Erstellt am 05. Juli 2014, 09:21

von Ewald Baringer

Nicht zu verbiegen. Liebende Mutter, rächende Furie: Von Kindern ausgebuht zu werden ist für die „Königin der Nacht“ ein Lob.

Klosterneuburgs „Königin der Nacht“ Antje Bitterlich (3.v.l.) im imposanten Kostüm von Franz Blumauer, umgeben von den drei Damen Simona Eisinger, Bettina Schweiger und Christiane Döcker.  |  NOEN, Lukas Beck
In Klosterneuburg singt sie erstmals diese Rolle und gibt damit auch ihr Österreich-Debüt, doch die Königin der Nacht in Mozarts „Zauberflöte“ hat die deutsche Sopranistin Antje Bitterlich schon mehrmals gesungen, unter anderem in München und Mannheim.

„Man spricht ständig über sie, dabei ist sie nur 15 Minuten auf der Bühne. Dann aber sehr intensiv.“ Zwischen liebender leidender Mutter und machtbesessener Rachefurie geht es darum, „feine Rädchen zu dosieren“ und der Figur „Gewicht und Facetten zu verleihen. Das findet im Kopf statt. Das hohe f haben viele drauf“.

Ist es schwierig, dieselbe Rolle in unterschiedlichen Inszenierungen zu singen? „Die Rolle ist nicht sehr zu verbiegen.“ Als lyrischer Koloratursopran hat sich Bitterlich ein breites Repertoire erarbeitet, auch der Liedgesang liegt ihr sehr am Herzen. Wichtig ist ihr die Möglichkeit, die Stimme ohne Druck zu entwickeln, was im harten und kurzlebigen Konkurrenzkampf leider oft verloren geht: „Viele Junge bleiben auf der Strecke.“ Auch unterrichtet sie sehr gerne: „Da kann ich selbst viel von meinen Schülern lernen.“

Open Air„eine besondere Herausforderung“

Für die Atmosphäre in Klosterneuburg findet Bitterlich nur lobende Worte. Mit Regisseurin Isabella Gregor zu arbeiten sei toll, das anspruchsvolle Inszenierungskonzept habe Hand und Fuß. „Das ist nicht so wie bei manchen Regisseuren, die hinten in der letzten Reihe mit dem Mikrofon sitzen.“

Und vonseiten der Intendanz sei man „mit viel Herzblut“ bei der Sache. Open Air zu singen sei „eine besondere Herausforderung“, die akustischen Bedingungen im Kaiserhof sind allerdings dafür ideal. Da nimmt man gelegentlich auch Kälte, Hitze und Gelsen in Kauf.

In der Spielzeit 2014/15 geht es am Theater Münster weiter als Königin der Nacht, allerdings auf ganz andere Weise: „Die Inszenierung dort ist eher an Star Wars angelehnt, da habe ich ein Lichtschwert. Kinder finden das sehr cool.“ Wie überhaupt Kinder ein sehr ehrliches Publikum sind: „Das größte Kompliment für die Königin der Nacht ist es, wenn sie von den Kindern ausgebuht wird.“