, nämlich die Integration des Altbestandes in den Neubau, hätte gesetzlich standgehalten. Doch hier dürfte ein Fehler passiert sein.

So sollen nur einzelne Teile des Altbestandes in den Neubau integriert worden sein, Teile tragender Wände, ohne Verbindung mit dem Boden. Tragende Wände haben aber statische Relevanz und sind daher ein wesentliches Merkmal eines Gebäudes.

All das ist für den Eigentümer des Hauses am Kollersteig 135, der namentlich nicht genannt werden will, natürlich nicht schlüssig: „Wir werden dagegen natürlich Berufung einlegen. Die Unterlagen sind bereits beim Rechtsanwalt.“ Über die genaue Begründung des Bescheides könne er daher nichts sagen. Für den Eigentümer gebe es eine rechtsgültige Baugenehmigung, er habe sich immer an die Vorgaben der Behörde gehalten und die behördliche Zusammenarbeit gesucht.

„Wir müssen jetzt der Sache auf den Grund gehen, denn diesen wissen wir bis dato nicht genau.“ Ob er sagen kann, wie die Sache gefühlsmäßig ausgehen wird?: „Ich habe da gar kein Gefühl. Ich bin kein Baumensch.“ Fest stünde, dass es jemanden in der Nähe seines Grundstücks gäbe, der ihn ständig anzeige. Das Ganze sei eine äußerst unangenehme Situation für den Eigentümer. Das mediale Interesse hätte den Fokus auf sein Bauvorhaben gerichtet: „Die Baubehörde ist ja erst durch die Artikel in der NÖN auf den Plan gerufen worden.“

Das ist mit Sicherheit nicht das letzte Kapitel dieses kuriosen Bauvorhabens, das sich nun zum Baustreit auswächst.