Wohnen am Weilguni-Areal als „Öko-Vorzeigeprojekt“. In der Weidlinger Straße 45 soll ein Wohnkomplex mit ökologisch hohen Standards entstehen – mit Kindergarten, leistbaren Wohnungen und guter Anbindung.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:32)
Die Weidlinger Straße 45 war jahrzehntelang Standort für die Firma Weilguni. Derzeit befindet sich an der Adresse eine Corona-Teststraße. Bis 2025 könnte eine Wohnhausanlage mit 100 Wohnungen entstehen.
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100 neue Wohnungen mit Dachbegrünung und Photovoltaik, energieeffiziente Bauweise und ein Kindergarten, den die Stadtgemeinde günstig erwerben kann: Am Weilguni-Areal ist Großes geplant. Wo früher Autohaus und Kfz-Werkstätte waren, soll in den nächsten Jahren ein trautes Heim entstehen.

Planungsstadtrat Sepp Wimmer (Grüne) spricht von einem „ökologischen Vorzeigeprojekt“. Und: „Ich kann mich an kein Wohnprojekt in der Vergangenheit erinnern, dass so positiv gesehen wurde wie dieses an der Weidlinger Straße. Nicht nur, dass die Stadt den notwendigen Kindergarten bekommt, sprechen alle infrastrukturellen und ökologischen Parameter für dieses Wohnbauprojekt.“ Dazu zählen: die Lage im Siedlungsgebiet neben anderen großvolumigen Wohnbauten, guter Verkehrs-Anschluss und ein öffentlicher Weg durch das Gelände.

Grünes Dach, PV und E-Ladestationen

Wimmer: „Insbesondere die 30-prozentige Entsiegelung der bisher verbauten oder asphaltierten Fläche ist für uns Grüne ein ökologisches ,Highlight‘. Es kommt nur äußerst selten vor, dass beim Bau einer neuen Wohnanlage nicht Boden zusätzlich versiegelt wird, sondern die Bodenversiegelung geringer wird und es zu einer Renaturierung des Bodens kommt.“Außerdem klimafreundlich: die Bauweise mit mindestens Niedrigenergiehausstandard, Dachbegrünung und Photovoltaikanlagen, unterirdische Garagen mit E-Anschluss bei jedem zweiten Parkplatz, Abstellplätze und Ladestationen für E-Fahrräder.

„Insbesondere die 30-prozentige Entsiegelung der bisher verbauten oder asphaltierten Fläche ist ein ökologisches ,Highlight‘.“ Sepp Wimmer, Planungsstadtrat (Grüne)

Jahrzehntelang befand sich an der Adresse die Firma Weilguni – nach der Schließung des Standorts stellte sich die Frage nach der Nachnutzung des 0,72 ha großen Areals und einer möglichen Umwidmung, erklärt Wimmer: „Nachdem das Gelände zentrumsnah und verkehrstechnisch gut erschlossen war, wurde ein Wohnbauprojekt andiskutiert.“ Mit Bedingungen an den Grundstückseigner, die Firma Weilguni: ein integrierter Kindergarten zur Entlastung der Betreuungsstätte in der Anton Bruckner Gasse sowie ökologische und bautechnische Parameter. Ein Raumordnungsvertrag zwischen der Stadt und dem Eigentümer regelt nun die Realisierung.

Neben der Kinderbetreuung soll das Projekt eine weitere wichtige Sozial-Komponente verwirklichen: Mindestens zehn Einheiten sind als „leistbare Wohnungen“ vorgesehen mit einem Nettomietzins von 7,50 Euro pro Quadratmeter. „Vom Verhandlungsstand her schaut es derzeit relativ gut aus, dass es sogar mehr als zehn ,leistbare Wohnungen‘ werden“, freut sich Roland Honeder (ÖVP), Vizebürgermeister und Vorsitzender des Immobilienverwaltungs-Ausschusses, und fügt hinzu: „Es wird eine gute Zahl an Wohnungen geben, die die Stadt zu guten Konditionen vergeben kann.“ Und: „Hier werden viele ökologische und soziale Komponenten berücksichtigt. Sonst könnte dort ein Gewerbebau mit hohen Emissionen entstehen.“

Im Dezember entschied sich das Stadt-Parlament bereits, die Flächenwidmung von Bauland-Betriebsgebiet in Bauland-Kerngebiet vorzubereiten. Nach dem Raumordnungsvertrag sind die nächsten Schritte eine Umwidmung der 0,72 ha großen Fläche und das Ansuchen um Baugenehmigung seitens des Bauträgers. „Grundsätzlich ist das Projekt gut auf Schiene. Man kann davon ausgehen, dass die Wohnungen etwa 2025 fertig sein könnten. Aber das ist nur eine Schätzung, zuvor müssen noch die Beschlüsse im Gemeinderat gefasst werden.“

Pitschko: „Leistbar, aber für wen?“

Das wird wohl nicht ohne Gegenstimmen passieren. Schon jetzt stößt sich Stadtrat Josef Pitschko (FPÖ) an den Plänen für ein „Klein-Manhattan an der Weidlinger Straße“: „Da laut dem Gemeinderatsbeschluss nur zehn Wohnungen ,leistbar‘ sein müssen, stellt sich die Frage, für wen die ,nicht leistbaren‘ Wohnungen gebaut werden sollen.“ Der freiheitliche Stadtrat rechnet vor: „Sogar die ,leistbaren Wohnungen‘ erfordern bei Bruttomieten von elf Euro pro Quadratmeter (inklusive Betriebskosten, aber ohne Heizkosten) ein überdurchschnittliches Einkommen, weil beispielsweise eine 70 m2 große Wohnung inklusive Heizkosten monatlich mehr als 900 Euro kosten wird.“

Das Projekt erinnere Pitschko an das Pionierviertel: „Die Befürworter der geplanten Wohnsilos bezeichnen den Standort wegen der Nähe zum Bahnhof und der vorhandenen Buslinie als ideal. Die gleichen Argumente von den angeblichen Umweltschützern habe ich schon bei der Planung der 1.100 Wohnungen im Pionierviertel gehört. Die Geschichte wiederholt sich anscheinend.“