Protest vor dem Stift Klosterneuburg. Plattform „Betroffener Kirchlicher Gewalt“ demonstrierte vor den Toren des Chorherrenstifts. Bürgermeister bemüht sich um Gespräch mit Propst und Gemeinderat.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 05. Oktober 2017 (05:52)
Der umgebaute „Kardinalsschlitten“ fand wieder Verwendung. Die Plattform „Betroffener Kirchlicher Gewalt“ demonstrierte vor dem Eingang des Chorherrenstifts Klosterneuburg.
NOEN, Hornstein

Letzten Freitag fand der Missbrauchsfall im Chorherrenstift – die NÖN berichtete ausführlich – auch Einzug in den Gemeinderat. Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager: „Wenn man wirklich an der Wahrheit interessiert ist, sollte man ein offenes Gespräch mit dem Stift suchen.“

Vollständige Aufklärung der Sachlage wird gefordert

Die Plattform „Betroffener kirchlicher Gewalt“ fordert eine vollständige Aufklärung der Sachlage und eine entsprechende Opferentschädigung. Es geht um einen Missbrauchsfall im Stift Klosterneuburg aus dem Jahr 1993. Zur Untermauerung ihrer Forderung veranstaltete die Plattform am Freitag, zwei Stunden vor der Gemeinderatsitzung eine Demonstration vor dem Stiftseingang und fuhr mit dem sogenannten „Kardinalsschlitten“, der schon für ähnliche Vorfälle Verwendung fand, vor.

„Obwohl so viele Fakten am Tisch liegen, mauert und vertuscht die Kirche und entzieht sich ihrer Verantwortung“, erklärte Sepp Rothwangl, Obmann der Plattform. Man orte Ungereimtheiten in der Causa. Das Stift wird von der Plattform aufgefordert, „die Verbrechen nun anzuzeigen, weil auch die Verjährungsfrist noch nicht abgelaufen ist. Den Betroffenen gebührt Entschädigung und die Gesellschaft braucht volle Aufklärung über das Vertuschungs-System“, so Rothwangl.

Gesprächsrunde mit Propst Backovsky

In der Gemeinderatssitzung selbst wurde das Thema erörtert. Im Tagesordnungspunkt „Bericht des Bürgermeisters“ antwortete Stefan Schmuckenschlager auf die Forderung der PUK (Plattform Unser Klosterneuburg) Propst Bernhard Backovsky solle zurücktreten und der Gemeinderat und der Bürgermeister solle Stellung beziehen. „Propst Backovsky war immer gesprächsbereit. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es eine Gesprächsrunde geben wird, an der alle Fraktionschefs der im Gemeinderat vertretenen Parteien und Listen teilnehmen können“, so Schmuckenschlager.

Scheitert rascher Termin an PUK?

Am Montag nach der Gemeinderatssitzung setzte er das Vorhaben in die Tat um. „Ich bin derzeit um einen gemeinsamen Termin bemüht, aber gerade die PUK will dieses Gespräch erst nach den Nationalratswahlen abhalten, obwohl sie für eine rasche Aufklärung plädierte“, so Schmuckenschlager.

Das Stift Klosterneuburg hatte im Vorfeld der Demo schriftlich eine Einladung zum Gespräch mit der Plattform ausgesprochen. „Darauf wurde leider nicht reagiert“, so Pressesprecher Walter Hanzmann. Es wurde wieder betont, dass Missbrauch verwerflich und unentschuldbar sei. Auf Wunsch der Mutter habe es damals aber keine Anzeige gegeben.