Wundermittel aus dem Wald: Tipps zur Schwammerl-Saison

Erstellt am 01. Oktober 2022 | 06:15
Lesezeit: 5 Min
Pilze sind nicht nur ein schmackhaftes Lebensmittel, sondern auch Naturmedizin. Aber wo darf man sie sammeln? Und welche Gefahren gibt es dabei? Klosterneuburger Experten wie Hademar Bankhofer informieren.
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Derzeit sind sie sprichwörtlich in aller Munde: Schwammerl. Auf jeder Speisekarte sind sie zu finden. In den Supermärkten werden sie feilgeboten. Aber das wahre Glück für jeden echten Schwammerl-Kenner ist es, sie selbst zu finden.

„Esst Pilze, und ihr lebt länger“ – Diese Aussage des bekannten deutschen Pilzforschers Jan Lelley kann Klosterneuburgs Gesundheitsexperte Hademar Bankhofer nur bestätigen. „Im Rahmen einer ausgewogenen und gesunden Ernährung sowie in der Naturmedizin spielen Pilze eine bedeutende Rolle“, weiß der Fachmann.

So sind sie unter anderem eine wichtige Quelle für Vitamin D. Eine wichtige Faustregel lautet: 200 Gramm Pilze ersetzen zwei Tage Sonnenschein, was die Anlieferung von Vitamin D betrifft. Außerdem versorgen sie uns noch mit Ballaststoffen für die Verdauung, mit Vitamin B2 und B3 für gesunde, attraktive Haut sowie mit Vitamin B5 gegen den Stress.

Weiters findet sich eine interessante Menge an Eisen für die Blutbildung und Vitalität und Mangan für Gehirn und Nerven. Pilze enthalten auch andere Kohlenhydrate als Pflanzen: keine Stärke, dafür Mannit, eine spezielle für Diabetiker geeignete Zuckerart.

Im Rahmen einer ausgewogenen und gesunden Ernährung sowie in der Naturmedizin spielen Pilze eine bedeutende Rolle.“ Hademar Bankhofer Gesundheitsexperte

Und auch wer auf die schlanke Linie achtet, sollte die kleinen Wunderwerke aus dem Wald auf jeden Fall auf den Speiseplan setzen. Sie liefern kaum Kilokalorien und fast gar kein Fett. Dafür sind sie reich an lebenswichtigen Aminosäuren und Ballaststoffen.

Beschilderung beachten

Trotz all dieser Vorteile sollte man beim Verzehr von Wald- und Wildpilzen etwas vorsichtiger sein. Die österreichische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, nicht mehr als 250 Gramm pro Woche von den kleinen Köstlichkeiten zu verzehren, weil man damit rechnen muss, dass sie mit Radioaktivität, Cadmium und Quecksilber belastet sein könnten. Bei Zuchtpilzen besteht dieses Problem nicht.

Aber für viele gehört das Sammeln von Schwammerln einfach auch irgendwie zu dem Genuss dazu. Dabei sollte man nicht nur darauf achten, dass man natürlich nur genießbare Exemplare sammelt, sondern auch wo man diese findet. „In dem Kernzonen-Biosphärenpark ist das Sammeln von Schwammerln nicht erlaubt. Man muss da immer auf die Beschilderung achten“, empfiehlt Herbert Steiner vom Österreichischen Touristenklub (ÖTK) Klosterneuburg.

Und auch in den Gebieten, in denen man offiziell sammeln darf, gibt es Regeln, die die Sammler beachten müssen. Pro Person dürfen pro Tag zwei Kilogramm, als Gruppe von mehr als vier Personen pro Tag allerdings nur insgesamt vier Kilogramm gesammelt werden. Beim Sammeln selbst sollte man keine Schaufel, Hauen oder Spitzhacke verwendet werden. „Nur ein Pilz- oder Klappmesser verwenden. Sonst die Schwammerl auf keinen Fall ausgraben, sondern herausdrehen und dann putzen“, bittet Steiner auf die Natur zu achten.

Schwammerln sind überall zu finden

So sehr diese Regeln immer kommuniziert werden, so sehr sind Pilzsammler verschlossen, wenn es um „ihre“ Plätze geht. Sie wissen, wo die meisten Schwammerl aus dem Boden sprießen, hüten diese Stellen aber wie ihren Augapfel. Steiner schenkt aber auch denen Hoffnung, die noch nicht ihren persönlichen Schwammerl-Platz gefunden haben: „Wenn es geregnet hat und die Sonne rauskommt, es feucht und dunstig ist, da wachsen die Schwammerl fast überall. Keine Sorge! Ich habe selbst beim Wege Markieren knapp neben dem Weg schon Schwammerl gefunden.“ Einzig das Wetter – diese eigene Mischung aus Feuchtigkeit und Sonnenschein – muss passen.

Doch selbst wenn man dann das ein oder andere Schwammerl selbst findet, sollte man vorsichtig sein und nur die Pilze essen, die man einwandfrei bestimmen kann, damit man nicht Gefahr läuft, eine Pilzvergiftung zu erleiden. Mediziner unterscheiden dabei eine echte und eine unechte Pilzvergiftung. Während eine Echte sogar lebensbedrohlich sein kann, ist eine Unechte eine Unverträglichkeitsreaktion, die aber natürlich auch unangenehm sein kann.

„Die manchmal überaus schwierige Unterscheidung zwischen echter und unechter Vergiftung soll unbedingt Ärzten vorbehalten sein. Es kann um wenige lebensentscheidende Stunden gehen“, warnt Allgemeinmediziner Peter Kaufmann. Das tückische an solchen Vergiftungen ist, dass sie je nach Art und Menge des aufgenommenen Giftes die unterschiedlichsten Symptome hervorrufen und in einer Zeitspanne von 30 Minuten bis zu mehreren Stunden auftreten können.

Sollte man also nach dem Verzehr von Schwammerln Vergiftungserscheinungen spüren, rät Kaufmann, unverzüglich einen Arzt oder ein Krankenhaus aufzusuchen, und sich auch an die Vergiftungsinformationszentrale Wien ( 0140 64343) zu wenden. „Was Sie keinesfalls tun sollten – und was trotzdem immer wieder versucht wird: Finger weg von Milch!“, mahnt Kaufmann. Auch die Einnahme von Kohletabletten oder das Erzwingen vom Erbrechen sind keine Alternativen, die der Allgemeinmediziner empfehlen kann.

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