Weniger Umsatz durch Baustellen-Chaos in Klosterneuburg. Die Freiheitliche Wirtschaft fordert für Betriebe Schadenersatz für Umsatzrückgang. Rathaus: „Sind verpflichtet, Straßen instand zu halten.“

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 10. Juli 2019 (04:09)
Hornstein
Die Totalsperre in der Enge beim Mauerbacherhof in Kritzendorf stellt das größte Problem dar. Hier ist eine großräumige Umleitung notwendig.

Alles Fluchen und Schimpfen hilft da wohl nichts. Klosterneuburg erlebt heuer wohl den beschwerlichsten Baustellensommer seit Langem. Enge Amtshaus Kritzendorf Totalsperre, Buchberggasse Sperre, Hundskehle Sperre, Stadtplatz und Niedermarkt Einbahnregelung. Alle Baustellen in in diesem Sommer umfassend aufzuzählen ist gar nicht so leicht.

Zuerst die gute Nachricht: Die Fahrbahnsanierung am Stadtplatz und Niedermarkt konnte früher fertiggestellt werden. Seit Montagmorgen sind wieder beide Fahrspuren befahrbar. Diese Entlastung ist aber auch notwendig, denn alle anderen Baustellen werden wohl weiter – bis Ende August – den Verkehr behindern.

„Am Stadtplatz ansässige Unternehmer mussten ihre Geschäfte aufgrund der Baustellen geschlossen halten.“Franz Hoinig, Freiheitliche Wirtschaft

Die mit Abstand härteste Verkehrsbehinderung ist wohl die von 8. Juli bis voraussichtlich 30. August in Kritzendorf, in der Enge Mauerbacherhof, verhängte Totalsperre. Selbst der Schleichweg über die Neudauergasse ist gesperrt. So gibt nur eine großräumige Umleitung über Hadersfeld und über die B 14 nach Maria Gugging und St. Andrä-Wördern.

Wie zu erwarten, steht die Baustellenkoordination des Rathauses in Kritik. Die Freiheitliche Wirtschaft kritisiert die Ablaufplanung der Straßenbaustellen Stadtplatz, Niedermarkt und Mühlengasse wegen der zeitgleichen Durchführung. Der Klosterneuburger Franz Hoinig, Obmann für den Bezirk Tulln der Freiheitlichen Wirtschaft: „Dadurch wurde das Geschäftszentrum von Klosterneuburg wirtschaftlich massiv beeinträchtigt. Einige am Stadtplatz ansässige Unternehmer mussten ihre Geschäfte aufgrund der Baustellensituation geschlossen halten, andere erwarten erhebliche Umsatzrückgänge. Auch die Straßensperre in Kritzendorf wird vermutlich die dort ansässigen Gastronomiebetriebe wirtschaftlich beeinträchtigen.“

NOEN
In der Mühlengasse wird die Fernwärme weiter ausgebaut. Eine wichtige Maßnahme für die Stadt und für den Klimaschutz.

Das sommerliche Verkehrschaos trifft, nach Ansicht Hoinigs, die Betriebe doppelt: „Heimische Konsumenten weichen zu leichter erreichbaren Betrieben aus, und Touristen kommen wegen der abschreckenden Verkehrssituation erst gar nicht zu den betroffenen Betrieben.“

Die Freiheitliche Wirtschaft verlangt entsprechende Ausgleichszahlungen von den verantwortlichen öffentlich-rechtlichen Stellen, insbesondere von der Stadtgemeinde Klosterneuburg, als zumindest teilweisen Ersatz der durch die Baustellen verursachten Ertragsminderungen.

Franz Hoinig und Gottfried Scherer von der Freiheitlichen Wirtschaft hätten im Interesse der Steuerzahler sogar einen ausgabenneutralen Vorschlag für die Stadtgemeinde: „Die Stadt soll für die Schadenersatzzahlungen an die geschädigten Unternehmer einen Teil der von den Betrieben bezahlten Interessentenbeiträge verwenden und die Subventionen an den Stadtmarketingverein um den gleichen Betrag kürzen.“

NOEN
Die Hundskehle bleibt bis Ende August gesperrt. Die Obere Stadt ist dadurch schon lange schwer erreichbar.

„Die Stadtgemeinde ist verpflichtet, Straßen instand zu halten. Für die Fahrbahnsanierung Stadtplatz, Niedermarkt investierte sie rund 200.000 Euro an Gesamtkosten“, so die Stellungnahme aus dem Rathaus.

Die Hauptader der Stadt stünde nun in vollem Umfang und neuhergestellt wieder zur Verfügung, und dies käme gerade auch den Unternehmen zugute und garantiere einen attraktiven Wirtschaftsstandort. Es wären alle Hebel in Bewegung gesetzt worden, die notwendigen Arbeiten so rasch wie möglich durchzuführen und die Beeinträchtigung für alle – Verkehrsteilnehmer, Geschäftsleute und Kunden – so gering wie möglich zu halten.

Und zum Einbau der Fernwärme: „Klimaschutz genießt in der Stadt Klosterneuburg höchste Prioritäten, davon zeugen die zahlreichen Maßnahmen auf dem Gebiet des Umweltschutzes. Der Ausbau der Fernwärme als 18-Millionen-Euro-Projekt ist die größte Maßnahme in diesem Bereich, dafür müssen die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.“

Dies sei unbestritten mit Aufwand und temporären Unannehmlichkeiten verbunden, bedeute jedoch den Ausbau wichtiger, nachhaltiger Versorgungsnetze und somit eine Investition in die Zukunft, die sich vor allem für die Bürger und künftige Generationen lohne, so die Pressestelle des Rathauses.

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