Alte Krusten aufbrechen. Christoph Hornstein über neu veröffentlichte Übergriffsvorwürfe an das Stift.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 16. Januar 2019 (03:36)

Akribisch wird nun aufgedeckt, was vor 30 Jahren oder mehr unter dem Siegel der Verschwiegenheit Widerwärtiges passiert ist. Sei es in der Filmbranche, sei es im Sport – heute scheint die Zeit reif zu sein, um sexuelle Übergriffe ans Tageslicht zu bringen.

Die interne Kirchenstruktur der Vergangenheit leistete diesen Übergriffen besonders Vorschub. Der gesellschaftliche Verhaltenskodex gebot darüber zu schweigen. Heute erscheinen diese Krusten aufgebrochen. Die offene Wertegesellschaft, in der wir heute leben, macht es möglich, die Dinge beim Namen zu nennen, leichter ja und nein zu sagen, Entscheidungen freier zu treffen. Nur das Chorherrenstift pauschal dafür zu verteufeln, was vor langer Zeit passiert ist – das ist wohl zu billig. Das Gebot der Stunde wird wohl sein, in aller Transparenz lückenlos die Dinge aufzudecken. Und das versucht das Stift mit Opferschutz-Anwalt, mit dem Einsatz eines Präventionsbeauftragten, der Etablierung einer Meldestelle.