Hanzmann: „Stift Klosterneuburg hat nie unterstützt“. Sprecher Hanzmann widerspricht „Profil“-Artikel. Seit 1995 gebe es keinen Kontakt mehr zu Novizen, der Ministranten sexuell missbraucht haben soll.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 19. September 2017 (16:35)
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Stift-Pressesprecher Walter Hanzmann will vor allem das Missbrauchsopfer geschützt wissen.

Schwere Vorwürfe gegen das Stift Klosterneuburg werden im Nachrichtenmagazin „Profil“ erhoben. Der Artikel berichtet von einem sexuellen Übergriff eines Novizen auf einen Ministranten, der – so das „Profil“ – im Jahr 1991 stattgefunden haben soll. Es wird dem Stift, auch nach Bekanntwerden der Tat, stetiger Kontakt zum und sogar Förderung des Novizen vorgeworfen.

„Das stimmt nicht. Aber wir bedauern den Vorfall. So etwas ist nicht zu entschuldigen. Das Stift ist vehement gegen jeglichen Missbrauch“, kontert Stift-Pressesprecher Walter Hanzmann im Gespräch mit der NÖN.

Novize wurde 1993 umgehend nach dem Vorfall suspendiert

Der Vorfall habe sich, laut Hanzmann, erst am 2. Oktober 1993 zugetragen. Als der damalige Propst Gebhart Koberger von der Sache erfahren hat, habe er den Novizen sofort zur Rede gestellt, und zwar sechs Tage später, und ihn dann umgehend suspendiert.

„Es ist tatsächlich bei einer Gegenüberstellung herausgekommen, dass es zu einem sexuellen Übergriff an einem Ministranten kam. Jeder, der den bereits verstorbenen Propst Koberger kannte, weiß, dass er das Stift mit strenger Hand führte. Er hat demnach auch auf das Ausscheiden des Novizen aus dem Stift gedrängt“, so Hanzmann.

Aus dem Stift Klosterneuburg verbannt

Eine Unterstützung des Stiftes habe es nach Bekanntwerden der Tat niemals gegeben. Es sei nur im Regulativ des Augustinerordens vorgesehen, dass für die Dauer der Mitgliedschaft der Unterhalt bereitgestellt werden müsse. „Koberger hat den Novizen sofort aus dem Stift verbannt und ihn in Wien-Döbling in einer Wohnung untergebracht“, erklärt Hanzmann weiter.

Es habe danach keinen Zutritt mehr für den Herren ins Stift Klosterneuburg gegeben. Das Stift hätte dem Novizen aber noch eine Wahl gelassen. Entweder, er bitte in Rom selbst um eine Suspens oder das Stift mache das. „Wäre es über das Stift gegangen, hätte es aufgrund von Rückfragen und einer Untersuchung wesentlich länger gedauert. Der Novize hat es also selbst gemacht“, führt Hanzmann das Prozedere aus. Da es aber einen Verfahrensfehler gab, musste Koberger den Suspension noch einmal beantragen.

Kirchenrecht sah damals keine Anzeige vor

Warum wurde der Novize nicht auch zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen? Hanzmann: „Es waren andere Zeiten. Das Kirchenrecht hat dies noch nicht vorgesehen.“ Außerdem hätte die Mutter des Ministranten das Stift eindringlich gebeten, nicht anzuzeigen, da sie fürchtete, dass die Angelegenheit an die Öffentlichkeit gelangen könnte.

„In Wien wäre eine Anzeige bei der Polizei womöglich anonym geblieben, in Klosterneuburg jedoch sicher nicht. Deshalb fiel die Entscheidung, der Bitte der Mutter Folge zu leisten“, vergewisserte sich Hanzmann nochmals bei den Chorherren des Stiftes. Es dauerte dennoch einige Zeit, in der der Novize weiterhin vom Stift unterhalten werden musste. Er schloss auch sein Studium ab und dankte in der Einleitung seinem damaligen Novizenmeister, heute Propst des Stiftes, Bernhard Backovsky für die Unterstützung.

Widerspruch gegen profil-Artikel

Profil sieht auch darin eine Fortsetzung der Beziehung zwischen dem Stift und dem Novizen. „Das kann ich nicht gelten lassen. Was kann Backovsky dafür, wenn ein offensichtlich kranker Mensch, ihn in seiner Danksagung erwähnt?“, fragt Hanzmann.

Neue "Karriere" als griechisch-orthodoxer Pfarrer

1995 schied der Mann endgültig aus dem Augustiner-Orden aus. 1996 taucht er in der rumänischen Diözese Oradea auf. Dort wird er zum Priester geweiht, allerdings griechisch-orthodox.

„Irgendwie schaffte er es, dann in Basel als römisch-katholischer Priester anerkannt zu werden, später dann in Würzburg“, hat sich auch Hanzmann nun über den Weiterverbleib des ehemaligen Novizen erkundigt. „Ich habe ganz sicher nicht dazu beigetragen, dass der Mann zum Priester geweiht werden konnte!“, widerspricht auch Bernhard Backovsky dem Artikel von „Profil“.

Langwieriges Verfahren für Ausschluss

In Würzburg wurde der Mann neuerlich auffällig. Laut einem Artikel der „Zeit“ im Jahr 2002, griff er einem elfjährigen Buben in die Hose. Er zeigte sich damals selbst an und trat auch eine Haftstrafe an.

„Dass der Mann dann Priester wurde, ist für mich vollkommen unverständlich. Auch dass niemand bei uns nachgefragt hat. Wir machen das, wenn wir einen Novizen bei uns aufnehmen“, stellt Hanzmann klar und denkt, dass dadurch Schlimmeres verhindert hätte werden können. Dass das Engagement des Stiftes Klosterneuburg beim Sozialprojekt Concordia in Rumänien etwas mit dem ehemaligen Klosterneuburger Novizen zu tun haben könnte, verneint Hanzmann vehement: „Das hat damit überhaupt nichts zu tun. Oradea ist ganz woanders.“

Den Zeitpunkt der Erscheinung des Artikels kann der Pressesprecher auch nicht nachvollziehen. „Es kann sein, dass das nun gegen die Zustimmung des Ministranten, der damals missbraucht wurde, breitgetreten wird. Wir versuchen dies natürlich, so gut es geht, zu verhindern“, warnt Hanzmann.