Provokation um jeden Preis. Über „Die Königin von Saba“ in der Stiftskirche.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 18. September 2019 (03:19)

Es ist ein hart umkämpftes Privileg der Demokratie: Die Kunst ist frei. Sie soll zum Nachdenken anregen. Sie kann provozieren. Sie darf alles. Aber nicht jeder Ort muss ihr Bühne sein.

Würde „Die Königin von Saba“ im Kaiserhof oder in der Babenbergerhalle spielen, wären die Schlagzeilen andere. Die tolle Musik, der geschichtsträchtige Hintergrund oder die gelungene Verbindung in die Gegenwart stünden im Fokus. Die Version in der Stiftskirche macht die Botschaften zunichte. Gekünstelte Hyper-Sexualität dominiert, jeglicher rote Faden geht in gezwungener Provokation unter.

Die Vorführungen in Klosterneuburg hätten eine neue Ära für Carl Goldmarks Stück einläuten können – stattdessen gehen Anfang und Ende Hand in Hand. Umschnall-Dildo und Nacktheit, vom Stift nach der Generalprobe verboten, sind nur die Spitze des Eisbergs. Und die einzige Botschaft, die dem Publikum bleibt – der Stifts-Bühne unwürdig. Hier darf Kunst eben nicht alles.