Guter „Rad“ ist in Klosterneuburg teuer. Mit 444 Unterschriften stellten sich die Kämpfer um bessere Radwege im Rathaus ein. Mit der Reaktion des Bürgermeisters zeigten sich die Radfahrer nicht zufrieden.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 19. Februar 2020 (03:52)
Politik trifft Radler: Gerald Teschl (3.v.r.) und Werner Palfinger überreichten Stadtrat Holgar Herbrüggen (5.v.l.) und Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager 444 Unterschriften für einen Radweg zum Gymnasium.
NOEN

Der Kampf um mehr und bessere Radwege in Klosterneuburg geht in die nächste Runde. Am Donnerstag letzter Woche überreichten Vertreter der „Radlobby Klosterneuburg“ 444 Unterschriften an Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager. Ziel der Petition von Initiator Gerald Teschl ist ein sicherer Radweg zum Klosterneuburger Gymnasium. Teschl: „Schmuckenschlager äußerte zwar prinzipielles Verständnis, kam den Radfahrern jedoch keinen Millimeter entgegen.“

Die Petition fordert die Errichtung von Schutzwegen vor dem Gymnasium sowie Radstreifen gegen die Einbahn in der Gadesgasse und der Medekstraße. Teschl: „Radfahren ist wichtig für Kinder und Jugendliche. Es fördert die Gesundheit, macht müde Kinder munter und gibt den Kindern Freiheit.“ Dabei müsse aber die Sicherheit der Kinder oberste Priorität haben. „In diesem Zusammenhang sind die Elterntaxis ein großes Problem. Die Zufahrtsstraßen sind in der Früh komplett überlastet“, so Teschl dessen Kinder auch ins Gymnasium gehen.

„In Zeiten des Klimawandels ist nicht zögern, sondern eine mutige, zukunftsweisende Verkehrspolitik angebracht.“  Gerald Teschl, Radlobby

Bürgermeister Schmuckenschlager zeige – nach Teschl – Verständnis für das Problem, könne sich bauliche Maßnahmen jedoch nicht vorstellen, weil dadurch möglicherweise Parkplätze verloren gingen. Auch Teschls Vorschlag, nach Wiener Vorbild Fahrverbote von 7.45 bis 8.15 Uhr einzuführen, könne er nichts abgewinnen.

Für Radlobby-Sprecher Werner Palfinger ist das Problem ein grundlegendes: „Das im Vorjahr beschlossene Stadtentwicklungskonzept (STEK 2030+) sieht eine aktive Steigerung des nachhaltigen Verkehrs – zu Fuß, per Rad, öffentlicher Verkehr – auf 55 Prozent bis 2030 vor, unter anderem durch den raschen Ausbau der Radwege. Die Gemeinde hat sich hier also viel vorgenommen, jetzt müssen aber Taten folgen.“ Natürlich wäre es besonders wichtig, bei den Kindern anzufangen, das wären die Autofahrer von morgen. „Wir wissen von anderen europäischen Städten, dass eine deutliche Steigerung des Radverkehrsanteils in wenigen Jahren machbar ist, aber nur, wenn intensiv in hochwertige Radwege investiert wird“, so Palfinger weiter. Als Richtwert geben Experten 30 Euro pro Jahr und Einwohner an. Klosterneuburg investiere heuer aber nur rund zwei Euro.

Bürgermeister Schmuckenschlager hätte gesagt, dass das STEK sehr ernst genommen und die Ziele erreicht werden sollen. Derzeit konzentriere man sich aber auf den Gebäudesektor. Erst danach wolle man sich der Verkehrsproblematik annehmen. Die Höhe des Radwegbudgets sei für ihn – Schmuckenschlager – nicht wichtig, denn es gäbe ja ein Straßenbaubudget und Radfahrer würden ja auch die Straßen benützen, zitiert die Radlobby Schmuckenschlager.

Für die Radlobby sind diese Antworten unzureichend: „In Zeiten des Klimawandels ist nicht zögern, sondern eine mutige zukunftsweisende Verkehrspolitik angebracht. Das sind wir unseren Kindern schuldig.“

Verkehrsprobleme lösten sich nicht von selbst, wie auch folgendes Beispiel zeige: Im Jahr 2010 plakatierte das Team Schmuckenschlager „Lückenloser Radweg durchs Kierlingtal“. Zehn Jahre danach bestünde noch immer eine gefährliche Lücke im Bereich Stollhof.

Laut Teschl sei es bei der sonst entspannt laufenden Diskussion erst laut geworden, als Schmuckenschlager – auf den Klimawandel angesprochen – gemeint haben soll, dass die Erderwärmung auch positiv sein könne. Zum Beispiel hätten die Feinstaubwerte abgenommen.

„Konzentrieren uns auf den Bebauungsplan“

In einer Stellungnahme gegenüber der NÖN stellte Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager klar: „Derzeit konzentrieren wir uns auf den Bebauungsplan.“ Danach wolle man die weiteren Maßnahmen schrittweise umsetzen.

Und Schmuckenschlager zur Klimawandeldiskussion: „Selbst die PUK hat bei einer Podiumsdiskussion gemeint, dass die wenigen Überschreitungen beim Feinstaub dem Klimawandel und reduziertem Hausbrand geschuldet sind.“