Trauer um Christa Ludwig in Klosterneuburg. Kammersängerin war vier Jahrzehnte lang Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper und vom Publikum verehrt.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 28. April 2021 (04:30)
Kammersängerin Christa Ludwig ist 93-jährig verstorben.
IMAGO / Manfred Siebinger, IMAGO / Manfred Siebinger

Eine Jahrhundertstimme ist verstummt: Kammersängerin Christa Ludwig ist am Sonntag 93-jährig verstorben.

Sie verkörperte das, was man gemeinhin als Opernlegende bezeichnet: 1928 in Berlin in eine musikalische Familie geboren, wurde sie 1955 von Karl Böhm an die Wiener Staatsoper verpflichtet, wo sie fast 40 Jahre lang Ensemblemitglied war und sich 1994 als Klytämnestra in „Elektra“ von ihrem Publikum verabschiedete. In 769 Aufführungen sang sie 42 verschiedene Partien.

„Eine ehrliche und unbeugsame Verfechterin der Tradition der klassischen Musik, des Liedes und natürlich der Oper.“ Clemens Unterreiner Staatsopern-Ensemblemitglied

Aber auch bei den Salzburger Festspielen, in Bayreuth, an der Mailänder Scala oder an der Met in New York reüssierte Christa Ludwig, die als Liedinterpretin vor allem im spätromantischen Repertoire ebenfalls weltweit große Anerkennung fand. Neben Böhm begleiteten Leonard Bernstein und Herbert von Karajan ihre fulminante Karriere. Von 1957 bis 1970 war sie mit dem Sänger Walter Berry (1929–2000) verheiratet, 1972 heiratete sie den französischen Schauspieler und Regisseur Paul-Émile Deiber (1925–2011).

Sie lebte seit vielen Jahren in ihrer Wahlheimat Klosterneuburg. Zu ihrem 90. Geburtstag erschien ihre Autobiografie mit dem Titel „Leicht muss man sein. Erinnerungen an die Zukunft“.

Christa Ludwig setzte sich auch erfolgreich für zeitgenössische Musik ein und war bis ins hohe Alter als Meisterkurs-Lehrerin, Vortragende und Jurorin aktiv und hoch geschätzt. Zahlreiche Auszeichnungen wurden ihr zuteil, darunter Kommandeur der französischen Ehrenlegion (2010), Ehrenmitgliedschaft an der Wiener Staatsoper (1981), Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (1994), deutsches Bundesverdienstkreuz (2004), Ehrennadel mit Rubin der Salzburger Festspiele (2013). 1988 erhielt Ludwig die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold, 1997 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. 2018 wurde ihr der Goldene Rathausmann überreicht.

Stellvertretend für viele Bewunderer ihrer Kunst sprach Staatsopern-Ensemblemitglied Clemens Unterreiner seinen Dank aus: „Nicht nur als Jahrhundertkünstlerin, Bühnenpersönlichkeit, Gesangsmeisterin, Autorin, Mahnerin, sondern vor allem als leidenschaftliche, ehrliche und unbeugsame Verfechterin der Tradition der klassischen Musik, des Liedes und natürlich der Oper.“ Und Staatsopern-Direktor Bogdan Roscic zitierte aus einer der legendären Paraderollen Ludwigs, der Marschallin aus dem „Rosenkavalier“ von Richard Strauss: „Mit leichtem Herz und leichten Händen, halten und nehmen, halten und lassen“.