Wie geht man mit Demenz um?. Das Netzwerk „Gut leben mit Demenz in Klosterneuburg“ hilft beim richtigen Umgang mit der Krankheit. Experten erklären, wie man mit Demenzkranken kommuniziert.

Erstellt am 01. Juni 2017 (05:23)
NOEN, Caritas
Petra Mühlberger von der Caritas hilft beim Umgang mit Demenz. Kontakt: petra.muehlberger@caritas-wien.at oder0676/3336362.

Der gemeinsame Alltag mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind, kann herausfordernd sein. Manchmal helfen Tipps, wie die Kommunikation besser funktionieren kann. Experten vom Agnesheim, von den Barmherzigen Brüdern und vom Caritashaus St. Leopold sind im Netzwerk „Gut leben mit Demenz in Klosterneuburg“ engagiert und geben Tipps.

Direktor Michael Strozer vom Agnesheim erklärt die Situation: „Wenn Menschen an Demenz erkrankt sind und zunehmend in eine andere Welt geraten, ihre Familienangehörigen oder das eigene Wohnzimmer nicht mehr erkennen, gerade Gesagtes gleich wieder vergessen, dann ist der gemeinsame Alltag oft schwer zu bewältigen.“ Ein einfühlsamer Umgang mit der Krankheit sei hier besonders wichtig. Strozer: „So kann man Menschen mit Demenz dabei helfen, sich zu orientieren, sich zurechtzufinden. Dazu gehört, sie genau dort abzuholen, wo sie gerade sind. Angehörige müssen sich auf den Menschen mit Demenz einstellen – umgekehrt ist das nicht mehr möglich.“

Für einen guten Umgang mit Demenz ist ein Kurs für Angehörige empfehlenswert – beim gemeinsamen Üben und Austausch fällt das Lernen und Akzeptieren leichter. Validationsanwenderin Silvia Leszkovits von den Barmherzigen Brüdern betont: „Es sind oft einfache Tipps, die im Umgang mit an Demenz erkrankten Angehörigen helfen können. Beispielsweise das Radio auszuschalten, wenn etwas zu erklären ist – ohne Hintergrundgespräche fällt das Verstehen leichter.“

Freude, Gelassenheit und Sicherheit

Um alten, desorientierten Menschen die Möglichkeit zu geben, das gelebte Leben zu verarbeiten, kann Validation als Instrument zur besseren Kommunikation eingesetzt werden. Die Kommunikationsmethode nach Naomi Feil kann bei Demenz sehr hilfreich sein. Validation bedeutet, den alten Menschen in seinem „So-Sein“ bedingungslos anzunehmen.

Sie beruht auf der Annahme, dass jeder Mensch sich im Alter mit Lebenserfahrungen von früher auseinandersetzt. So ermöglicht sie es Angehörigen, typische Verhaltensweisen zu erkennen und richtig zuzuordnen. Die Bedürfnisse des alten Menschen besser zu verstehen, bedeutet mehr Freude, mehr Gelassenheit und mehr Sicherheit im Umgang mit den unterschiedlichen Verhaltensweisen und damit weniger Stress.

Hausleiterin Andrea Goldemund vom Caritas Haus St. Leopold ergänzt: „Es zeigt sich immer wieder, wie gut es Menschen mit Demenz tut, wenn man gemeinsam Fotoalben von früher anschaut und sich frühere Begebenheiten erzählen lässt, auch wenn es oftmals die gleichen sind.“

Tipps für den richtigen Umgang

Eine ruhige und klare Sprache vermittelt Geborgenheit.

Versuchen Sie, sich in die Situation und Nöte des Demenzerkrankten hineinzuversetzen.

Stellen Sie einen guten Blickkontakt her und wenden Sie sich der erkrankten Person zu.

Führen Sie Gespräche nicht vor Hintergrundgeräuschen (Radio oder Fernseher).

Sprechen Sie langsam und deutlich mit einfachen Worten und in kurzen Sätzen.

Hören Sie geduldig zu und unterbrechen Sie nicht.

Stellen Sie nur einfache Ja/Nein-Fragen.

Bei fortgeschrittener Krankheit ist es oft nötig,auf Dinge zu zeigen, um Entscheidungen zu ermöglichen (z.B. auf das Brot oder die Semmel zu deuten)

Keine „Warum“ -Fragen

Manchmal müssen Sie etwas öfter wiederholen, bis es verstanden wird.

Sprechen Sie über einfache Themen (Wetter, Bilder an der Wand – alles, was sichtbar ist, kann leichter besprochen werden).

Gemeinsam Singen oder Beten ist hilfreich.

Bleiben Sie gelassen, wenn der Erkrankte glaubt, in einer anderen Lebensperiode zu sein.