Ostern ohne Ratschen in Klosterneuburg?. Lautes Ratschen erfüllte in der alten Normalität die Gassen während der Osterzeit. Doch wie sieht es heuer aus?

Von Thomas Török. Erstellt am 24. März 2021 (03:08)
Solche Bilder von ratschenden Kindern werden auch dieses Ostern eher selten sein.
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Das Lärmen und Scheppern der „Ratschenbuam“, die während der Karwoche schon seit Jahrhunderten mit ihren Klapperinstrumenten lautstark durch die Gassen ziehen, um die Gläubigen an die Ostergottesdienste zu erinnern, könnte heuer wieder etwas leiser ausfallen. Das Corona-Virus hält die Welt immer noch fest in seinem Griff, und so steht eine weitere lieb gewonnene Tradition in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal im langen Schatten der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie.

Wie sieht es heuer nun tatsächlich aus mit dem Ratschen? Planen die veranstaltenden Vereine und Organisationen diesmal eine abgespeckte, coronakonforme Durchführung? Verzichten sie gänzlich auf die Umzüge? Wären sie überhaupt im Einklang mit den aktuell geltenden Bestimmungen? In Klosterneuburg mit seinen umliegenden Katastralgemeinden gibt es hier unterschiedliche Zugänge.

Erzdiözese verweist auf Corona-Auflagen

Dem aktuell gültigen Beschluss der Österreichischen Bischofskonferenz, der die Rahmenbedingungen von Gottesdiensten und anderen kirchlichen Veranstaltungen regelt, ist zu entnehmen, dass das Ratschen unter Einhaltung bestimmter Bedingungen ausdrücklich genehmigt ist. Die allgemeinen Schutzmaßnahmen (FFP2-Maske, zwei Meter Abstand, gute Belüftung und Handhygiene) werden durch zusätzliche Auflagen ergänzt, die bei kirchlichen Feierlichkeiten einzuhalten sind.

Walter Hanzmann, Pressesprecher der Stiftspfarre Klosterneuburg, erläutert diese folgendermaßen: „Die Pfarre muss einen Corona-Beauftragten bestellen, der für die Einhaltung der allgemeinen Schutzbestimmungen sorgt. Teilnehmende Kinder bis 14 Jahre müssen einen MNS , ältere eine FFP2-Maske tragen. Die Dokumentation der Kontaktdaten aller Beteiligten ist Pflicht. Kein Gesang, kein Betreten von Wohnungen. Spenden oder Geschenke dürfen nur von einer Person übernommen werden.“

Alternativen zum Straßenumzug

Was die Stiftspfarre anbelangt, so wird gänzlich auf ein „Ratschengehen“ mit den Kindern verzichtet, berichtet Walter Hanzmann: „Stattdessen wird es das Turmratschen geben, das vom Kirchturm aus mit großen Ratschen das Glockenläuten am Karfreitag und Karsamstag ersetzen wird.“

Auch Peter Zimmeter, Mitglied im Weidlinger Pfarrgemeinderat, ist die Haltung der Kirche zur Causa bekannt: „Von der Erzdiözese Wien kam vor Kurzem die Weisung, das Ratschen unter der Bedingung der Einhaltung der geltenden Schutzmaßnahmen zu erlauben.“ Die Weidlinger Pfarre organisierte bisher jährlich einen Ratschenumzug in der Karwoche. Ob man sich auch dieses Jahr unter den gegebenen Bedingungen dazu bereit erklärt, ist noch sehr fraglich. „Wir müssen schauen, ob wir in der aktuellen Situation eine Lösung finden können, um diese altehrwürdige und schöne Tradition sinnvoll abzuhalten“, gibt Pater Hugo Slaattelid, Pfarrer der Weidlinger Gemeinde, bekannt.

„Wir müssen schauen, ob wir in der aktuellen Situation eine Lösung finden können, um diese altehrwürdige und schöne Tradition sinnvoll abzuhalten.“ Pater Hugo Slaattelid, Pfarrer von Weidling

„Tatsächlich ist es durch die baulichen Gegebenheiten in Weidling nicht einfach, einen für die Kinder angenehmen Umzug abzuhalten, der im Einklang mit den Corona-Schutzmaßnahmen steht“, so der Pfarrer. Die Gassen in Weidling sind tatsächlich ziemlich eng und verwinkelt, was die Abhaltung eines Ratschenumzugs erschweren würde. Man wird verstehen, dass es für die Kinder nicht unbedingt ein freudvolles Ereignis würde, wenn man da noch ständig den Sicherheitsabstand wahren müsste. „Eine mögliche Alternative wäre ein Ratschen im Kirchengarten. Es gibt aber noch keinen Beschluss. Wir im Pfarrgemeinderat sind aber eher skeptisch, dass wir diesmal tatsächlich etwas umsetzen können, was den Kindern Freude bereiten könnte“, so Peter Zimmeter.

In der Pfarrgemeinde von Höflein setzt man auch heuer wieder auf eine kreative Lösung des Problems, die sich letztes Jahr schon bewährt hat. Auch dort ist das Ratschen schon seit langer Zeit eine feste Tradition zu Ostern, doch auf die herkömmliche Variante mit Straßenumzügen möchte man auch heuer lieber verzichten, um unnötige Risiken möglichst zu vermeiden.

„Jedes Kind, das teilnehmen möchte, bekommt vorab eine Ratsche von der Gemeinde. Die Kinder ratschen dann zu den vorgesehenen Uhrzeiten am Karfreitag und Karsamstag von ihren Gärten aus“, erzählt Christian Alfons vom Pfarrgemeinderat Höflein. Diese Alternative ist bei der Bevölkerung des kleinen Ortes an der Donau schon letztes Jahr sehr gut angekommen. „Wir haben danach sehr positive Rückmeldungen von den Menschen im Ort bekommen, und auch die Kinder und ihre Familien haben mit viel Freude daran gehabt. Auch dieses Jahr erwarten wir uns von dieser Aktion ein ähnliches Ergebnis“, so Alfons.

Wenn in der Karwoche also die Glocken, wie man traditionsgemäß sagt, „nach Rom fliegen“, wird man somit dennoch nicht gänzlich auf das Knarren und Knattern der Ratschen verzichten müssen. Wie es schon letztes Jahr der Fall war, wird man auch heuer das Osterfest an die derzeitige Situation anpassen müssen. Hoffentlich zum letzten Mal.

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