Neuer Stadtteil in Klosterneuburg: Pläne auf Eis?. Die prekäre finanzielle Situation der Stadt macht die mittelfristige Realisierung des neue Stadtteils noch unwahrscheinlicher.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 14. Oktober 2020 (04:17)
Die Planung des Pionierviertels ist schon sehr weit gediehen. Nach Meinung der Grünen ist das Projekt jedoch für die nächsten zehn bis 20 Jahre gestorben.
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Es war das größte Projekt, das die Stadt Klosterneuburg in seiner Geschichte in Angriff genommen hat. Aus dem Abzug der Magdeburgkaserne ergab sich die Chance für die Entwicklung eines neuen Stadtteils in der Babenbergerstadt. Aber außer viel Planungsarbeit wurde bis jetzt nichts realisiert. Und aus Sicht der Grünen bleibt das auch für längere Zeit so. Planungsstadtrat Sepp Wimmer (Klosterneuburger Grüne) sieht keine Chance, dieses Jahrhundertprojekt in nächster Zeit voranzutreiben: „Aus für Pionierviertel in der bisher geplanten Form. Wir wollen einen Neustart. Die Realisierung kann corona- und schuldenbedingt auch erst in 20 Jahren stattfinden.“

Für die Grünen sind es zwei Komponenten, die an eine Weiterführung des Projekts nicht denken lassen: die Corona-Krise und der damit verbundene Schuldenberg der Stadtgemeinde. Dabei wäre durch eine Novellierung der Raumordnung durch die Landesregierung das Vorhaben an sich schon fast gescheitert gewesen. Eine Beschränkung der bebauten Flächen hätte das Pionierviertel unmöglich gemacht. Doch dem war dann doch nicht so. Wimmer: „Das Pionierviertel wäre durch eine Raumordnungsnovelle fast vor dem Aus gestanden, nun könnte das Projekt weiterentwickelt werden. Für uns Grüne ein Grund mehr, noch einmal unsere Forderungen klar zu deponieren.“

„1.100 Wohnungen mit den 3.000 zusätzlichen Einwohnern würde uns ein Verkehrschaos sondergleichen bescheren.“ Planungsstadtrat Sepp Wimmer (Grüne)

So wollen die Grünen eine Reduzierung der Wohnbauten, gebaut soll ökologisch werden, und großzügige Grünräume sollen entstehen. Und das Wichtigste: Eine ausreichende Verkehrsinfrastruktur soll entstehen.

Wimmer: „1.100 Wohnungen mit den 3.000 zusätzlichen Einwohnern würde uns ein Verkehrschaos sondergleichen bescheren.“ Die Grünen hätten auch nichts dagegen, wenn das Areal völlig unbebaut bliebe und eine grüne parkähnliche „Sauerstofflunge“ für Klosterneuburg werden würde. Doch das wäre sehr schwer zu realisieren. „Wir müssen daher schauen, wie dieser Stadtteil kleinteilig und ökologisch vertretbar gestaltet werden kann, ohne überbordenden Verkehr und eine Explosion der Einwohnerzahlen“, so die Conclusio Wimmers. Großen Stellenwert hätte für Wimmer auch eine parkähnliche Grünraumgestaltung: „Ohne diese Parameter gibt es von uns keine Zustimmung zum Projekt.“

Bürgermeister nimmt Wimmer in die Pflicht

Die Grünen schlagen vor, kleine Einzelprojekte, wie den Schulcampus, umzusetzen. Wimmer: „Das hätte auch den großen Vorteil, dass man dann Schritt für Schritt nach der Planung in der Praxis sehen kann, wie das Viertel auf verschiedene Faktoren, wie den Verkehr, tatsächlich reagiert. Verursacht der Verkehr schon in diesen kleinen Teilbereichen Probleme, ist an eine weitere Umsetzung des Pionierviertels nicht zu denken.“ Wimmer abschließend: „Wir Grüne wollen, dass dieser neue Stadtteil – wenn er kommt – ein ökologisches und grünes Vorzeigeprojekt für die Städtebauweise im 21. Jahrhundert wird. Dann könnte das neue Viertel für die Bevölkerung ein großer Gewinn sein. Aber wahrscheinlich kommt es corona-bedingt und durch den Millionenverlust der Stadt zu keiner Realisierung in den nächsten 20 Jahren.“

Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP) zeigt sich von Wimmer überrascht: „Es ist mir neu, dass der Planungsstadtrat das Pionierviertel auf Eis legen will. Damit würde er ja auch die Entwicklung des Schulcampus gefährden.“ Aus wirtschaftlicher Sicht wäre die Corona-Krise auch eher ein Anlass, in einem sozialen Akt leistbaren Wohnraum zu schaffen.

„Es ist mir neu, dass der Planungsstadtrat das Pionierviertel auf Eis legen will"

„Wir haben mit allen Parteien nach der Wahl vereinbart, das Projekt Pionierviertel zu evaluieren und nicht die Hände in den Schoß zu legen. Hier muss sich Stadtrat Wimmer wirklich einbringen“, nimmt der Bürgermeister den Planungsstadtrat in die Pflicht. Auf die Schulden der Stadt könne er sich dabei in keinem Fall ausreden, denn eine Realisierung würde für die Gemeinde mehr bringen als kosten.

Und Schmuckenschlager abschließend: „Zur Lösung der Verkehrsfrage erwarte ich auch noch Vorschläge und hoffe, dass die Idee eines autofreien Viertels nicht ausgerechnet von den Grünen zerstört wird.“