Schwebendes Haus im Grünland von Klosterneuburg. PUK deckt auf: Bauen im Grünland erreicht traurigen Höhepunkt. Schmuckenschlager lässt den Fall vom Land NÖ prüfen.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 15. April 2020 (04:39)
Schweres Gerät im Wienerwald und ein Wochenendhaus, das, weil es nicht abgerissen werden darf, hochgezogen wurde.
PUK

Ein kurioses Bild und für viele ein Synonym dafür, was in Klosterneuburg alles möglich ist.

Am Kollersteig steht nach Recherchen der PUK (Plattform Unser Klosterneuburg) ein 50-Quadratmeter-Häuschen im Grünland. Widmung: GEB (Erhaltenswertes Gebäude im Grünland). Mit schwerem Gerät wurde Ende Jänner damit begonnen, mehrere Meter der Böschung abzutragen. Was mit dem Haus passiert, erklärt PUK-Gemeinderat Stefan Hehberger so: „Es gibt auch im Grünland Gebäude, die als erhaltenswert eingestuft sind und deren Sanierung erlaubt ist.“ Im gegebenen Fall sei es nicht erlaubt, ein solches Gebäude abzureißen und neu zu errichten, es müsste ein Umbau im Bestand sein. „Was hier passiert, treibt das Ganze ad absurdum“, so Hehberger, „die Hälfte der Holzhütte schwebt nun auf Stelzen in mehreren Metern Höhe, darunter wird ein Keller errichtet und rund um die Hütte wohl ein weitaus größeres Haus. Das ist nicht im Sinne des Gesetzgebers“, zeigt sich Hehberger erschüttert.

„Diese skurrile Bauführung ist bestimmt nicht im Sinne der politischen Bestrebungen.“ Stefan Schmuckenschlager

Erst 2014 wurde das Gebäude erneut als erhaltenswertes Gebäude eingestuft, die Begründung dafür ist für Hehberger nicht nachvollziehbar: „Dass man nun aber ein solches Bauprojekt daraus macht, ist das größere Problem. Wir haben in Klosterneuburg 245 solcher Gebäude, die Tür und Tor für Bauprojekte in der schützenswerten Natur an den Rändern Klosterneuburgs öffnen. Oft ohne Kanalanschluss. Die Folge ist mehr Verkehr und Geruch in Randlagen, weil auch die Senkgruben ausgehoben werden müssen. Um zu verhindern, dass diese lange Liste an Gebäuden ausgebaut wird, muss die Gemeinde lenkend eingreifen.“

„Wie lange müssen wir noch zuschauen, wie Klosterneuburgs grüne Randlagen immer stärker verbaut und die Natur als Naherholungsraum beschnitten wird?

Schon während der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzepts vor den Wahlen hätten die PUK-Vertreter vehement einen Stopp für neue GEB-Widmungen gefordert, denn diese wären angesichts des Bauwahns in der Stadt nicht zu verantworten. Ohne Erfolg. „Wie lange müssen wir noch zuschauen, wie Klosterneuburgs grüne Randlagen immer stärker verbaut und die Natur als Naherholungsraum beschnitten wird?“, so Hehberger.

Auch für Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP) geht diese Art raffinierter Auslegung der Bauordnung zu weit. „Diese skurrile Bauführung ist bestimmt nicht im Sinne der politischen Bestrebungen zur Eindämmung vom Baugeschehen. Allerdings zeigt sich daran, wie wirksam die bisherigen Bausperren waren, und die daraus resultierende Verknappung von Baufläche. Wäre die bebaubare Fläche in Klosterneuburg nicht so knapp, käme wohl niemand auf so eine merkwürdige Idee.“

Die Gemeinde lässt den Fall aufgrund seiner Besonderheit vom Land NÖ überprüfen.