Demo gegen Abschiebung: „Wir haben Platz!“. 200 Personen demonstrierten in Klosterneuburg gegen die Abschiebung Naveed Abbas.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 28. April 2021 (03:18)
Demo am Rathausplatz: Rund 200 Freunde, Wegbegleiter und Vereine protestierten gegen die Abschiebung von Naveed am 14. April.
Hornstein, Hornstein

Rund 200 Menschen versammelten sich am Mittwochabend am Klosterneuburger Rathausplatz, um gegen die Abschiebung des sehr gut integrierten Naveed aus Pakistan unter dem Motto „Gebt Naveed sein Zuhause zurück“ zu demonstrieren.

Der 23-jährige Mann wurde am 14. April ohne Vorwarnung nach Pakistan abgeschoben. Wie aus seinem Umfeld zu hören war, war Naveed bestens integriert und ein Gewinn für die österreichische Gesellschaft. „Ob Naveed integriert war, die Frage stellt sich mir nicht. Für mich war er Österreicher“, so Marlies Bauer, die den Asylwerber über drei Jahre als Ziehmutter in ihrem Haus in Kritzendorf aufgenommen hatte.

„Zu dem Thema können wir nicht schweigen. Die Bürokratie darf nie der Menschlichkeit im Weg stehen. Wir haben Platz für Menschen wie Naveed. Hier ist die Politik dringend gefordert“, zeigt sich Valentin Mähner, Vorsitzender der JG Bezirk Tulln, entsetzt und wütend. Mit lauten Rufen „Wir haben Platz“ machten sich die Demonstranten bemerkbar.

Naveed war bereits seit sechs Jahren in Österreich. Er floh, weil er einem kranken Mann aus einem Nachbarort half und in weiterer Folge als Verräter angesehen wurde, worauf in diesen Breiten der Tod steht. Auch in Österreich zeigte sich seine soziale Ader: Er begann eine Ausbildung zum Kranken- und Behindertenpfleger und absolvierte einschlägige Praktika wie etwa im Rosenheim in Tulln oder bei „Komit“ Wien. Er engagierte sich außerdem im Verein „Klosterneuburg hilft.“

„Naveed ist ein toller Mensch. Die Behandlung, die er bei seiner Abschiebung in Österreich erfahren hat, hat er nicht verdient“, zeigt sich Jakob Ernst von „Klosterneuburg hilft“ betroffen. Eine Freundin von Naveed brachte das Entsetzen auf den Punkt mit der Frage: „Was muss eine Person leisten, um in Österreich bleiben zu dürfen?“ Die Anträge von Naveed auf Asyl und humanitäres Bleiberecht wurden abgelehnt. Er wurde aus seinem familiären und freundschaftlichen Netz in Österreich gerissen und nach Pakistan zurückgeschickt.

„Naveed ist ein toller Mensch. Die Behandlung, die er bei seiner Abschiebung in Österreich erfahren hat, hat er nicht verdient“

Das zeigte auch der rührende Bericht von Sandy, eine Bewohnerin der WG für Menschen mit Behinderung, in der Naveed ehrenamtlich ausgeholfen und später ein Praktikum gemacht hat: „Wir wollen dich wieder hier in Österreich haben! Vielleicht findet jemand Mitleid mit dir und holt dich wieder zurück aus dem Land, wo du fast umgebracht worden bist. Bitte holt’s Naveed nach Hause!“

Die Junge Generation Bezirk Tulln und der Verein „Klosterneuburg hilft“ haben als Organisatoren der Demo zusätzlich auch Unterstützung von Vereinen und Organisationen wie Amnesty International und den „Omanzen“ erhalten.

„Wir kämpfen weiter und hoffen, dass Naveed nach Österreich zurückkehren darf. Wir ergreifen jeden Strohhalm, viele Strohhalme bilden nämlich ein Dach. Bauen wir es!“, schließt Marlies Bauer ihre Rede bei der Demonstration ab.