Auf der Alm, da gibt’s koa Plastik. Wahl-Kritzendorfer Michael Thurner erfüllt sich einen sich einen Kindheitstraum und pachtet die Jochalm in Kärnten. Es soll ein Vorzeigeprojekt werden.

Von Victoria Heindl. Erstellt am 07. Mai 2021 (03:30)
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Jedes Jahr zieht es tausende von Niederösterreichern in die Berge. Für einen war der Ruf so laut, dass er nun den gesamten Sommer auf einer Alm verbringen will. Der Wahl-Kritzendorfer Michael Thurner ist der neue Pächter der Jochalm im Kärntner Gailtal. Und er hat sich einiges vorgenommen. Neben der Produktion von Käse, Joghurt und Butter und der Bewirtung von Wanderern und Mountainbike-Fahrer haben sich Thurner und seine Alm-Kollegen ein großes Ziel gesetzt: Die Jochalm soll die erste plastikfreie Alm der Welt werden.

Bereits in seiner Kindheit im Kärntner Gailtal verbrachte Thurner viel Zeit auf dem Bauernhof der Großeltern und auch als Hirtenhelfer auf der Alm. Schon damals reifte der Wunsch in ihm, einmal selbst eine Alm zu bewirtschaften. Aber sein beruflicher Weg führte ihn dann weit weg von den Bergen.

Von Singapur auf die Jochalm

Nach seinem Abschluss an einer HBLA für alpenländische Landwirtschaft ging Thurner zum Studium nach Wien, Frankreich, Chile, Kalifornien, Australien und Japan. Zurück in Österreich wurde er schon mit 28 Jahren zum Geschäftsführer der „Österreichischen Weinmarketing Gesellschaft“. Anschließend zog er für fünf Jahre nach Singapur und gründete dort eine Distributionsfirma für österreichischen Wein und Bio-Säfte. Die Firma betreibt er nun mit Sitz in Klosterneuburg weiter, die Sehnsucht nach den Bergen ließ ihn aber nie los. Als sich die Möglichkeit bot, die Jochalm zu pachten, sagte Thurner sofort zu. „Ich habe mich schon vor Jahren auf die Warteliste setzen lassen, und als dann die Anfrage kam, habe ich in einer Sekunde zugesagt“, freut sich Thurner über sein zukünftiges Leben und Arbeiten auf der Jochalm – eine der wohl schönsten Almen im Gailtal.

Denn eines steht für Thurner fest: „In den Bergen ist man einfach in einer anderen Welt, die mich fasziniert. Man duzt sich, die Menschen sind lockerer und freundlicher zueinander.“ Diese Faszination will er nun auch an andere weitergeben. Denn neben dem „normalen“ Almbetrieb mit 180 Kühen, von denen 30 Stück zweimal am Tag gemolken werden müssen, Schafen, Pferden, Schweinen und Hühnern, der Produktion des „Gailtaler Almkäse g.U.“, der seit 1345 gleich produziert wird, kommen auch täglich zahlreiche Wanderer, Läufer und Mountainbiker auf die Alm.

„Will man die Schönheit und der Natur bewahren und den Planeten retten, müssen wir Schluss machen mit Plastik.“ Michael Thurner, Pächter der Jochalm im Kärtner Gailtal

Sowohl die Bewirtschaftung der Alm als auch die Bewirtung der Gäste soll nun komplett ohne Plastik stattfinden. „Will man die Schönheit und der Natur bewahren und den Planeten retten, müssen wir Schluss machen mit Plastik“, ist Thurner überzeugt. Wie schwierig das sein kann, hat Thurner bereits in den letzten Monaten bei der Vorbereitung auf die Alm-Saison gemerkt, denn viele Produkte gibt es – von den Herstellern aus – nur in Plastik verpackt. Aber auch dafür hat Thurner bisher immer eine Lösung gefunden.

Auch wenn sich Thurner sehr auf sein „neues“ Leben freut, seinem alten Leben kann er nicht ganz entfliehen. Seine Firma wird er von der Alm aus weiterführen und beide Welten verbinden: Er wird eine Weinkarte – auch mit Spitzenweinen aus NÖ – anbieten, die für eine Alm eher ungewöhnlich ist.

Wer sich selbst davon ein Bild machen will, kann das ab 5. oder 12. Juni: dann ist Alm-auftrieb für den „Almöhi“ aus Kritzendorf.