Mikl-Leitner: „Ich bin stolz auf meine Stadt“. Führungswechsel: Nach 25 Jahren übergibt Landeshauptmann Erwin Pröll sein Amt der Klosterneuburgerin Johanna Mikl-Leitner.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 01. Februar 2017 (05:11)
NOEN, Muhr
Redaktionsleiter Christoph Hornstein im Gespräch mit der Landesparteiobfrau und baldigen LandeshauptfrauJohanna Mikl-Leitner.

Die Klosterneuburgerin Johanna Mikl-Leitner ist durch den Abgang von Erwin Pröll an die Landesparteispitze aufgestiegen und wird in der ersten Aprilhälfte Landeshauptfrau. Die NÖN bat sie zum Gespräch.

NÖN: Wie geht es Ihnen?
Johanna Mikl-Leitner: Es geht mir genau so wie vielen Niederösterreichern. Wir haben ein historisches Ereignis miterlebt, nämlich jenes, dass Erwin Pröll nach einem Vierteljahrhundert als Landeshauptmann seinen Rückzug angekündigt hat.

Wie haben Sie diese Nachricht aufgenommen?
Mikl-Leitner: Das war seine persönliche Entscheidung, die wir zu respektieren haben. Vor allem habe ich Respekt vor Prölls Lebensleistung. Wie Erwin Pröll in seinen 25 Jahren als Landeshauptmann und fast 40 Jahren als Mitglied der Landesregierung dieses Land geprägt hat, kann sich sehen lassen. In dieser Zeit hat sich Niederösterreich unglaublich dynamisch entwickelt.

Wann haben Sie diese Entscheidung erfahren?
Mikl-Leitner: Ich stehe mit dem Landeshauptmann in engen Kontakt. Er hat mir seine Entscheidung zeitgerecht mitgeteilt.

Gleichzeitig mit Prölls Entscheidung gibt es auch für Sie einige Veränderungen. Wie geht es Ihnen damit?
Mikl-Leitner: Es macht mich sehr stolz, dass ich 24 Stunden nach Prölls Entscheidung vom Landesparteivorstand als Landesparteiobfrau nominiert wurde. Das ist schon eine große Wertschätzung für mich und meine politische Arbeit. Gleichzeitig schenkt man mir damit auch einen großen Vertrauenvorschuss. All das unterstreicht die Geschlossenheit, die wir in der Niederösterreichischen Volkspartei haben.

Was werden Sie als neue Landeshauptfrau anders machen als Ihr Vorgänger?
Mikl-Leitner: Solche Vergleiche sind immer schwierig, weil wir unterschiedliche Persönlichkeiten sind, in einer anderen Zeit groß geworden sind und einer anderen Generation angehören. Mein Ziel ist es, in Niederösterreich diese dynamische Entwicklung weiterzuführen.

Es gibt aber nicht nur Positives in diesem Land. Da warten auch einige Aufgaben auf Sie.
Mikl-Leitner: Natürlich gibt es auch ein herausforderndes Umfeld. Die Welt wächst zusammen, und die internationalen Ereignisse haben auch Auswirkungen auf Europa, auf Österreich und auf unserer Heimat. Und da kommen mir meine vielen internationalen Kontakte und Erfahrungen zugute, die ich für meine Heimat Niederösterreich nützen will.

Mit den Finanzen ist es aber in Niederösterreich nicht gut bestellt, oder?
Mikl-Leitner: Das stimmt nicht. Die Finanzen sind in Niederösterreich gut aufgestellt. Wir haben ein Budget, das in der Regierung und im Landtag beschlossen worden ist und uns Spielraum zur Weiterentwicklung und eine Umsetzung von Leuchtturmprojekten möglich macht.

Aber im Vergleich mit den anderen Bundesländern stehen wir vor Kärnten an vorletzter Stelle...
Mikl-Leitner: Bei dieser Statistik werden immer nur die Schulden der Länder verglichen, aber nicht ihr Vermögen gegenüber gestellt. Wenn man alles vergleicht, dann muss man festhalten, dass im Vergleich Vermögen/Schulden jeder Niederösterreicher ein Sparguthaben von 1.243 Euro am Konto hat. Niederösterreich liegt dabei auf Platz vier aller Länder.

Kritiker werfen der Landesregierung mangelnde Transparenz vor. Wie sehen Sie das?
Mikl-Leitner: Transparenz ist ein wichtiges Thema, und daher gibt es in Niederösterreich verschiedenste Institutionen und Kontrollorgane, wo Rechenschaft abgelegt werden muss und Kontrolle möglich ist. Mir ist es jedenfalls auch für die Zukunft wichtig.

Kommen wir zu Klosterneuburg. Welche Bedeutung hat die Stadt für Sie?
Mikl-Leitner: Klosterneuburg liegt mir immer am Herzen. Ich bin stolz auf unsere Heimatstadt, die für ihre Kultur, ihr Stift und seine Weine international bekannt ist. Und in der ein Zukunftsprojekt am Laufen ist, dessen Bedeutung heute noch keiner abschätzen kann: die IST-Austria. Hier arbeiten die besten Köpfe der Forschung aus aller Welt. Eine Milliarde Euro hat das Land Niederösterreich bereits in das IST-Austria investiert. Das ist wichtig für den Wirtschaftsstandort Klosterneuburg und für ganz Niederösterreich. Das ISTA ist ein Zukunftsprojekt, das wir noch mehr in den Mittelpunkt rücken werden.

Die Klosterneuburger haben große Sorge um den Bestand ihres Krankenhauses. Können Sie garantieren, dass es bestehen bleibt?
Mikl-Leitner: Das Landesklinikum Klosterneuburg bleibt sicher bestehen. Die Stadt hat 30.000 Einwohner und braucht ein Krankenhaus.

Mitte April werden Sie die neue Landeshauptfrau sein. Wie hat das Ihre Familie aufgenommen?
Mikl-Leitner: Die Familie freut sich mit mir und steht auch voll hinter mir. Meine 15-jährige Tochter Anna ist gerade in Kanada, und hat extra noch eine liebe Nahricht auf Facebook gestellt (siehe Faksimile) und mir gesagt, wie stolz sie auf mich ist. Wir sind alle eng zusammengeschweißt. Und mein Mann, der im Krankenhaus-Management tätig ist, wird sich jetzt wohl auch noch intensiver im Familienmanagement einbringen. Gott sei Dank habe ich ihn - ohne ihn und meine Töchter würde es nicht gehen.

NOEN, privat
Tochter Anna ist stolz auf die erfolgreiche Mama.