Wirbel im Reihergraben wegen Rodungen. Empfindlich reagieren Anrainer auf Schlägerungen im Reihergraben. Aber nur 250 Quadratmeter sind Stadtgrund.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 06. Mai 2020 (04:22)
Der Reihergraben kommt nicht zur Ruhe. Umfangreiche Rodungsarbeiten verunsichern derzeit die Anrainer.
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Vor einem Jahr gingen die Wogen hoch. Eine Immobilienfirma wollte ein Grünlandgrundstück im Reihergraben kaufen. Nach heftigen Protesten aus der Bevölkerung und zahlreichen Berichten der NÖN kam dieser Kauf allerdings nicht zustande. Die Stadtgemeinde zog, um mehr Kontrolle über das Grundstück zu haben, schlussendlich eine Verpachtung dem Verkauf vor. Jetzt gibt es wieder einen Aufschrei der Anrainer. Der Grund: Großflächige Rodung des Waldes.

„Täglich rollen Traktoren mit Anhängern und transportieren Stämme, die einmal Bäume waren, ab.“ Ein erboster Anrainer

„Seit dem 16. April wird am Ende des Reihergrabens der gesamte Baumbestand geschlägert. Täglich rollen Traktoren mit Anhängern und transportieren Stämme, die einmal Bäume waren, ab“, erzählt ein der NÖN bekannter Anrainer, der schon vor einem Jahr bei der Verpachtung kritisch aktiv war. Die Wahlen in Klosterneuburg hätten deutlich gezeigt, dass sich die Bevölkerung eine umweltfreundlichere Politik wünsche. Und weiter: „Sollte jemand auf die Idee kommen, sich ein Bild von der Verwüstung machen zu wollen, muss er damit rechnen, von einem aggressiven Nachbarn belästigt zu werden, der einen obendrein auch noch fotografiert. So ist es mir ergangen, als ich auf dem Spazierweg am Ende des Reihergrabens unterwegs war. Offenbar ist es nicht erwünscht, dass die Öffentlichkeit sieht, was vorgeht.“ Der Wald sollte gerade in Zeiten wie diesen nicht in Vergessenheit geraten, so der Anrainer.

„Im Reihergraben muss endlich wieder Ruhe einkehren, für die Bevölkerung und für die Natur.“ Sepp Wimmer, Die Grünen, Umweltstadtrat

Die NÖN erkundigte sich über die Schlägerung beim zuständigen Stadtrat und Vizebürgermeister Roland Honeder. „Die Schlägerungen passieren teils auf Eigengrund und zu einem kleinen Teil auf dem verpachteten Grund der Stadtgemeinde“, klärt Honeder auf. Die Schlägerung am Eigengrund seien nach Rücksprache mit dem Pächter mit dem Landesforstdienst abgesprochen und nicht Sache der Stadtgemeinde. Eine Fläche von 250 Quadratmeter des Pachtgrunds aber schon. Rein rechtlich gingen die Rodungen mit dem Pachtvertrag konform. Der Pächter sei verpflichtet, die Waldfläche Natur 2000-konform zu pflegen, die Wege freizumachen und für die Wiederaufforstung Sorge zu tragen.
Honeder: „Als Gemeinde legen wir darauf großen Wert, dass die vertraglich vereinbarte Wiederaufforstung stattfindet, und werden auch darauf drängen. Wir werden das genau kontrollieren“, verspricht Honeder.

Umweltstadtrat Wimmer zeigt kein Verständnis

„Vor einem Jahr gab es hinsichtlich der Klosterneuburger Bevölkerung einen berechtigten Aufschrei, als ein Grünlandgrundstück im Reihergraben an eine Immobilienfirma verpachtet wurde“, erinnert sich auch Planungs- und Umweltstadtrat Sepp Wimmer noch sehr gut an die Aufregung. Nun hätte dieser Pächter Rodungen im Grünland vorgenommen, ohne die Stadt, als Grundstückseigentümer, vorher zu informieren. Diese Grünlandeingriffe wären nicht nach der im Pachtvertrag vorgesehenen „Natura 2000“-Richtlinie vorgenommen worden. Weiters seien Wanderwege blockiert worden. ÖVP und Grüne seien nach Absprache zu dem gemeinsamen Ergebnis gekommen, dass, wenn der Pächter des Grünlands bei zukünftigen Grünlandmaßnahmen nicht in enger Kooperation mit der Stadt vorgeht und sämtliche Auflagen, aber insbesondere die Umweltauflagen einhält, die Kündigung dieses Pachtvertrages sehr schnell passieren kann.

Wimmer: „5.000 Euro Jahrespacht sind es sicher nicht wert, die Bevölkerung immer wieder in Unruhe zu versetzen. Für mich persönlich ist es völlig unverständlich, wie jemand nach dem Bevölkerungsaufstand im Reihergraben nun so unsensibel agiert.“ Und Umweltstadtrat SeppWimmer abschließend: „Im Reihergraben muss endlich wieder Ruhe einkehren, für die Bevölkerung und für die Natur. Wenn sich der Pächter hier nicht integrieren will, ist er hier wahrscheinlich fehl am Platz.“