Trotz Absagen: Säle im Stadtmuseum sind nicht leer. Bis 20. Dezember im Stadtmuseum Klosterneuburg: Gedächtnisausstellung Kurt Audetat erinnert an den künstlerischen Geistlichen.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 09. Oktober 2020 (03:03)
Auch Kulturstadträtin Verena Pöschl besuchte die Audetat-Gedächtnisausstellung im Stadtmuseum.
W. Gonaus

Wie die NÖN bereits berichtete, musste die im Stadtmuseum geplante Sonderausstellung über den Rathausplatz Klosterneuburg coronabedingt – nach derzeitigem Stand – auf 2021 verschoben werden. Gleiches gilt für die Werkschauen, ist doch die gesellige Vernissage für die Mehrzahl der Künstler nicht nur Beginn, sondern gleichzeitig auch Höhepunkt ihrer Ausstellung.

Trotz dieser Absagen sind die Säle des Museums nicht leer geblieben. Mit der Wiedereröffnung nach dem Lockdown wurde mit „Klosterneuburger Ansichten aus dem Depot“ Anfang Juni eine neue Sonderausstellung präsentiert, die bis 20. Dezember zu sehen ist.

„Wichtig ist nur, dass Leib und Seele Frieden schließen.“ Kurt Audetat (1932-2020), evangelischer Pfarrer, Musiker und Künstler

Noch bis einschließlich Sonntag, den 8. November läuft die Sonderausstellung „125 Jahre ÖTK-Klosterneuburg“. Aufgrund von Covid-19 wurde die Welt der Berge und des Bergsports in der Folge gleichsam zur Jahresausstellung des Museums. Am Sonntag, dem 8. November führt der langjährige ÖTK-Obmann Erich Bauer um 16.30 Uhr ein letztes Mal durch die Ausstellung. Für diese Führung ist eine Anmeldung erforderlich: 02243/444-299 bzw. 393 oder per E-Mail: stadtmuseum@klosterneuburg.at.

Die Herbstsaison begann mit einer Gedächtnisausstellung für Kurt Audétat, der im Februar dieses Jahres im 88. Lebensjahr verstorben ist. Der Zeit und dem traurigen Anlass entsprechend, wurde die Ausstellung still und leise bereits am 6. September dem Publikum zugänglich gemacht (bis 20. Dezember).

Auf mehreren Litfaßsäulen erzählen Texte und Bilder über Audétats Leben, sein Wirken als Geistlicher, als Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Klosterneuburg, über seine Kunst, seine Musik. Die ausgewählten Bilder und Objekte stammen ausschließlich aus Familienbesitz oder der Sammlung des Stadtmuseums und lassen seine bis ins hohe Alter ungebrochene Schaffenkraft erkennen.

Liebe zur Musik und zur bildenden Kunst

Geöffnet ist das Museum derzeit sonntags von 14 bis 18 Uhr. Öffentliche Führungen mit spontaner Teilnahme müssen derzeit entfallen, doch wird eine spezielle Kuratorenführung mit begrenzter Teilnehmerzahl (maximal acht Personen) angeboten. Termin: Freitag, 23. Oktober, 15 Uhr. Verbindliche Anmeldung ist unbedingt erforderlich. Bei großer Nachfrage sind weitere Termine möglich.

Kurt Audétat wurde 1932 in Zürich (CH) geboren. Zunächst als Konstrukteur und technischer Zeichner im schweizerischen Romanshorn tätig, wechselte er 22-jährig ins geistliche Fach. Nach einigen Jahren in Wien, wo er u. a. am Aufbau der überkonfessionellen Telefonseelsorge mitwirkte, war er von 1974 bis 1990 Pfarrer in der Evangelischen Gemeinde Klosterneuburg. 2007 erschien sein Buch „Befreiung aus 2000 Jahren christlicher Angst (Eine Analyse)“ in der Edition Va Bene. Dieses schließt mit der Erkenntnis: „Deshalb wird es weise sein, das noch größere Gotteswort, das ,Fürchte dich nicht!‘, glaubwürdig und hörbar zu machen. Wichtig ist nur, dass Leib und Seele dies hören, Frieden schließen, die Schönheiten des Lebens genießen und gegenseitiges Helfen praktizieren.“

Der Kunst galt seine große Liebe. Zum einen – vor allem als Violinist und Vokalist – der (Kammer)Musik, zum anderen der bildenden Kunst. Es entstanden unzählige Werke, vor allem Aquarelle, ebenso Öl- und Acrylgemälde oder Wachsarbeiten. In seinem Oeuvre finden sich aber auch eine Assemblage aus Elektronikmüll oder Figuren aus Biberbiss-Holz. Eine gesonderte Stellung nehmen technische Ausgrabungs-Dokumentationen für Dr. J.-W. Neugebauer und somit für das Bundesdenkmalamt ein, die sich heute hauptsächlich im Besitz des Stadtmuseums befinden. 1990 wurde Audétat, der auch Mitglied beim Künstlerbund Klosterneuburg war, der Kulturpreis der Stadt Klosterneuburg verliehen.