Peter Patzak: Meister der Bilder feiert 75. Geburtstag. Seine parodistische Krimiserie „Kottan ermittelt“ hat TV-Geschichte geschrieben.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 11. Januar 2020 (05:57)
Eine Regielegende des österreichischen Films ist 75: Peter Patzak bleibt wohl mit der „Kottan“-Serie verbunden, doch sein Schaffen ist vielseitig.
APA/Herbert Neubauer

Aufgewachsen als Sohn eines Polizisten und einer Opernsängerin in Wien-Brigittenau, war Peter Patzak ein echtes Nachkriegskind im Nachkriegs-Wien. Das verbindet ihn mit seinem langjährigen Wegbegleiter, dem Autor Helmut Zenker, der später ebenso wie Patzak in Klosterneuburg lebte, allerdings bereits 2003 im Alter von 53 Jahren verstarb.

Patzak besuchte das Gymnasium in der Unterbergergasse und studierte Psychologie, Kunstgeschichte und Malerei. Zunächst wandte er sich der bildenden Kunst zu. Nach einem Aufenthalt in New York widmete sich Patzak nach seiner Rückkehr nach Wien vor allem dem Beruf als Regisseur, ohne allerdings seine Talente auf dem Gebiet der Malerei und Schriftstellerei aus den Augen zu verlieren.

Am Beginn seiner Filmkarriere stand die Gaunerkomödie „Die Situation“ mit internationaler Besetzung (unter anderem Rita Tushingham). Seinen Durchbruch hatte Patzak bald darauf mit der Kult-Krimiserie „Kottan ermittelt“, die er von 1976 bis 1983 für den ORF produzierte und mit deren 19 Folgen er Fernsehgeschichte schrieb. Die Reihe war zu Beginn ihrer Ausstrahlung ein Skandal, feierte dann aber im ganzen deutschsprachigen Raum riesige Erfolge und findet bei Wiederholungen noch immer ein großes Publikum.

Trotz des TV-Erfolgs war Patzak mit seinen Werken auch im Kino präsent: mit der Verfilmung von Martin Walsers Roman „Das Einhorn“ (1978), mit „Kassbach“ (1979) nach der Romanvorlage von „Kottan“-Autor Helmut Zenker oder dem Richard-Wagner-Streifen „Wahnfried“ (1987, Autor: Reinhard Baumgart, mit Otto Sander und dem jungen Christoph Waltz in den Hauptrollen). Manche Filme erreichten weniger zahlreiches Publikum, wie „Killing Blue“ (1988, mit Morgan Fairchild und Armin Müller-Stahl) oder „Gavre Princip – Himmel unter Steinen“ (1990) über den Attentäter des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand.

Aufträge des ORF blieben auf einmal aus

Literaturverfilmungen wie „Frau Berta Garlan“ (1989) nach Arthur Schnitzler, „St. Petri Schnee“ (1991) nach Leo Perutz, „Hotel Shanghai“ (1997) nach Vicki Baum und „Die Wasserfälle von Slunj“ (2002) nach Heimito von Doderer (mit dem Regiepreis in Venedig und dem Fernsehpreis der Österreichischen Volksbildung ausgezeichnet) folgten.

„Damals habe ich mir gedacht, jetzt werde ich mir ein paar Perlen aussuchen können“, erzählte Patzak einmal im Gespräch mit der APA. Doch stattdessen blieben die Aufträge des ORF auf einmal aus, es kam zum Knacks: „Die haben ganz einfach auf mich vergessen“, so Patzak.

Seit 1993 unterrichtete er als ordentlicher Professor Regie an der Wiener Filmakademie, die er auch als Institutsvorstand leitete. In den vergangenen Jahren kehrte er zur Malerei zurück. 2018 waren Bilder von Peter Patzak und seiner Ehefrau, der Psychologin Eve Joy Patzak, die 2013 nach einem Schlaganfall anfing zu zeichnen und durch ihre Zeichnungen kommunizierte, in Linz zu sehen. Im Frühjahr 2019 wurde die Gemälde- und Zeichenblätter-Ausstellung von Eve Joy und Peter Patzak im Aktionsradius Wien am Gaußplatz gezeigt.

www.peter-patzak.at, www.evejoypatzak.com.