Zwist um neues Viertel in Klosterneuburg hält an. FPÖ und JVP reagieren nach Prognosen des grünen Planungsstadtrats.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 22. Oktober 2020 (03:54)
Pionierviertel in Klosterneuburg
NOEN, Hornstein

„Die Realisierung kann corona- und schuldenbedingt auch erst in 20 Jahren stattfinden.“ Diese Äußerung des grünen Stadtrats für Stadtplanung, Sepp Wimmer, über die Zukunft des Pionierviertels, löste einige Reaktionen aus. Die heftigsten bei FPÖ-Stadtrat Josef Pitschko, der Wimmer einen „planlosen Planungsstadtrat“ nannte.

In der Vorwoche berichtete die NÖN über die Zukunft des wohl ehrgeizigsten Projekts in der Geschichte der Stadtgemeinde: Ein neuer Stadtteil soll entstehen, das sogenannte Pionierviertel. Über die Planungsphase kam dieses Projekt aber nicht hinaus. Verkehrsprobleme ließen die Fortführung des Projekts stocken, und der coronabedingte finanzielle Engpass der Stadtgemeinde lassen den neuen grünen Planungsstadtrat Sepp Wimmer die Vermutung äußern, eine Realisierung könne noch 20 Jahre auf sich warten lassen.

„Die Realisierung irgendeines Projektes auf dem Grundstück des Stiftes hängt weder mit den Finanzen der Stadt noch mit der Corona-Hysterie zusammen.“ FPÖ-Stadtrat Josef Pitschko

FPÖ Stadtrat Josef Pitschko versteht die Prognose des grünen Planungsstadtrats nicht.
Zwazl

Dazu reagierte FPÖ-Stadtrat Josef Pitschko verwundert: „Die Realisierung irgendeines Projektes auf dem Grundstück des Stiftes Klosterneuburg hängt weder mit den Finanzen der Stadt noch mit der Corona-Hysterie zusammen.“ Es sei auch nicht Aufgabe der Stadt, Projekte für das Stift zu entwickeln. „Niemand hat das Stift gezwungen, das als Bauland-Sondergebiet/Kaserne gewidmete Areal von der Republik Österreich zu kaufen und darauf zu spekulieren, dass die Stadt eine Bauland-Wohnen-Widmung mit der Möglichkeit einer dichten und hohen Bebauung vornehmen wird“, so Stadtrat Pitschko.

Der freiheitliche Stadtrat war auch überrascht, dass der grüne Planungsstadtrat noch immer von einem Stadtteil mit Wohnungen spricht, obwohl die Grünen vor der Gemeinderatswahl „1.100 Bäume statt 1.100 Parkplätze“ propagiert hätten. Pitschko wies darauf hin, dass der Gemeinderat einstimmig einen FPÖ-Antrag beschlossen hatte, mit dem Grundeigentümer Stift Klosterneuburg die Voraussetzungen für das Pflanzen von 1.100 Bäumen auf dem Kasernenareal zu klären.

Auch die Junge Volkspartei (JVP) äußert sich kritisch zu den Aussagen Wimmers. Planungsstadtrat Wimmer hätte mit seiner Aussage zur Gänze die jungen Einwohner Klosterneuburgs ignoriert. Es werde für Jugendliche und junge Erwachsene immer schwieriger, eine leistbare Unterkunft in ihrer Heimatgemeinde zu finden. Durch das Projekt Pionierviertel könnten nicht nur einige leistbare Wohnungen geschaffen werden, auch der Mietpreis könnte generell etwas sinken, da das Angebot an Wohnungen größer wäre. JVP-Mitglied und Jugendgemeinderat Christopher Schulz: „Gerade in Zeiten wie diesen ist schnelles Handeln gefragt, und es darf keine Zeit aufgrund politischer Einstellungen verloren gehen. Wir brauchen jetzt leistbares Wohnen und nicht erst in 20 Jahren.“