Umweltbelastung: Sündenbock Diesel? . Bei den Zulassungen und im Verkauf werden Diesel-Autos weniger. Umweltgemeinderat Spitzbart schließt langfristig Stadtverbot für Diesel nicht aus.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 06. September 2017 (05:55)
Shutterstock/nexus

Die Diskussion um Dieselautos reißt nicht ab. Ausgelöst wurde sie durch die „Schummel-Software“, aufgedeckt bei VW-Modellen, die geschönte Abgaswerte lieferte. Eine Reihe von Klagen bringt den VW-Konzern in arge Turbulenzen. Jetzt steht das Dieselauto als Umweltbelaster Nummer eins am Pranger. Politik und Medien verteufeln den Dieselmotor. Für Hannes Riedenbauer von Weilguni Klosterneuburg ein Fehler: „Alle machen den Diesel schlecht, aber in Wirklichkeit ist es zu billig, die gesamte Umweltbelastung auf den Diesel abzuwälzen.“

Comeback für Diesel?

Die Neuzulassungen sprechen eine deutliche Sprache: Der Diesel geht zurück. War der Dieselmotor als wirtschaftlichster Antrieb für Autos einmal sehr beliebt, lassen Kaufinteressierte aktuell lieber die Finger davon. Kein Wunder, denn die Menschen sind verunsichert. Politische Diskussionen über die Einführung einer Quote für Elektroautos, Fahrverbote für Dieselautos in Städten bis hin zum verbindlichen Ausstieg vom Verbrennungsmotor füllen die Gazetten. Dabei sollen Dieselmotoren beim CO2-Ausstoß sogar besser abschneiden als Benziner. Der Strommix beim Elektroauto zeigt auch eine negative Klimabilanz.

„Wir bestellen Benzinfahrzeuge und sind bei der Rücknahme von Dieselfahrzeugen vorsichtig.“ Wolfgang Scherer, Opel

Hinter der Forderung für ein Fahrverbot für Diesel in den Städten steht der Wunsch, die Luftqualität in den Städten verbessern zu wollen. Beim Verbrennen des Kraftstoffs entstehen besonders viele Stickstoffoxide. Diese sind gesundheitsgefährdend und vor allem für Asthmatiker belastend.

Dass der Leumund des Dieselmotors derzeit arg beschädigt ist, merken auch die Autoverkäufer. „Die Menschen denken immer mehr drüber nach. Früher war das Verkaufsverhältnis Benziner zu Diesel 50 zu 50. Jetzt hat sich das Verhältnis zugunsten des Benziners auf 60 zu 40 verändert“, sagt Wolfgang Scherer, Verkaufsleiter Opel
Beyschlag in der Wiener Straße. Opel hat auch schon die Konsequenzen daraus gezogen: „Wir haben uns beim Einkauf darauf eingestellt, bestellen vorwiegend Benzinfahrzeuge und sind bei der Rücknahme von Dieselfahrzeugen vorsichtig.“

Verunsicherung ist bemerkbar

Auch bei Weilguni Klosterneuburg ist die Verunsicherung betreffend der Dieselfahrzeuge zu bemerken. „Prinzipiell ist nicht wirklich ein Rückgang beim Verkauf von Dieselfahrzeug zu bemerken, die Verunsicherung ist aber da“, berichtet Hannes Riebenbauer vom Weilguni-Verkauf. Bei den kleineren Autos sei auch ein Verkaufsrückgang zu bemerken. Aber vor allem am Gebrauchtwagensektor hätten die Leute die meiste Angst. Ob jetzt die Dieselfahrzeuge für die Umweltbelastung zuständig sind, bezweifelt Riebenbauer aber: „Ich glaube, das ist eher

eine mediale Geschichte, der Diesel wird einfach schlechtgemacht. Man soll die Kirche aber im Dorf lassen. Böse alte Diesel werden am wenigsten gefahren. Die großen Fuhrparks haben alle neue Autos.“

Dieselverbot in Klosterneuburg?

Zahlenmäßig ist auch beim Autohaus Bennewitz nichts von einem Diesel-Aus zu bemerken. „Mit Zahlen lässt sich das nicht belegen. Aber Tatsache ist, dass viele Leute über den Diesel sprechen und verunsichert sind“, weiß Thomas Bennewitz. Um sich da wirklich eine Meinung zu bilden, sei die Diskussion noch zu kurz geführt, obwohl Medien verstärkt berichten. Bennewitz: „Die Sommermonate sind keine klassischen Verkaufsmonate. Ab Herbst wird man dann schon sehen, ob weniger Diesel verkauft werden. Ich rechne aber schon damit.“

Umweltgemeinderat Leopold Spitzbart kann sich – langfristig gesehen – sogar ein Dieselverbot für Klosterneuburg vorstellen. Kurzfristig sieht er aber die Sinnhaftigkeit nicht gegeben. „Unsere Luft ist gut, die Feinstaubbelastung rückläufig“, so Spitzbart. Langfristig müsse man sicher einmal von den fossilen Brennstoffen wegkommen. Elektroautos seien aus aktueller Sicht die Zukunft. Leider fehle uns österreichweit noch die Infrastruktur dafür. Klosterneuburg sei da Vorbild, mit sehr vielen Stromtankstellen. Was kommen muss, ist für Spitzbart aber klar: „Die Menschen müssen ihr Mobilitätsverhalten ändern.“

E-Auto noch keine Alternative

Für Walter Platteter, Obmann der Wirtschaftskammer Klosterneuburg, ist das E-Auto noch keine wirkliche Alternative. „0,03 Prozent ist der Anteil der E-Autos im Straßenverkehr. Wenn alle auf Strom umsteigen würden, wo soll dann bitte der Strom herkommen?“ Auch ärgert Platteter die Förderung der Elektroautos. „Mit unseren Steuergeldern wird eine absolute Minderheit gefördert, für etwas, dass in der Produktion für die Umwelt belastender ist als der Verbrennungsmotor.“

Der Rückgang beim Verkauf von Dieselautos sei zwar zu bemerken, aber klein. „Das ist doch alles ein Politikum. Wir werden noch jahrzehntelang mit den fossilen Brennstoffen leben müssen“, ist der Obmann der Wirtschaftskammer überzeugt.

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