Weißer Hof: Aufschrei gegen Absiedelung. Die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage im Nationalrat brachte es ans Tageslicht: Aus für das Reha-Zentrum 2026?

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 31. Januar 2020 (03:26)
Gibt es eine Galgenfrist bis 2026 für den Weißen Hof in Klosterneuburg?
AUVA

Gerüchte über die Absiedlung des Weißen Hof von Klosterneuburg nach Meidling gab es ja schon lange. Doch noch nie wurde es so konkret und auch mit einem Datum versehen. Gerade ein SPÖ-Antrag für den Erhalt des Weißen Hofes in einer Sitzung des Nationalrates letzte Woche offenbarte genau das Gegenteil. Die Hiobsbotschaft: Der Weiße Hof soll 2026 geschlossen werden und das Rehab-Zentrum nach Meidling übersiedeln.

Dass diese Pläne den Klosterneuburgern nicht schmecken, liegt auf der Hand. Die Politik begehrt auf, sucht nach anderen Lösungen. Der Weiße Hof ist nicht nur ein renommiertes Haus, sondern dient der Stadt auch mit seinen knapp 350 Mitarbeiten als nicht unwesentliche Einnahmequelle. Auch die Mitarbeiter am Weißen Hof und Patienten wehren sich gegen diese Pläne.

„Es heißt schon seit Jahrzehnten, dass der Weiße Hof geschlossen wird. Bis 2026 ist noch lange, und man wird sehen, was passiert.“ Stefan Schmuckenschlager, Bürgermeister

Für Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager muss in dieser Frage Folgendes im Mittelpunkt stehen: die Gesundheit der betroffenen Menschen. Schmuckenschlager: „Die AUVA muss die bestmögliche Versorgung und Heilung garantieren. Deshalb sollte man die tatsächlichen Pläne abwarten und diese aus medizinischer Sicht bewerten und anschließend die politischen Schritte setzen.“ Der Bürgermeister lässt durchblicken, dass er noch nicht ganz an die Absiedlung glaube: „Es heißt schon seit Jahrzehnten, dass der Weiße Hof geschlossen wird. Bis 2026 ist noch lange, und man wird sehen, was passiert. Aber eine Woche vor der Wahl mit so einem sensiblen Thema Stimmung machen, ist nicht mein Stil.“

Andreas Mohl, Stadtparteivorsitzender der SPÖ Klosterneuburg, ortet mit der Schließung vor allem monetäre Probleme: „Es geht um knapp 350 Arbeitsplätze, die Klosterneuburg abhandenkommen, wenn 2026 die Tore geschlossen werden.“ Auch hätte das Ende des Weißen Hofes negative Auswirkung auf die regionale Wirtschaft, befürchtet Mohl. „Zumindest der Verbleib der Langzeitreha und damit die Fortführung des Betriebs muss in einem ersten Schritt sichergestellt sein, zumal das qualitativ hochwertige Angebot, das am Weißen Hof geleistet wird, genügend Alternativen für eine entsprechende Auslastung für die Zukunft möglich macht“, meint Mohl.

Auch die Klosterneuburger FPÖ will die angekündigte Absiedlung des Rehabilitationszentrums „Weißer Hof“ nach Wien verhindern. Für FPÖ-Stadtrat Josef Pitschko ist der Standort des Rehabilitationszentrums „Weißer Hof“ in Klosterneuburg wegen des großen Areals sowohl für Patienten und deren Angehörige als auch für die Mitarbeiter optimal. „Die Absiedlung nach Wien ist ein Wunsch der SPÖ/Grüne-Koalition in Wien“, ist Pitschko überzeugt. Kritik übte der freiheitliche Stadtrat aber auch am Betriebsrat des „Weißen Hofes“: „Der Betriebsrat hat ständig primitivste SPÖ-Parteipolitik gegen die FPÖ gemacht, indem er unterstellt hat, die FPÖ wolle den Weißen Hof nach Wien absiedeln. Er hätte stattdessen mit kompetenten Klosterneuburger Kommunalpolitikern zwecks Erhalt des Weißen Hofes in Klosterneuburg zusammenarbeiten sollen.“ FPÖ-Stadtrat Pitschko erklärte den Erhalt des Rehazentrums „Weißer Hof“ zu einem Kernthema der FPÖ in der nächsten Gemeinderatsperiode.

Die PUK fordert indes ein rasches Handeln des Bürgermeisters. Der Erhalt des Weißen Hofs müsse Priorität haben. Neben mehr als 200 Patienten bedeutet das das Aus für rund 300 Arbeitsplätze. Die Liegenschaft um den Weißen Hof wurde in der Vergangenheit heiß diskutiert. Das Projekt eines Golfplatzes zulasten des Naherholungsgebiets konnte erst durch eine Volksbefragung gestoppt werden. Aber endgültig?

„Anstatt in regelmäßigen Abständen zu verkünden, dass das Umweltbundesamt nach Klosterneuburg kommen soll, wo so viele Fragen in der Luft hängen, soll sich unser Bürgermeister mit aller Kraft für den Erhalt des Weißen Hofs und der Arbeitsplätze einsetzen. Eine lapidare Antwort, dass noch nichts entschieden sei, ist alles, was bisher kam“, kritisiert PUK-Verkehrsstadtrat Johannes Kehrer. Sollte die AUVA wirklich absiedeln, würde das große Gefahr für die Umwelt und das beliebte Naherholungsgebiet bedeuten. Kehrer: „Der Grundeigentümer wird dort keine Rückwidmung in landwirtschaftliche Flächen akzeptieren, daher ist mit Baumaßnahmen oder anderen Nutzungen zu rechnen. Und das mitten im Grünen. Das Thema Golfplatz wird wohl spätestens dann wieder aktuell“, so PUK-Gemeinderat Stefan Hehberger.

„Das Wohl der Patienten und der Belegschaft sollte im Fokus stehen“, meint PUK-Gemeinderätin Teresa Arrieta. Und Kehrer abschließend: „Meine Mutter hat am Weißen Hof gearbeitet, und ich durfte viele Patienten persönlich kennenlernen. Die Lage in der Natur abseits der Großstadthektik ist wichtig, um Menschen, die sich oft auf ein neues Leben vorbereiten, den nötigen Raum zu geben.“