Erstellt am 19. Mai 2015, 16:26

von Christoph Hornstein

"Sitzen auf der Straße". Verzweifelt wendet sich das Mährisch-Schlesische Heimatmuseum an die NÖN: Mit Ende Oktober muss es aus der Rostock-Villa mit ihren 46.000 Exponaten ausziehen.

Das Mährisch-Schlesische Heimatmuseum muss Ende Oktober aus der Rostock-Villa ausziehen.  |  NOEN, NÖN

Seit über 40 Jahren gibt es das Mährisch-Schlesische Heimatmuseum in der Klosterneuburger Rostock-Villa. 46.000 Objekte wurden in dieser Zeit gesammelt, welche die Geschichte der Vertriebenen dokumentieren. Nicht von ungefähr ist der Standort Klosterneuburg gewählt worden: Klosterneuburg ist die Patenstadt der Sudetendeutschen. Seit 2008 ist die Rostock-Villa allerdings ins Eigentum des Landes Niederösterreich übergegangen und der Mietvertrag in einen Bittleihvertrag umgewandelt worden. Weil die Rostock-Villa verkauft werden soll, wurde jetzt dieser Bittleihvertrag gekündigt. Mit Ende Oktober sitzt nun das Museum auf der Straße.

„Wir sind auf Herbergssuche“, wendet sich Edda Eblinger, früher Obmann Stellvertreterin und jetzt Vorstandsmitglied des Vereins Mährisch-Schlesisches Heimatmuseum, verzweifelt an die NÖN. Deshalb, weil dem Verein anscheinend niemand helfen will, oder vielleicht auch kann. Ein wahnwitziger Vorschlag der Stadtregierung, das Heimatmuseum in das Kierlinger Museum zu integrieren, quittierte Friedrich Chlebecek mit einem Lacher: „Wir platzen selbst aus allen Nähten. Eine Zusammenlegung ist deshalb
unvorstellbar.“

300 Quadratmeter werden gesucht

Tatsächlich braucht des Mährisch-Schlesische Heimatmuseum 300 Quadratmeter, um seine Exponate auszustellen. Nicht leicht daher, ein geeignetes Objekt zu finden. Vorstandsmitglied Eblinger hat aber schon alle Hebel in Bewegung gesetzt, freilich bislang vergebens. „Ich habe mit Propst Bernhard Backovsky gesprochen, aber die Mieten für ein Stiftsobjekt sind uns zu hoch“, erzählt Eblinger, deren Museum keine unbedeutender Ausstellungsort ist. Immerhin wurde es für weitere fünf Jahre mit dem Gütesiegel der ICOM versehen. Edda Eblinger: „Dieses Gütesiegel haben von etwa 700 Museen in Niederösterreich lediglich 130.“

Eine Zusammenlegung mit der „Sudetendeutschen Landsmannschaft“ (SLÖ) lehnt Eblinger ab, obwohl diese Vereinigung ankündigte, dass das Heimatmuseum dort hinziehe. Eblinger: „Dort wollten wir nie hinein, weil wir den blau-braunen Hauch Gott sei Dank für immer abgelegt haben.“

Untergang des Museums?

Eblinger sucht nun Hilfe: „Wir sind auf Herbergssuche und hoffen, dass uns jemand hört. Ich bin echt verzweifelt und die ganze Situation trifft mich persönlich sehr.“ Sie kämpft aber weiter: „Seitens des Landes kommt leider gar keine Hilfe. Die Stadtgemeinde Klosterneuburg sieht anscheinend auch keine Alternative. Wenn wir in ein Depot müssen, verlieren wir unser Gütesiegel. Das ist der Untergang des Mährisch-Schlesischen Heimatmuseums.“

Kulturstadtrat Konrad Eckl (VP) ist diese Situation bewusst, signalisiert aber Hoffnung: „Wir lassen das Museum nicht im Stich, denn die Verantwortung, die wir als Stadt haben, ist uns schon bewusst.“ Der Plan mit dem Museum Kierling wurde fallengelassen. Nun werde fieberhaft nach anderen Möglichkeitenen zur Unterbringung des Museums gesucht. Eckl verspricht: „Bis Ende des Sommers wird es eine Lösung geben.“