115 Jahre alter Baum umgeschnitten. Jeder Kritzendorfer kennt den mächtigen Baum beim Bahnhof Unterkritzendorf. Jetzt ist dort nur mehr ein Baumstrunk.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 13. Januar 2020 (06:12)
Ein trauriges Bild, an das sich die Kritzendorfer Bahnbenützer nur schwer gewöhnen können. Den 115 jahre alten Baum gibt es leider nicht mehr.
privat

„Der Baum war etwa 115 Jahre alt und gesund, ohne irgendwelche Anzeichen von Krankheit oder Altersschwäche, es gab auch keine herabfallenden Äste. Er dürfte am Ende des zweigleisigen Ausbaus der Franz Josefs-Bahn (1905) gepflanzt worden sein“. So wie Christian Jochum erinnern sich viele Kritzendorfer mit Wehmut an den mächtigen Baum beim Bahnhof Unterkritzendorf. Seit ein paar Tagen gibt es diesen Baum nicht mehr. ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif: „Wir verstehen, dass der Baum Anrainern ein großes Anliegen ist, und hätten den Baum auch gerne erhalten, doch im Sinne der Sicherheit wurde die Fällung durchgeführt.“

Damit ist Jochum aber nicht einverstanden: „Meine Vermutung ist, dass die Stockausschläge, das sind etwa 1,5 bis 2 Meter lange Triebe am Wurzelhals des alten Baumes, die ab einer bestimmten Länge den Zugang zum Bahnhof etwas behinderten, der Grund für die Rodung waren. Oder war es wieder einmal die Angst vor der Haftung, falls der Baum umfallen sollte?“ Nach rechtlicher Auskunft ist es aber so, dass, wenn ein Baum gesund aussieht (das wäre der Fall gewesen) und regelmäßig überprüft wird, keine grobe Fahrlässigkeit besteht. Jochum: „Und Haftung gibt es nur bei grober Fahrlässigkeit, dann, wenn jeder schon sieht, dass ein Baum morsch ist und trotzdem nichts unternommen wird. Leider empfehlen viele Juristen: Der sicherste Baum ist der, der 20 Zentimeter über dem Boden endet.“

Gerade als Imker, der in unmittelbarer Nachbarschaft mit seinen Bienenstöcken wohnt, ist Christian Jochum leid um die ertragreiche Trachtquelle. „Robinienblüten geben einen hellen Frühsommerhonig. Gemeinsam mit Lindenblüten sind sie die wichtigsten Nektarspender für die Bienen“, führt Jochum aus.

Experten empfahlen Fällung

ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif erklärt indes ganz genau, warum es zur Fällung gekommen ist: „Aufgrund der jährlichen Baumkatasterbegehungen wurde von externen Experten bei dem angesprochen Baum als Pflegemaßnahme Totholzentfernung angeben. Bei den Schnittmaßnahmen stellten die Fachleute dann fest, dass der Baum Schäden hat, die vom Boden aus nicht sichtbar waren – eingerissene Äste aufgrund von Zwieseldruck – und empfahlen eine Fällung, die auch von unserem Dienstleister durchgeführt werden musste.“