Klosterneuburg

Erstellt am 07. November 2018, 04:35

von Christoph Hornstein

Klosterneuburg will den Bauboom eindämmen. Mit dem neuen Konzept 2030+ will die Stadtpolitik den Bauboom dämmen. Grüne: „Keine Chance bei dem Bauplatzangebot.“

Symbolbild  |  Shutterstock.com, Red ivory

Trotz Bausperre wird in der Babenbergerstadt gebaut und gebaut und gebaut. Und das wird sich nach Ansicht des Grünen Stadtrats Sepp Wimmer in den nächsten 30 Jahren nur sehr schwer ändern lassen. Denn fast 300 Hektar Baufläche steht in Klosterneuburg noch zur Verfügung. Wimmer: „Das Einzige, wie man eine Reduzierung im kleinen Umfang erreichen könnte, wäre die Beschränkung von Wohneinheiten.“

Wie wird oder soll unsere Stadt 2030 aussehen? Dieser Frage stellt sich aktuell der Stadtplanungsausschuss mit der Erstellung des STEK 2030+ (Stadtentwicklungskonzept 2030+), das unter anderem die Flächenwidmung und damit die Weichen für die zukünftige Lebensqualität der Klosterneuburger Bevölkerung festlegt.

"Klosterneuburg kann aufgrund seiner flächigen Siedlungsgrenzen jedenfalls nicht nach außen wachsen, und auch die Verdichtung im Zentrum stößt an ihre Grenzen.“ Christoph Kaufmann, ÖVP-Planungsstadtrat

Eine entscheidende Frage dabei ist die nach dem Bevölkerungswachstum. Das wiederum richtet sich nach der Möglichkeit der Bebauung. Und da ist Klosterneuburg gut aufgestellt.

„Obwohl der aktuelle Bauboom in Klosterneuburg von immer größeren Teilen der Bevölkerung kritisch gesehen wird, wird die Zukunft kein Ende der Verbauungen bringen“, ist sich der Grüne Fraktionschef Sepp Wimmer sicher. 163 Hektar Bodenfläche sind derzeit in der Stadt als Bauland gewidmet und noch nicht verbaut worden. Dazu kommen 143 Hektar, die zwar schon bebaut sind, aber wo noch Verdichtungsmöglichkeiten zur größeren Verbauung bestehen.

Nach Wimmers Rechnung bedeutet dies, dass sich auf diesen Flächen künftig zwischen 4.000 und 13.000 neue Einwohner ansiedeln könnten. Hier wären die 3.000 Bewohner des Pionierviertels noch gar nicht berücksichtigt. Wimmer: „Für alle diese künftigen Bewohner werden die bestehenden Infrastruktureinrichtungen nicht ausreichen. Dafür wird man neue Straßen brauchen.“

Eine Umwidmung des noch nicht verbauten Baulands in Grünland ist faktisch nicht möglich, denn da müsste die Stadtgemeinde Abschlagszahlungen leisten. „Das würde eine Milliarde Euro kosten. Bei einem Jahresbudget der Gemeinde von 80 Millionen ist das unrealistisch“, weiß Wimmer.

Angst um die grüne Gartenstadt

Darum steht der Wahlspruch der Grünen „Wir wollen ein gutes Leben statt Wachstum“ auf wackeligen Beinen. Es sei fast nicht möglich, eine signifikante Eindämmung des Wachstums vorzunehmen, wenn derart viel an gewidmetem, unbebauten Bauland vorhanden sei. Und Wimmer weiter: „Ich will der regierenden ÖVP gar nicht absprechen, das Problem erkannt zu haben, aber wenn dann immer das Argument kommt, wir wollen nicht, dass die Stadt ausstirbt, ist das lächerliche Angstmacherei.“ Klosterneuburg im Speckgürtel um die Millionenmetropole Wien werde nie in Gefahr geraten auszusterben. Vielmehr bestünde die Gefahr, dass Klosterneuburg seinen Reiz als eigenständige grüne Gartenstadt mit hoher Lebensqualität verlieren und zu einer hektischen Vorstadt von Wien werden könnte.

Wachstum stößt an seine Grenzen

„Obwohl seit fast 30 Jahren kein neues Bauland, abgesehen für soziale Infrastruktur wie Kindergarten oder Lückenschlüsse an den Hauptstraßen, dazu gekommen ist, hat Klosterneuburg noch rund 18 Prozent an Baulandreserven. Hier müssen wir tatsächlich sehr verantwortungsvoll im Rahmen des Stadtentwicklungskonzepts vorgehen und schauen, dass das Wachstum der Stadt so moderat wie bisher (Anm.: + 0,7% p. A. seit 2002) bleibt“, erklärt Planungsstadtrat Christoph Kaufmann. Klosterneuburg könne aufgrund seiner flächigen Siedlungsgrenzen jedenfalls nicht nach außen wachsen, und auch die Verdichtung im Zentrum würde an ihre Grenzen stoßen.

Die Angst, dass Klosterneuburg seine Lebensqualität verlieren könnte, teilt Kaufmann nicht: „Den Zahlen von Sepp Wimmer müssen wir auch die knapp 4.500 Hektar an Wald, 556 Hektar an gewidmetem Grünland sowie rund 80 Hektar an Freiflächen sowie Grünlandgürtel entgegenstellen. Diese Flächen sind sakrosankt und die Basis für die hohe Lebensqualität in Klosterneuburg.“

Im Rahmen der Stadtentwicklungskonferenz im Dezember wird das neue Konzept präsentiert, beschlossen wird es im Frühjahr 2019.

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