Das Ringen um das Jaukerl: Stadt Klosterneuburg will Impfstraße

Keine freien Termine über Notruf NÖ. Der Gemeinderat appelliert an das Land.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:51
Impfung Corona-Impfung Symbolbild
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Foto: APA/dpa

Christl Bucina ist ratlos. Sie weiß: Mit fast 80 Jahren und einer Vorerkrankung zählt sie zur Corona-Risikogruppe. Doch genau diese Faktoren erschweren den Zugang zum dritten Stich: Der Weg in eine Nachbargemeinde ist für die Seniorin ohne Auto kaum vorstellbar, langes Anstehen gar unmöglich.

Einen der heiß begehrten Impftermine in Klosterneuburg konnte Bucina nicht ergattern – die Suche nach Alternativen treibt sie in die Verzweiflung.

„Wenn ich von Weidling ins Impfzentrum nach Tulln fahren würde, müsste ich mit dem Bus zum Zug und in Tulln wieder in einen Bus umsteigen“, ist Bucina entmutigt, „ich bin fast 80 Jahre, wie stellen die sich das vor? Da soll man sich impfen, aber kann nicht.“

„Wir wollen keine Torte oder sonstige Extrawürste, wir wollen einfach den dritten Stich, das ist für uns Alte wichtig!“

Auch der Impfbus, der im November und Dezember je einmal vor der Babenbergerhalle Halt macht, ist für die Pensionistin keine Option – lange Wartezeiten und vor allem langes Stehen schrecken die betagte Dame, die nur schlecht gehen kann, ab. „Wie kann man alte Leute bei der Witterung im Freien stehen lassen?“, wundert sie sich.

Ihre letzte Hoffnung – ein Impftermin in einer Ordination – wird auch enttäuscht: „Ich habe keinen Termin bekommen“, ist die 79-Jährige bedrückt, stellt aber klar: „Die Ärzte machen das gut, doch sie sind sowieso schon überlaufen, auch vor Corona, und jetzt ist Grippesaison. Wie sollen Ärzte die Impfungen auch noch zusätzlich und alleine stemmen? Was ist denn das für eine Organisation?“

Ihr Wunsch an Stadt und Land: „Können wir da nicht ein bisschen Schwung reinbringen? Wir wollen keine Torte oder sonstige Extrawürste, wir wollen einfach den dritten Stich, das ist für uns Alte wichtig!“

Stadt-Petition für Impfen und Freitesten

Rund 20 Prozent haben in Klosterneuburg bereits den dritten Stich erhalten, etwa 75 Prozent sind vollimmunisiert. Trotz hoher Quote ist sich der Gemeinderat einig: Das Angebot muss erweitert werden – und zwar um eine regelmäßige Impfstraße.

Auf Antrag der Grünen beschließt das Stadtparlament eine Petition an das Land. „Wir müssen die möglichen logistischen Ressourcen – und davon ist die Impfstraße eine der wesentlichen – aktivieren“, argumentiert der Antragsteller, Stadtrat Sepp Wimmer, „denn ich kann nicht gleichzeitig sagen, ich will, dass die Menschen sich vermehrt impfen lassen, und dann schick ich sie nach Tulln hinaus. Das ist eine Hürde, die für viele wieder ein Grund sein kann, sich nicht zu impfen.“

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Über Notruf NÖ war am Montag, 22. November, nur noch ein Termin verfügbar – und auch der wurde im Laufe des Tages gebucht. Bis Jahresende ist auf der Plattform also kein einziger Slot für Klosterneuburg mehr frei.
Screenshot/Notruf NÖ

Die Petition wird einstimmig beschlossen, mit dem Zusatz – eingebracht vom freien Gemeinderat Andreas Mohl –, dass Klosterneuburg auch eine offizielle Stelle zum Freitesten fordert.

Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP) begrüßt das Anliegen: „Ich bedanke mich für den Antrag und für die Initiative zur Unterstützung des Impfens, das ist aus meiner Sicht gut.“ Langfristig – Stichwort Impfpflicht – müsse man abwarten: „Wo wir im Februar 2022 stehen werden und wie weit die Impfpflicht dann auch dazu führt, dass man lokal was anbieten muss, wird uns die Ausarbeitung des jeweiligen Ministeriums zeigen.“

Eine rasche Lösung wünscht sich Gesundheitsstadtrat Karl Schmid (SPÖ): „Die Zeit drängt.“ Bedenken habe er wegen der Finanzen, aber: „Vielleicht schaffen wir gemeinsam, dass wir in Klosterneuburg nicht nur einmal im Monat oder einmal alle zwei, drei Monate einen Impfbus bekommen, der dann völlig überlastet ist, sondern eine regelmäßige Situation vorfinden.“

Verfügbare Impfmengen schon vergeben

Wie ist der Impf-Status quo? Über den Notruf NÖ sind sechs Ordinationen registriert – Termine können online gebucht werden, derzeit sind aber keine freien Slots verfügbar.

NÖ-weit organisiert der Notruf NÖ rund 700 Stellen – „dort, wo die Durchimpfungsrate niedrig ist, wird das Angebot verstärkt“, erklärt Notruf-Sprecher Stefan Spielbichler.

Einer zusätzlichen Impfstraße für Klosterneuburg steht er skeptisch gegenüber – denn es sei schon durchgeplant, wo verfügbare Impfmengen hingeliefert werden.