Soll Kunstwerk filetiert werden?. Mit einem Antrag, die Kirchen der Kreisverkehr-Skulptur zu demontieren, sorgte Hofbauer im Gemeinderat für Kopfschütteln.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 04. Juli 2018 (04:15)
NOEN, Hornstein
Sorgte für die unterschiedlichste Bewertung: Die Skulptur „Klosterneuburgs Totem im Strudel der Zeit“ von Christian Marmorstein. Der Vorschlag, die Skulptur teilweise zu demontieren, lehnt der Klosterneuburger Künstler ab.

Seit genau acht Jahren steht sie inmitten des Kreisverkehrs am wienseitigen Ende der Umfahrung: die Skulptur des Klosterneuburg Künstlers Christian Marmorstein. Eine Jury aus Stadtgemeinde und Stift, die, ob ihrer angezweifelten Fachkompetenz auch massiver Kritik ausgesetzt war, segnete im Sommer 2009 Kunstwerk und Standort ab. Die Gemeinde zahlte 62.000 Euro für die Skulptur. Nach der Installation im Kreisverkehr startet eine heftige Kunst-Diskussion in der Bevölkerung. Dann ebbte die Kontroverse ab.

Nun meldete sich Gemeinderat Peter Hofbauer (Liste Peter Hofbauer) mit einem Dringlichkeitsantrag in der letzten Gemeinderatssitzung mit einem kuriosen Vorschlag und facht damit die Diskussion neu an: Die Skulptur soll teilweise demontiert und am Rathausplatz wieder aufgebaut werden.

Was passiert mit "Schrottchristbaum"?

„Schrottchristbaum“ ist nur eine der abfälligen Bezeichnung für das Werk des renommierten Klosterneuburger Künstlers Christian Marmorstein, das bei gewissen Teilen der Bevölkerung und vor allem bei Gemeinderat Peter Hofbauer nicht gut wegkam.

Den aktuellen Vorschlag einer sinnvollen „Verwertung“ des Denkmals begründet Hofbauer in seinem Antrag wie folgt: „Auf dem Gebilde befinden sich kleine Modelle der Kirchen der Katastralgemeinden. Da die den Kreisverkehr benützenden Verkehrsteilnehmer sich mehr auf den Verkehr konzentrieren und dies auch müssen, anstatt Kunstwerke zu betrachten bleiben die Kirchen weitestgehend unbemerkt.“

Kaum jemand nehme sich die Zeit vom nördlich des Kreisverkehrs gelegenen Parkplatz aus mit einem Feldstecher oder dergleichen die kleinen Kunstwerke zu betrachten. Abgesehen davon könnte der Betrachter die Modelle ja nur von einer Seite betrachten. Hofbauer: „Ich halte es für sinnvoll, die Kirchen abzumontieren und an einer Stelle mit entsprechender Beschreibung zu positionieren, wo sie in Ruhe bewundert werden können.“

„Kaum jemand nimmt sich die Zeit mit einem Feldstecher die kleinen Kunstwerke zu betrachten.“ Peter Hofbauer, Gemeinderat, Liste Peter Hofbauer

Das rostige Gebilde – so Hofbauer weiter – solle an Ort und Stelle verbleiben, hätte es doch Symbolkraft für die dramatische Entwicklung der Stadt in den vorangegangenen Jahrzehnten. Und Hofbauer macht auch gleich einen Vorschlag, wo man in Zukunft einen neuen Platz für die Kirchen finden könnte: „Die Kirchenmodelle könnten abmontiert und im Rathauspark auf geeigneten Sockeln positioniert werden, auf denen eine vermittelnde Beschriftung angebracht ist.“

Thema im Kulturausschuss

„Ich bin Demokrat und verwehre mich keiner Diskussion“, so die erste Reaktion von Kulturstadtrat Konrad Eckl (ÖVP). Er gebe nur zu bedenken, dass eine Realisierung des Vorhabens aus ethischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen nicht wahrscheinlich ist. Der Antrag kommt in den Kulturausschuss und soll dort diskutiert werden. „Auf alle Fälle sollten wir aber auch den Künstler zur Diskussion einladen“, schlägt Eckl vor. So wurde dies auch im Gemeinderat beschlossen.

„Da geh ich sicher nicht hin“, hält Künstler Christian Marmorstein diese Diskussion für völlig überflüssig. Schon alleine aus technischen Gründen sei eine Demontage der Kirchen nicht möglich. „Die Kirchen haben natürlich auch eine Symbolik, sind Wegweiser in die einzelnen Katastralgemeinden. Die Skulptur ist ein Gesamtkunstwerk und ist daher nicht filetierbar“, ist Marmorstein etwas überrascht über diesen Vorschlag.

Was ihn jedoch seit langem störe, wäre die nicht durchgeführte Beleuchtung des Kunstwerks. Marmorstein: „Der Stromanschluss ist zwei Meter von der Skulptur entfernt und sollte mit der Straßenbeleuchtung gekoppelt sein. Warum das nicht gemacht wird, weiß Marmorstein nicht, „die Beleuchter sagen, das ginge.“

„Die ursprüngliche Idee, die Skulptur von unten zu beleuchten, mussten wir aus Kostengründen ablehnen“, erklärt Eckl. Die Kosten, hier Leitungen zu legen, würden den Wert des Kunstwerks übertreffen. Ein zweiter Ansatz, die Skulptur von den Betonwänden zu beleuchten, wurde verworfen, weil die Autofahrer geblendet würden.