St. Leopold Friedenspreis wurde vergeben. St. Leopold Friedenspreis in Klosterneuburg: Drei Künstlerinnen wurden für gesellschaftliches Problembewusstsein ausgezeichnet.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 12. November 2020 (03:52)
Verstörend: „Angespült“ von Gea van Eck thematisiert eine Flüchtlingstragödie. Für diese Arbeit wurde die Niederländerin mit einem Anerkennungspreis bedacht.
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Wie die NÖN berichtete, wurde der diesjährige St. Leopold Friedenspreis virtuell vergeben. Den Hauptpreis erhält die in Lütjenburg in Schleswig-Holstein wirkende Künstlerin Petra Weifenbach für ihre Arbeit „Holland in Not“.

Petra Weifenbach arbeitet in unterschiedlichsten Techniken: Stickerei, Keramik, Fotografie, Malerei und Zeichnung. Sie kombiniert gerne Motive und Elemente, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, und obwohl sie oft ernste Themen behandelt, ist ihre Kunst durchaus mit Augenzwinkern zu betrachten.

„Holland in Not“ erschließt sich auch dem nicht vorgebildeten Betrachter, wenn auch erst bei genauerem Hinsehen. Zwei Zierkacheln im klassischen Blau-Weiß der Delfter Fayence hängen an der Wand. Doch sind diese viel größer, als man es gewohnt ist, sie sind nur aus Papier und deswegen federleicht, und sie spielen mit der heilen Welt der gewohnt idyllischen Landschaftsdarstellung in perfekter Umsetzung des vorgegebenen Themas aus Psalm 69, denn der holländischen Windmühle steht das Wasser buchstäblich bis zum Hals. Was sich als heimelig-dekoratives Accessoire für die Landhausküche tarnt, entpuppt sich als bitterer Kommentar auf den Klimawandel. Das Drama des steigenden Meeresspiegels bedroht nicht nur indigene Völker in fernen Erdteilen, sondern findet in unserer nächsten Nachbarschaft statt.

Beide Anerkennungspreise gehen in die Niederlande: Gea van Eck aus Utrecht arbeitet bevorzugt mit dem Material Filz. Sie formt Skulpturen, manche witzig, manche ziemlich respektlos mit unverhohlenen erotischen Anspielungen, und manche lösen mit schonungslosem Realismus ein gewisses Grausen aus. Das preisgekrönte Werk ist von dem weltbekannten Pressefoto eines ertrunkenen syrischen Flüchtlingskinds inspiriert. Die Figur einer toten Frau mit ihrem Baby mit dem Titel „Angespült“ hat bereits viele Besucher*innen der Ausstellung „was leid tut“ berührt, bewegt, vielleicht auch verstört. Gleichgültig kann man an dem Werk, das nach dem Willen der Künstlerin auf dem nackten Steinboden liegt, wohl kaum vorübergehen.

Jenny Ymker aus Tilburg webt Gobelins in klassischer Technik, die aber sowohl optisch als auch inhaltlich mit historischen Vorbildern nichts zu tun haben. Grundlage ihrer Arbeiten sind Fotos, in denen sie selbst in einer Rolle auftritt, die einem persönlichen Erlebnis entspringt.

Nicht nur Trauer und Verzweiflung

Das Werk mit dem Titel „Meine Füße können nicht mehr“ ist von ihrer Arbeit als Altenpflegerin inspiriert. Eine Frau bleibt beim Spazierengehen stehen, sie möchte weiter, doch sie kann es nicht mehr, ihre Füße verweigern den Dienst, Gehirn und Körper kommunizieren nicht mehr miteinander. Der nächste Schritt wird zum unüberwindlichen Hindernis. Herr, komm mir zur Hilfe, meine Füße können nicht mehr!

„Ich wollte, dass meine Arbeit nicht nur die Trauer und Verzweiflung ausstrahlt, sondern sehr wohl auch die Kraft, dennoch, vielleicht mit Hilfe, weiter zu gehen, auch wenn sich vor einem vielleicht ein hoher Berg auftut.“