Jugendstil mit Ironie im Klosterneuburger Stiftcafé. Eröffnung des neuen Stiftscafés als „Caféhaus Holler“: Zwei Wiener feiern ihr Debüt in der Gastronomie, nachdem so ziemlich alles am alten Lokal verändert wurde.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 06. August 2020 (03:29)
Eckhard Horstmeier (r.) und Sebastian Rahs haben das Stiftscafé und das Escorial in Pacht übernommen.
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Da blieb kein Stein auf dem anderen. Name, Flächenaufteilung, Interieur – alles ganz anders und brandneu. Das Stiftscafé heißt nun „Caféhaus Holler“. Die Einrichtung hat nichts mehr mit dem früheren biederen Kaffeehaus zu tun, sondern ist flippig und modern. Die Geschäftsflächen sind großzügig angelegt. Nur die Adresse ist gleich geblieben: Rathausplatz 20. Das alles klingt nach einer Neuübernahme. Und das ist es auch. Zwei in Wien sesshafte Freunde haben das Stifts-café übernommen.

Eckhard Horstmeier und Sebastian Rahs haben den Mut, in Zeiten wie diesen einen Gastronomiebetrieb zu eröffnen. Die Feier dazu fand letzen Samstag statt. Ein Neustart, passend zum Monatsbeginn August. Ein gewagtes Unterfangen, das anscheinend mit viel Herz durchgezogen wurde. Verändert ist nahezu alles worden. „Alles war hier verbaut, daher haben wir die Lokalfläche entkernt, alles verändert und rausgeschmissen“, erzählt Horstmeier. Sogar die Elektroleitungen wurden neu verlegt.

„Alles war hier verbaut, daher haben wir die Lokalfläche entkernt, alles verändert und rausgeschmissen.“ Eckhard Horstmeier, Pächter

Der Stil des Lokals lässt sich schwer einordnen. „Ich würde ihn als Jugendstil mit ein bisschen Ironie bezeichnen. Aber da kann sich ja jeder selbst ein Bild machen“, so Geschäftspartner Rahs.

Eckhard Horstmeier und Sebastian Rahs kommen beide aus Wien und sind Neueinsteiger in der Gastronomiebranche. Obwohl – ganz stimmt das nicht. Horstmeier kommt aus der Immobilienbranche und Rahs ist Designer. Zusammen haben sie schon einige Lokale in Wien umgestaltet und erneuert. „Die Gelegenheit, dieses Lokal in Klosterneuburg als Pächter vom Stift Klosterneuburg zu übernehmen, war aber diesmal so gut, dass wir uns entschlossen haben, das Lokal selbst zu führen. Das Stift ist uns da schon sehr entgegengekommen“, findet Horstmeier nur lobende Worte, was seinen neuen Verpächter betrifft. Klar verständlich, denn ein Teil seiner neuen Klientel setzt sich ja aus den Mitarbeitern des Stifts zusammen, so wie es früher auch war. Dem entsprechend ist auch die Kulinarik angepasst. „Es wird eine italienisch/österreichische Tageskarte geben und ein Mittagsmenü mit Lokalkolorit“, verspricht Horstmeier.

Auch auf dem Kultursektor haben beide Herren einiges vor, und zwar im achteckigen Hinterzimmer des Lokals. „Im Oktagon wird es Konzerte, Ausstellungen und Lesungen geben. Wir werden zusammen mit dem Stift moderne Kunst ausstellen“, so Rahs.

Auch das „Café Escorial“ haben die beiden als Pächter übernommen. Es heißt in Zukunft „Egon“ nach dem begnadeten Künstler Egon Schiele, der im Stift Klosterneuburg zahlreiche Motive für viele seiner Bilder gefunden hat.