IST-Team widmet sich dem Liebesleben der Ameisen. Ein Team von Wissenschaftler am IST untersucht das Liebesleben in der Ameisenwelt.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 28. Februar 2021 (03:46)
Die Liebesgeschichten einer Ameise: Passend zum Valentinstag gibt das IST Austria Einblicke in die besondere Zweisamkeit der Krabbeltiere.
IST

 Die Liebe hält jung! Bei manchen Ameisenarten verlängert sie sogar das Leben der Königinnen. Für Ameisen-Männchen endet sie hingegen meist tödlich. Am IST Austria erforscht man das Liebesleben dieser sozialen Insekten von der Partnerwahl bis zum Sexualleben kranker Tiere.

An einem warmen Sommertag, kurz nachdem der Regen die Erde aufgelockert hat, ist es soweit: Millionen geflügelter Ameisen erheben sich in die Lüfte, um einander zu finden. Genauer gesagt finden sich auf diesem Hochzeitsflug nur die großen, wohlgenährten Jungköniginnen, also reproduktionsfähige weibliche Ameisen, die sich noch nicht gepaart haben, und die kleinen Männchen, die speziell für diesen Moment gemacht wurden. Die anderen Mitglieder einer Ameisenkolonie, die Arbeiterinnen, sind von dem Paarungs-Spektakel ausgeschlossen, sie sind zeugungsunfähig. Nach dem Liebesakt in luftigen Höhen fallen die Jungköniginnen zu Boden, werfen ihre Flügel ab und graben sich in die Erde ein, wo sie eine neue Kolonie gründen. Das kurze Leben der Männchen ist da schon wieder vorbei. Umso schwieriger ist ihre Erforschung.

Sina Metzler hat sich deshalb auf die tropische Cardiocondyla obscurior spezialisiert, eine Ameisenart, bei der vieles etwas anders ist. „Bei den Cardiocondyla ist das Besondere, dass es zwei verschiedene Männchenarten gibt – je nach Umweltsituation entstehen ortstreue oder fliegende Männchen“, so die Doktorandin in der Forschungsgruppe von Professorin Sylvia Cremer. Anders als bei den meisten Ameisenarten, haben Männchen dieser Art normalerweise keine Flügel. Die kleinen, hellbraunen Tiere veranstalten demnach keinen Hochzeitsflug, „sie patrouillieren durch das Nest, suchen nach Jungköniginnen und kämpfen gegen all ihre Rivalen“, so die Biologin.

Ein Kampf um Leben und Tod

Gekämpft wird auf Leben und Tod, die Belohnung scheint es wert zu sein: Das Männchen, das alle anderen besiegt, kann sich mit mehreren Königinnen paaren. Vor der Paarung tänzelt es umher, setzt sich auf die Königin und klopft dabei wild mit seinen Antennen. Diese Art Balztanz kann Stunden bis Tage dauern, ist aber nicht immer von Erfolg gekrönt. Manchmal kommt es vor, dass die Königin den Hinterleib wegkippt und die Paarung verweigert. „Man weiß aber noch nicht, nach welchen Kriterien entschieden wird, da gibt es noch viele offene Fragen“, so Metzler. In ihrer Doktorarbeit möchte Metzler nun herausfinden, wie sich ein Krankheitserreger auf das Paarungsverhalten der Cardiocondyla obscurior auswirkt.