Verzweifelte Anrainerin: Mauer statt Stiftsblick . In der Rostockvilla wird renoviert und gebaut. An zwei Seiten des Nachbarhauses wachsen Mauern in die Höhe. Bauamt: „Dagegen gab es keinen Einspruch.“

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 21. März 2018 (05:17)
Das ist der aktuelle Blick aus dem Fenster der Villa Schießstattgasse 4. Wo man früher das Stift und den Schüttkasten sehen konnte, steht jetzt eine Mauer.
NOEN

„Die Baugenehmigung ist ja durch. Ich glaube nicht, dass ich mich noch wehren kann.“ Die betagte Besitzerin einer alten Villa in der Schießstattgasse ist verzweifelt: Konnte sie noch vor Kurzem aus ihrem Fenster das und den Schüttkasten sehen, steht nun eine Mauer vor ihrem Fenster. Und das nicht nur auf der Westseite, auch auf der Nordseite ihrer erst kürzlich renovierten Villa. „Ich habe ein Vermögen in die Renovierung meines 1998 gekauften Hauses gesteckt. Jetzt ist es nichts mehr wert“, ist die Anrainerin, die nicht in der Zeitung genannt werden will, entsetzt.

Seit 2001 wohnt die ältere Dame nun in der Schießstattgasse. Das Nachbargrundstück ist die Rostock-Villa, die vom Land Niederösterreich verkauft wurde. Dort soll eine Ordination für plastische Chirurgie entstehen.

Keine mündlichen Zusagen vom Bauamt

Vor etwa einem Jahr gab es eine Bauverhandlung. „Ich konnte nicht hingehen und habe meinen Sohn zur Verhandlung geschickt“, so die Anrainerin. Ihr und ihrem Sohn soll mündlich vom Bauherren und dem Bauamt versprochen worden sein, dass der geplante Anbau nicht höher als das alte Feuerwehrmuseum werden wird. Schriftlich gab es da aber freilich nichts.

„Ich weiß, wir waren da mehr als naiv, aber wissen Sie, ich komme aus einer Gegend, wo man sich auf das gesprochene Wort noch verlassen kann“, zeigt sich die betagte Frau mehr als enttäuscht.

Gegen den Vorwurf, es gäbe ein mündliches Versprechen über die Höhe der Mauer, verwehr sich Baudirektor Manfred Fitzthum: „Das wurde sicher nicht gegeben.“ Die Baubewilligung sei erteilt. Es gab auch keine Einsprüche. „Wegen der Höhe der Mauer hätte man den Instanzenweg beschreiten müssen“, so der Baudirektor abschließend. Das sei aber nicht getan worden. Jetzt gibt es kein Rechtsmittel mehr.