Klosterneuburg

Erstellt am 21. Januar 2017, 05:55

von Christoph Hornstein

Von Floridsdorf über Las Vegas nach Kritzendorf. Der international bekannte Entertainer Louie Austen lebt in Kritzendorf. Mit Dean Martin und Frank Sinatra erwachsen geworden, wurde er durch die House-Musik groß.

Louie Austen

Er zog aus, um mit seiner Stimme die Welt zu erobern: Nach Südafrika, nach Australien und Amerika. Jetzt ist Louie Austen nach Haus gekommen. In Kritzendorf mit seiner Frau Sonja wohnhaft, will er nicht mehr für einen Stundenauftritt um die halbe Welt reisen. Am 31. Jänner gastiert er im Wiener Metropol.

Als schüchterner Bub aus Floridsdorf, der Vater Eisenbahner, die Mutter Näherin, dachte er nicht im Traum, dass er einmal alle Höhen und Tiefen des Showbusiness kennenlernen würde. Aber es kam, wie es kommen musste. Der 1946 geborenen Alois Luef bekam mit 9 Jahren, trotz ärmlichster Familienverhältnisse, ein Akkordeon und einen privaten Musiklehrer von den Eltern finanziert. Und ein Klavier. Nein, kein Pianino, sondern einen Flügel. „Mein Zimmer war damit eingerichtet“, erzählt Austen und erinnert sich an die schimpfenden Lieferanten, die das Musikinstrument in die kleine, hoch gelegene Wohnung in die Zirkusgasse liefern mussten.

„Bei der Aufnehmeprüfung für das Konservatorium Wien wollten sie, dass ich ein Oratorium singe.“

Louie Austen

Mit 17 stand es allerdings fest: Der halbwüchsige Alois wollte Sänger werden. Ein Brief an den damaligen Musik-Papst Gerhard Bronner, ein Vorsingen bei ihm endete allerdings schlimm. „Ich wollte ‚Smile‘ vorsingen, aber durch meine Nervosität wurde das ein jämmerliches Gewimmer“, erinnert sich Austen. Doch den Rat, eine Gesangausbildung zu machen, nahm sich Louie Austen zu Herzen.

Im Konservatorium der Stadt Wien – „Die wollten von mir , dass ich ein Oratorium singe“ – wurde er nicht genommen, aber im Wiener Schubert Konservatorium hatte er Erfolg. Damals gab es zum ersten Mal eine Operetten- und Musical-Klasse. Die hat Austen abgeschlossen und wurde als Sänger und Schauspieler ausgebildet.

Als Eleve bekam Louie Austen sein erstes Engagement am Volkstheater. Als allerdings ein Star-Schauspieler – „einer meiner Götter“ – vor der Aufführung skalierte: „Wann is denn der Schaß vorbei“, brach in dem jungen Schauspieler eine Welt zusammen. Austen: „Alles, woran ich geglaubt und was ich gelernt hatte, war in einer Sekunde in Frage gestellt. So wollte ich nie enden.“

Ab nach Südafrika

So packte der junge Alois Luef aus Floridsdorf mit seiner damaligen Frau die Koffer und folgten einer Annonce, die Arbeit als Sänger in Südafrika versprach. „Gesungen habe ich dort nichts, aber mitbekommen, was Apartheid heißt.“ Seine Frau verließ Südafrika schon nach ein paar Tagen, er hielt es zwei Monate aus. Dann kam er zurück nach Wien. Frau und Kind waren aber bereits fort. In der Schweiz. Das war 1975. „Ich dachte mir, was mach ich da alleine – und bin wieder auf ein Schiff, diesmal nach Australien“, erzählt Louie Austen weiter. In Melbourne lernte er einen Musikagenten kennen, bekam seine ersten Engagements mit Gagen um die 50 Euro und seinen Künstlernamen: Aus Alois Luef wurde Louie Austen.

Familiäre Angelegenheiten zwangen Louie Austen wieder nach Wien. Zu Hause hielt er es aber nicht lange aus. New York war das nächste Ziel. Mit einer kleinen Show hielt er sich finanziell über Wasser. Austen erkannte die Ähnlichkeit seiner Stimme mit der von Dean Martin, den er parodierte.

Dann ging es – Austen war damals 30 Jahre alt – nach Las Vegas. Im „Imperial Palace“ gab es eine Show, in der berühmte Künstler imitiert wurden: „The Legends“ hieß das Programm, und Louie Austen stellte sich mit Songs von Dean Martin und Frank Sinatra beim Produzenten der Show vor. „Denen hat das gefallen, aber die zweite Frage war, ob ich Mitglied der Musikergewerkschaft bin. Das war ich nicht, und daher wurde ich nicht engagiert. Ich habe dann in den Bars in Las Vegas gesungen. Täglich.“ Die nächste Chance für die Legends-Show hätte er erst in einem Dreivierteljahr bekommen. Das war Louie Austen zu lang.

Bar-Sänger in Hotels

1980 kam er nach Wien zurück und bekam ein Angebot, im Hotel Hilton in der Klimt-Bar zu singen. Zuerst für einen Monat, dann hatte er einen Jahresvertrag. Das kam so gut an, dass das Hotel die Bar vergrößern und das Personal aufstocken musste. Dann kam eine Anfrage vom Marriott-Hotel.

Dann trat Mario Neugebauer, ein österreichischer Musiker und Produzent aus Wien, in das Leben von Louie Auston. 1999 nahm er mit dem Sänger das Debütalbum „Consequences“ auf. Austen: „Er hat mich eines Tages gefragt, ob ich über einen Track etwas singen will. Das war allerdings ein Genre, das ich bis dato nicht kannte, nämlich House-Musik. Ich habe es trotzdem gemacht und Gesangslinie und Text beigesteuert“, erzählt Austen.

Das ungewöhnliche Debut-Album schlug ein: Ein alternder, abgefuckter Entertainer mit House-Musik. Für das Lied „Hoping“ wurde ein genialer Remixer gefunden. Dieser Remix wurde plötzlich in allen Discos und Clubs rauf und runter gespielt. So hatte Louie Austen mit 56 Jahren seinen Durchbruch, hatte Auftritte in aller Welt und baute sich wichtige Kontakte auf.

Durchbruch mit House-Musik

„Damals haben wir gut verdient. In Österreich hätte ich nicht überleben können. Aber es war auch sehr anstrengend, in der ganzen Welt für kurze Auftritte herumzureisen“, schwelgt Austen in Erinnerungen. Das will Louie Austen heute nicht mehr: „Der Hype mit der elektronischen Musik ist wahrscheinlich vorbei. Ich will jetzt maximal in Europa arbeiten.“

Nur in Österreich zu reüssieren hält der Sänger für nicht sehr wahrscheinlich. „In Österreich musst du tot sein, um Erfolg zu haben. Ohne Airplay hast du keine Chancen. Ich vermisse die Unterstützung der Rundfunkstationen“, wirkt Louie Austen enttäuscht.

Mit seinem Programm „Only The Best“ feierte Entertainer Louie Austen mit seinen Freunden seinen 70. Geburtstag im Wiener Metropol. Nun wird das Konzert am 31. Jänner wiederholt. „Das war für mich ein echt unerwarteter Erfolg, den ich gerne wiederhole“, so Austen. Das Beste von Bing Crosby, Perry Como, Nat King Cole, Dean Martin, Frank Sinatra und Tony Bennett wird Louie Austen im Metropol wiedergeben. Begleitet wird er von der bekannten Bigband von Max Hagler. Austen: „Ich freue mich auf das Konzert am 31. Jänner und hoffe, dass wieder so viele Menschen kommen wie beim ersten Konzert.“