Klosterneuburg kämpft um Radzug. Eine Baustelle zwischen Herzogenburg und St. Pölten legt „Rad Tramper Donau“-Zug lahm. Die Stadt will das nicht hinnehmen.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 10. April 2019 (16:50)
Für Radtouristen wird es in den Sommerferien entlang des Donauradweges schwer, mit dem Zug wieder heimzukommen.
Verein Stadtmarketing & Tourismus

Jedes Jahr im Zeitraum von 1. Mai bis 26. Oktober fährt der „Rad Tramper Donau“-Zug über Klosterneuburg nach Passau. In der Früh können die Radtouristen ohne Umsteigen um günstige 39 Euro heimwärts reisen. In den Sommerferien Juli und August soll es diese Tickets nicht mehr geben. Der Grund: eine ÖBB-Baustelle zwischen Herzogenburg und St. Pölten über den Zeitraum der gesamten Sommerferien. Die Bearbeitung mittels Schienenersatzverkehr sei der Anbieterfirma ÖBB-Railtours „zu aufwendig und zu unsicher“, teilt der Verein Stadtmarketing Klosterneuburg mit.

Die Tickets sind nicht in den Bahnhöfen, sondern in den Tourismusinfostellen zu beziehen, weil hier auch die Stellplatzreservierung für die Fahrräder erfolgt. Ein wesentlicher Vorteil dieses Systems ist, abgesehen vom einfachen Prozedere, dass die Touristen im Zuge des Ticketkaufs auch mit allen anderen Infos über die Stadt und die Region versorgt werden können.

Laut Info der ÖBB wird für genannten Zeitraum zwar ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, aber die Tickets für diesen Bus und für den Anschlusszug in St. Pölten nach Passau dürfen nicht über die Tourismusinfostellen verkauft werden.

Problem gerade für ältere Touristen

Für Geschäftsführerin Nicola Askapa vom Verein Stadtmarketing & Tourismus ist dies ein nicht akzeptables Angebot: „Die Fahrgäste müssen sich selbst um die Fahrkarten und die Stellplatzreservierungen kümmern. In der Praxis, mit unbesetzten Bahnhöfen, gerade für ältere Touristen eine schier unlösbare Aufgabe.“ Der Radzug sei einer der ausschlaggebendsten Gründe für eine Reise entlang des Donauradwegs – ganz einfach, weil die Rückreise so praktisch und bequem sei. „Wir sind überzeugt davon, dass ohne gangbare Alternative viele Touristen von einer Radtour entlang der Donau bis Wien generell Abstand nehmen werden“, glaubt Askapa.

„Wünschenswert wäre eine wesentlich frühere Info über die geplante Streckensperre gewesen und damit verbunden die zeitgerechte Planung eines gangbaren Schienenersatzsystems für Radtouristen. Nun haben wir natürlich viele Anfragen von Kunden bezüglich Radzug, die wir nicht zufriedenstellend beantworten können“, erklärt Michael Reichenauer-Kofler, Obmann des Vereins, „es braucht eine Lösung für 2019 und für die kommenden Jahre.“

„Wenn man das Thema Radreisen propagiert und dann das Mobilitätsangebot einstellt, ist das wohl ein Widerspruch.“ Nicola Askapa, GF Verein Stadtmarketing & Tourismus

Bislang nur ein Gerücht, hieß es, dass der „Rad Tramper Donau“ im kommenden Jahr generell eingestellt werden soll, weil bislang kein Kontingent seitens der Länder OÖ und NÖ bestellt wurde. Vom Regionalmanagement Ostregion der ÖBB wird bestätigt: „Nach EU-weit festgelegten Fristen muss das Kontingent immer ein Jahr im Vorhinein bestellt werden, bis jetzt liegt aber noch keine Bestellung vor.“

Um ab 1. Mai 2020 den Rad Tramper wieder in gewohnter Weise Richtung Passau fahren lassen zu können, muss demnach bis 30. April 2019 eine ebensolche Kontingentbestellung erfolgen.

„Wenn man das Radland Österreich und das Thema Radreisen propagiert und dann das Mobilitätsangebot einstellt, ist das wohl ein Widerspruch in sich“, so Askapa.