Landesklinikum Klosterneuburg nicht coronafrei?. Ein 74-jähriger Kierlinger soll sich im Spital mit Corona angesteckt haben und starb. Tochter Sabine Ramusch erhebt nun schwere Vorwürfe gegen das Landesklinikum.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 17. Februar 2021 (04:10)
Corona-Todesfall im LK Klosterneuburg: Die Hintergründe werden jetzt untersucht.
NÖN Archiv

Sabine Ramusch wohnt in Wien. Ihre Eltern in Kierling. Mitte Dezember 2020 muss der Vater zu einer mehrwöchigen Therapie ins Landesklinikum Klosterneuburg. Was dann Schicksalhaftes geschah, erzählt sie ausführlich der NÖN: „Ihr Bericht über das LK Klosterneuburg und das Interview mit dem neuen ärztlichen Leiter veranlassen mich, mich an Sie zu wenden. In diesem Bericht wurde geschildert, dass es bezüglich Corona keine Probleme gäbe. Ich habe das leidvoll anders erlebt. Für meinen Vater lief es im LK Klosterneuburg leider gar nicht sehr gut.“

Der 74-jährige Vater von Sabine Ramusch wurde während einer mehrwöchigen Therapie auf der internen Station mit Covid-19 angesteckt. Das passierte in der ersten Januarwoche. „Einen Tag vor seiner Entlassung wurde mein Vater positiv getestet und kam nicht mehr nach Hause. Seine Frau, Töchter und Enkelkinder konnte er nicht mehr sehen“, erzählt Ramusch. Am Tag 10 nach der Infektion sei ihr Vater in einen Tiefschlaf versetzt worden. Am Tag 12 starb er auf der Corona-Station.

„Einen Tag vor seiner Entlassung wurde mein Vater positiv getestet und kam nicht mehr nach Hause.“ Sabine Ramusch

„Er hatte gegen das Virus keine Chance. Zwei Tests pro Woche, wie im Interview erwähnt, konnten offensichtlich keine – wie vom Spital behauptet – coronafreie Station garantieren“, so Ramusch weiter.

Das war ein Schock für die Familie. Ramusch: „Wir baten den neuen Ärztlichen Direktor Herbert Huscsava um ein persönliches Gespräch. Ich konnte immerhin ein Telefongespräch mit ihm führen, das mich jedoch noch fassungsloser zurückließ. Er meinte, das Virus sei halt da, man könne nicht nachvollziehen, wie es zur Infektion gekommen sei. Eine Antwort auf meine Frage, wie das Virus zu meinem Vater in das Isolierzimmer kam und er dann auch infiziert wurde, habe ich nicht bekommen.“ Ramusch führte noch weitere Gespräche mit verschiedenen Ärzten des Spitals und fand heraus, dass mehrere Patienten und Spitalsmitarbeiter betroffen gewesen sein dürften.

„In der Familie haben wir seit Beginn der Pandemie auf meinen Vater aufgepasst, wir wussten, er durfte das Virus nicht bekommen. Auch meine kleine Tochter wusste, dass wir vor jedem Besuch zum Test gehen, Abstand halten und Masken tragen. Auf ihre Frage ‚Mama, warum hat das Spital nicht besser auf Opa aufgepasst?‘, weiß ich leider keine tröstende Antwort.“

Landesklinikum: Prüfung im Laufen

Die NÖN konfrontierte die Spitalsleitung mit den Vorwürfen, konnte aber keine offizielle Stellungnahme einholen. Lediglich die Pressestelle des Landeklinikums Klosterneuburg war zu folgendem kargen Statement bereit: „Der Fall wird unter Einbezug unserer Ombudsstelle sowie aller Beteiligten bearbeitet. Telefonischer Kontakt mit der Familie des Verstorbenen hat bereits stattgefunden, eine Prüfung ist derzeit im Laufen.“

Jetzt will die Familie noch an die Patientenanwaltschaft NÖ eine Meldung machen. „Gerichtliche Schritte werden wir voraussichtlich nicht unternehmen. Wir alle müssen nach vorne schauen. Eine weitere Auseinandersetzung bringt uns den Papa auch nicht zurück“, so Ramusch abschließend.