Herbert Huscsava: „Das Haus läuft sehr gut“. Das Landesklinikum Klosterneuburg hat einen neuen Ärztlichen Direktor. Die NÖN bat ihn zum Gespräch.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 04. Februar 2021 (03:11)
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Herbert Huscsava. So heißt der neue Ärztliche Direktor des Landesklinikums Klosterneuburg. Er löste Primaria Maria Redl-Wenzl ab, die im Dezember des Vorjahres ihren Ruhestand antrat. Wer ist dieser neue Arzt in der Chefetage unseres Landesklinikums? Was hat er in seinem neuen Betätigungsfeld für Pläne? Die NÖN sprach mit dem neuen Ärztlichen Direktor.

NÖN: Herr Doktor! Was haben Sie vor ihrem jetzigen neuen Job gemacht?
Herbert Huscsava: Die vergangenen vier Jahre war ich als Oberarzt an der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie im Universitätsklinikum Tulln tätig.

Was verbindet Sie mit Klosterneuburg?
Ich bin gelernter Unfallchirurg und seit fünf Jahren freiberuflich als Notarzt für das Rote Kreuz Klosterneuburg tätig. Daher kenne ich Klosterneuburg und seine Bürger sehr gut. Außerdem durfte ich in den vergangene Jahren auch an der Tagesklinik im LK Klosterneuburg operieren.

Seit mehr als einem Monat haben Sie die ärztliche Leitung des Klosterneuburger Spitals über. Was sind Ihre ersten Eindrücke von diesem Haus?
Das Haus läuft sehr gut, dennoch sind – wie überall – noch Verbesserungen möglich.

Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?
Wichtig ist, dass man die Dinge, die man hier im Haus gut kann, weiter fördert . Das ist in erster Linie die RNS, die „Remobilisation und Nachsorge“. Das ist eine abgestufte Form der Akutversorgung zur Weiterführung der Behandlung akut kranker Patienten. Sie ist ein Bindeglied zwischen primärer Akutversorgung und Rehabilitation beziehungsweise sie soll die Akutmedizin gut entlasten. Hier sind wir das Ansprechkrankenhaus Nummer eins in der Region. Das ist hier in Klosterneuburg gut aufgebaut worden, kann man aber noch stärken.

Wichtig ist, dass man die Dinge, die man hier im Haus gut kann, weiter fördert

Und wo sind wir noch stark?
Unser zweites Spezialgebiet ist die Onkologie, also die Behandlung von bösartigen Erkrankungen. Hier können wir vieles an Diagnostik und Therapie wohnortnahe im LK Klosterneuburg durchführen.

Eine Umstellung hat die Klosterneuburger besonders getroffen. Sie wissen, was ich da meine?
„Natürlich! Die Chirurgie wurde auf Tagesklinik-Betrieb umgestellt! Das hat leider nach außen Wellen geschlagen. Ich habe den Auftrag die ambulante chirurgische Versorgung tagsüber auch am Wochenende zu gewährleisten. Eine Rund-um-die Uhr-Versorgung gibt es in den Fächern Innere Medizin, Gynäkologie und Geburtshilfe, in der Chirurgie und Unfallchirurgie ist eine Basisversorgung gesichert.

Wird sich hier in nächster Zeit etwas verändern?
Wenn es Corona zulässt, haben wir es uns zum Ziel gemacht, im zweiten Quartal 2021 die basisunfallchirurgische Versorgung anzubieten. Wir wollen dann auch wieder tagsüber unfallchirurgische Operationen durchführen können. Mein Ziel ist es, dass wir eine operative Basisversorgung schaffen. Wir sollen eine Anlaufstelle sein. Die Leute sollen zu uns kommen. Es ist eine intensive Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Tulln nötig.

Wenn es Corona zulässt, haben wir es uns zum Ziel gemacht, im zweiten Quartal 2021 die basisunfallchirurgische Versorgung anzubieten

Das sind aber gute Neuigkeiten…
Die Versorgung wird im chirurgischen und osteologischen Bereich mehr werden. Ich habe hier in Klosterneuburg sehr gute Mitarbeiter. Auch externe Spezialisten wie Dr. Valentin, die in Klosterneuburg operieren. Es sind noch nicht alle Instrumente da. Der Einkauf wird zentral gesteuert. Ich kann nur für uns das Produktportefeuille zusammenstellen.

Da wollen Sie ja einiges bewegen…
Es darf bei einem neuen ärztlichen Direktor auch ein neuer Wind wehen. Wir werden hier keine Universitätsklinik werden, aber wir wollen die Klosterneuburger optimal versorgen.

Was macht die Pandemie mit dem Spital?
Es gibt im Lockdown ein strenges Besuchsverbot mit ganz wenigen definierten Ausnahmen. Wir wollen die Bevölkerung schützen. Aber jeder, der im Krankenhaus liegt, will Besuch haben. Das versuchen wir in unserem Haus durch die klinische Psychologie etwas auszugleichen. Auch das Testen wird im Klosterneuburger Spital sehr ernst genommen. Unser Personal müsste sich ein Mal in der Woche testen lassen, wir machen es zwei Mal. Die Patienten müsste man nur bei der Aufnahme testen. Wir machen es nach einem strengen Schema alle zwei bis fünf Tage.

Es darf bei einem neuen ärztlichen Direktor auch ein neuer Wind wehen

Nach den neuesten Meldungen haben wir auch Corona-Intensivbetten in Klosterneuburg. Stimmt das?
Das stimmt. Dazu haben wir eine Station zur Corona-Station umgewandelt und das Personal so eingesetzt, dass die das stemmen können. Es gibt eine „kleine“ Intensivstation mit vier Betten inklusive Beatmungsmöglichkeiten.

Wir können kein Gespräch über das Landesklinikum führen, ohne die BabyVilla zu erwähnen. Oder?
Die Gynäkologie ist als BabyVilla bekannt geworden und unheimlich beliebt. Da kommen sogar viele Mütter aus Wien, um ihr Baby entbinden zu lassen. Der Grund ist: Wir sind ein ganz freundliches Haus mit sehr viel Kompetenz.

Wie lässt sich abschließend das Klosterneuburger Landesklinikum charakterisieren?
Wir sind ein Haus der Grundversorgung. Das soll gefestigt werden. Das ist auch notwendig für die drittgrößte Stadt Niederösterreichs. Es muss regionale, aber auch lokale Ziele geben, die wir in Zukunft penibel verfolgen.

Wir sind ein Haus der Grundversorgung. Das soll gefestigt werden.

Jetzt haben wir gar nicht über die Schwächen des Spitals gesprochen. Gibt es keine?
Natürlich gibt es die auch. Zum Beispiel können wir in Klosterneuburg keine Prothesenversorgung anbieten. Aber hier gilt es eben, mit guten Kooperationspartnern Lösungen anzubieten.

Wenn Sie einen Wunsch für das Spital frei hätten, was wäre der?
Seit fünf Jahren haben wir keine Hubschrauber-Landeplatzgenehmigung für das Spital. Patiententransporte sind daher nicht möglich. Wir brauchen aber einen behördlich genehmigten Landeplatz. Da ist aber schon was im Laufen. Ich bin halt ein Notarzt. Die Notfallmedizin war immer schon mein Thema.