Endlich: Oper vor Publikum in Klosterneuburg. Schicksal meinte es heuer besser mit der Premiere von Giuseppe Verdis „La forza del destino“ in Klosterneuburg.

Von Ewald Baringer. Erstellt am 08. Juli 2021 (04:33)
Oper Klosterneuburg
Preziosilla mischt gehörig auf: Margarita Gritskova und der Chor der operklosterneuburg.
Lukas Beck

Es war allseits ein spürbares Aufatmen nach den Lockdown-Zeiten zu bemerken: Endlich wieder große Oper im Kaiserhof, endlich wieder operklosterneuburg. Giuseppe Verdis „La forza del destino“ (Die Macht des Schicksals) steht 2021 – nach der Absage im Vorjahr – in einer Inszenierung von Julian Roman Pölsler – führt zum dritten Mal in Klosterneuburg Regie – auf dem Spielplan. Die Premiere am Samstagabend vermittelte einen Eindruck von der Tragik dieser Geschichte, aber ebenso von der großartigen Live-Atmosphäre. Auch zahlreiche prominente Besucher hatten sich wieder eingefunden.

Corona-bedingt gab’s heuer keine Premierenfeier, dafür die üblichen Sicherheitsmaßnahmen. Eine sprachliche Pointe landete Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager in seiner Begrüßung, als er von der ganz speziellen 3G-Regel der oper-klosterneuburg sprach, die da laute: „Garschall, Gemeinde, Geistlichkeit“.

Nur noch wenige Karten – Zusatzvorstellung?

Intendant Michael Garschall und Kulturamtsleiter Franz Brenner vernahmen es gern und freuten sich über die überraschend gute Resonanz schon vor der Premiere: Nur noch wenige Karten sind im Vorverkauf erhältlich, sogar eine Zusatzvorstellung steht im Raum.

Weitere Aufführungstermine folgen nun am 8., 10., 13., 16., 20., 22., 24. und 30. Juli. Die Vorstellungen beginnen um 20.30 Uhr und dauern bis circa 23.15 Uhr. Da kann es auch an wärmeren Tagen ziemlich frisch werden, und Open-Air-Profis wappnen sich vorsorglich mit Mänteln und Decken gegen die Kälte. Bei Schlechtwetter wird in die Babenbergerhalle übersiedelt. Die Entscheidung darüber erfolgt jeweils 15 Minuten vor Beginn.

Nur online – und zwar auf dem YouTube-Kanal der oper-klosterneuburg – ist diesmal die Werkeinführung zu finden.

Als Kinder- und Familienvorstellung wird heuer „Tony Makkaroni“, die im Vorjahr in der Babenbergerhalle aus der Taufe gehobene und auch vom ORF aufgenommene „Opernkochshow“ von und mit Andy Hallwaxx, eine Neuauflage am 18. Juli erfahren.

Klosterneuburger Talent reüssierte

In einer kleinen Rolle gab auch eine erst 18-jährige Klosterneuburgerin eine vielversprechende Talentprobe ab: Anja Mittermüller als Curra beging ihr Debüt bei der operklosterneuburg und erntete viel Anerkennung. Von ihr wird man sicher noch viel Erfreuliches hören. Im Herbst 2021 debütiert sie im Wiener Konzerthaus im Rahmen von Musica Juventutis.

Viele weitere Mitwirkende sind ebenfalls keine Unbekannten in Klosterneuburg: So war Zurab Zurabishwili erstmals 2016 mit dabei (als Canio im „Bajazzo“), Margarita Gritskova ein Jahr später als Isolier („Le Comte Ory“), Lukas Johan 2019 in „Hoffmanns Erzählungen“ als Hermann/Schlehmil. Die längste Verbindung aller Mitwirkenden zur Babenbergerstadt dürfte aber der rumänische Bariton Marian Pop haben: Er debütierte bereits 1998 als Figaro in Gioacchino Rossinis „Il barbiere di Siviglia“.

Kritiken loben „vokalen Glanz“ und „Samtklang“

Die ersten Kritiken sind auch schon erschienen. „Verdis ,La forza‘ mit vokalem Glanz“ titelte Ljubiša Tošic im „Standard“. Und schreibt: „Vor allem Margarita Gritskova (als Preziosilla) fegte quasi im Stile einer entfesselten Carmen kokett über die Bühne. Und vokal überstrahlte den Abend Karina Flores (als Leonora) mit einer imposanten Bandbreite des Ausdrucks. Ihre Flexibilität ermöglicht es, von furios und klar zelebrierter Dramatik zart ins Lyrische zu wechseln und dabei die leicht schwebenden Töne mit Pianissimo-Raffinesse zu vergolden.“ Lob gibt es auch für die Beethoven Philharmonie unter Christoph Campestrini und ihren „samtig-warmen Klang“.

Ein „düsteres Seelendrama mit einigen Leerstellen“ erlebte Peter Jarolin (Kurier). Und konzediert der operklosterneuburg Beharrlichkeit: „Während andere Veranstalter in diesem Sommer teils auf reduzierte Spielpläne setzen, zieht man im malerischen Kaiserhof des Augustiner-Chorherrenstifts die bereits für 2020 geplanten (naturgemäß leider abgesagten) Pläne durch. Man spielt unter Einhaltung aller Sicherheitskonzepte Giuseppe Verdis „La forza del destino“ fast ohne Striche.“

Was dazu führte, dass die schon etwas durchfrorenen Premierengäste erst knapp vor Mitternacht zu ihren Parkplätzen zurückfanden.

Für 2022 wird mit der populären Oper „La Bohème“ von Giacomo Puccini wieder ein echter Publikumsrenner angekündigt. Der Vorverkauf beginnt erst Anfang 2022, der Premierentermin steht bereits fest: Samstag, 9. Juli 2022.