Klosterneuburgs Propst will lückenlose Aufklärung. Expertengruppe wird eingesetzt. Backovsky: Stift hat Verpflichtung, Vorwürfen in Zusammenhang mit dem Fall „lückenlos nachzugehen und diese aufzuarbeiten.“

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 18. Dezember 2017 (13:41)
NOEN, NÖN
Propst Bernhard Backovsky setzt eine Expertengruppe ein.

In Zusammenhang mit einem Missbrauchsfall 1993 im Stift Klosterneuburg hat der Kapitelrat am Donnerstag die Einsetzung einer weisungsfreien Expertengruppe beschlossen, ist einer Pressaussendung der „Austria Presse Agentur“ (APA) zu entnehmen. „Wenn Vorwürfe gegenüber dem Stift im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch erhoben werden, dann hat das Stift die Verpflichtung, diesen lückenlos nachzugehen und diese aufzuarbeiten“, sagt Propst Bernhard Backovsky.

Wie das Nachrichtenmagazin „Profil“ im September aufdeckte, hatte 1993 ein Augustiner-Chorherr einen minderjährigen Ministranten missbraucht. Dem Stift wurde vorgeworfen, den Beschuldigten nicht der staatlichen Justiz zugeführt zu haben, über Jahre hinaus für seinen Unterhalt aufgekommen zu sein und ihn in seinem weiteren kirchlichen Karriereweg unterstützt zu haben.

Das Stift sei im höchsten Maße interessiert, die aktuell erhobenen Vorwürfe umfassend aufzuklären, hieß es im Beschluss des Kapitelrates unter Leitung von Propst Backovsky. Diese Aufarbeitung sei somit im Interesse aller und im Hinblick auf das Vertrauen, das von so vielen Menschen dem Stift entgegengebracht werde, unabdingbar. Dabei gehe es einerseits um eine umfassende Beleuchtung des Geschehenen sowie um den Gewinn von Erkenntnissen für das zukünftige Tun des Stiftes Klosterneuburg, wurde in einer Aussendung mitgeteilt.

Expertengruppe startet Arbeit mit Jahresbeginn

Beschlossen wurde, die Voraussetzungen für die Einsetzung einer weisungsfreien Expertengruppe zu schaffen. „Konkret wird eine interdisziplinär zu besetzende Expertengruppe mit der Erhebung und Dokumentation der relevanten Sachverhalte, ihrer Bewertung sowie der Ausarbeitung von Empfehlungen auch für die künftige Arbeit des Stiftes beauftragt“, hieß es. Mit Jahresbeginn soll die Expertengruppe ihre Arbeit aufnehmen können. Über die gewonnenen Erkenntnisse werde zu gegebener Zeit transparent informiert.

„Als im Jahre 1993 erste Vorwürfe geäußert wurden, hat das Stift konsequent im Sinne des Betroffenen gehandelt und den Beschuldigten umgehend aus dem Kloster entfernt. Wenn es zum weiteren Umgang mit diesem Fall offene Fragen gibt, stehen wir nicht an, den aufgeworfenen Fragen in aller Aufrichtigkeit nachzugehen“, erklärte Propst Bernhard Backovsky. „Wir wollen jedoch auch darüber hinausgehend bestmöglich und umfassend Klarheit schaffen, um jedenfalls für die Zukunft die richtigen Schlüsse im Sinne der Prävention ziehen zu können.“

Das Stift Klosterneuburg hatte bereits im September erklärt, es habe auf ausdrücklichen Wunsch der Mutter des Opfers keine Anzeige gegeben.