Wirtesterben: „Ein ständiges Auf & Ab“. Wirtesterben? Kein Sterben, sondern nur einen Wandel sieht Friedrich Oelschlägel von der Wirtschaftskammer. Von ssssss

Von Claudia Wagner. Erstellt am 05. Juni 2019 (03:17)
privat
Die letzte Wirtin im Ort: Barbara Probst, flankiert von Ortsvorsteher Johann Fanta (l.) und WK-Obmann Markus Fuchs (r.).

„Es ist schwer, die Zeiten haben sich geändert“ – mit elf Jahren Berufs-Erfahrung weiß die Kierlingerhof-Wirtin Barbara Probst, dass die Branche nicht leichter wird. Viele Kollegen mussten schließen – zuletzt Bauers Kuchl. Im Herzen der Katastralgemeinde ist Probst die letzte verbliebene Gastronomin.

Die Monopol-Stellung will die Wirtin nutzen, um der Ortsgemeinschaft einen Treffpunkt zu geben: „Ich bemühe mich, den Betrieb aufrecht zu erhalten, damit die Leute die Möglichkeit haben, gemeinsam irgendwo hingehen zu können. An Zusperren denke ich nicht.“

NOEN

„Kierling ist ein Problem“, gibt WK-Außenstellenleiter Friedrich Oelschlägel zu, „da schaut’s trüb aus.“ Das kulinarische Angebot sei nicht angenommen worden. Oelschlägel: „Wenn die Kierlinger gern ein weiteres Wirtshaus gehabt hätten, hätten sie hingehen müssen.“

Für den WK-Außenstellenleiter ist die Katastralgemeinde der einzige Wermutstropfen der Klosterneuburger Gastronomie-Landkarte. Die Stadt und die anderen Orte seien mit Wirtshäusern gut aufgestellt – aber: „Betriebe sperren zu, andere sperren auf. Es ist ein ständiges Auf und Ab.“

„Absetzen von dem Standard-Trallala“

Manch ein Gastronom schafft es, sich in kurzer Zeit als Hotspot zu etablieren. „Ein gutes Beispiel ist der Rote Hahn. Dort gibt es ganz klassische Wiener Wirtshausküche und Dinge, die man schon ewig nicht auf einer Karte gesehen hat wie Hirn mit Ei“, lobt Oelschlägel.

Neben einem guten Menüplan sieht er weitere Erfolgsrezepte: Eine echte Wirtshauspersönlichkeit, die hinter dem Betrieb steht, und ein Alleinstellungsmerkmal, das das Wirtshaus besonders macht. „Gastronomen müssen schauen, dass sie sich von dem Standard-Trallala absetzen. Das muss nicht kulinarisch sein, Musik kommt zum Beispiel gut an.“

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