Propst Backovsky: „Nehmen Vorwürfe ernst“. Ministrant soll in den 70er- und 80er-Jahren Opfer sexueller Gewalt durch 2014 verstorbenen Chorherrn geworden sein. Stift verspricht volle Transparenz bei Aufklärung.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 16. Januar 2019 (04:32)
FF Klosterneuburg
Nach dem Bekanntwerden eines Missbrauchsfalls im Herbst 2017 meldete sich eine Mutter zweier Söhne beim Nachrichtenmagazin „profil“. Beide sollen im Chorherrenstift missbraucht worden sein.

Im Herbst 2017 machte das Nachrichtenmagazin „profil“ einen Missbrauchsfall im Stift Klosterneuburg öffentlich. Nun gelangte über „profil“ ein weiterer Missbrauchsfall an die Öffentlichkeit. Einmal in den 1980ern, als das Opfer gerade noch entkam, und zehn Jahre zuvor ein Übergriff durch einen honorigen und geachteten Chorherren, der im April 2014 verstarb. Sein Name ist in ganz Klosterneuburg bekannt.

Das Opfer war damals ein Ministrant, als es dem mutmaßlichen Täter begegnete. Vor Antritt einer Reise mit dem Ordensmann soll das Opfer auf Einladung im Stift übernachtet haben. In dieser Nacht hätte der mutmaßliche Täter ihn in sein Bett gelockt. Nach dem Outing in der Familie habe der Bruder des Opfers erzählt, dass sich derselbe Chorherr auch an ihm vergriffen habe.

Nach Bekanntwerden des ersten Missbrauchfalls 2017 setzte sich die Mutter der beiden Söhne mit Propst Bernhard Backovsky in Verbindung. Persönlich teilte sie ihm mit, dass ihre beiden Söhne vom mutmaßlichen Täter missbraucht worden seien. Das Stift verwies die Frau wie in solchen Fällen üblich an die Opferschutzstellen.

Propst Backovsky zeigt sich betroffen

„Gewalt – noch dazu an Kindern und Jugendlichen – steht in klarem Widerspruch zu allem, was unser Glaube uns lehrt. Dem Propst des Stiftes Klosterneuburg ist es daher ein ganz persönliches Anliegen, seine tiefe Betroffenheit zum Ausdruck zu bringen und für jedweden Übergriff, der von einem Mitglied unserer Priestergemeinschaft ausgegangen ist, um Verzeihung zu bitten“, betont das Stift Klosterneuburg in einer Stellungnahme an die NÖN.

„Was den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs betrifft, müssen wir feststellen, dass es seinerzeit weder entsprechende Hinweise oder Gerüchte gegeben hat, noch der Beschuldigte selbst sich heute zu den Vorwürfen äußern kann. Dennoch nehmen wir die Anschuldigungen äußerst ernst und bitten alle Betroffenen um Verzeihung“, nimmt das Stift weiter dazu Stellung. Es sei dessen ungeachtet unbestritten, dass es im Verantwortungsbereich des Stifts zu einzelnen sexuellen Übergriffen gekommen sei. „Jeden der uns bekannt gewordenen Fälle haben wir den Weg zur Opferschutzanwaltschaft und den damit verbundenen Entschädigungs- und Unterstützungsmöglichkeiten gewiesen.“

Zudem habe die unabhängige Expertengruppe aufgrund ihrer Untersuchungen klare Defizite in den damaligen internen Strukturen und Abläufen des Stifts identifiziert. Diese Kritikpunkte seien aufgegriffen und konkrete Schritte, wie etwa die Installierung eines Präventionsbeauftragten, die Etablierung einer Meldestelle sowie die Überarbeitung des Aufnahmeverfahrens, gesetzt worden.

Den Empfehlungen der Expertengruppe werde Punkt für Punkt nachgegangen. Die Umsetzungsarbeiten dazu laufen seit Dezember 2018. Die Ausschreibung des Postens eines Präventionsbeauftragten laufe. Zudem wurde auf der Homepage des Stiftes ein vor der Startseite aus direkt erreichbarer Bereich zum Thema „Prävention“ eingerichtet: https://www.stift-klosterneuburg.at/praevention.