Apotheken versus Hausapotheken: Fluch oder Segen?. In Klosterneuburg gibt es nur eine Hausärztin mit eigener Apotheke in ihrer Ordination.

Von Victoria Heindl. Erstellt am 04. September 2019 (03:37)
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Ob ein Arzt ein Rezept auch gleich in seiner eigenen Hausapotheke einlösen kann, hängt von der Entfernung zur nächsten Apotheke ab.

Wer kennt es nicht? Nach dem Besuch beim Arzt muss man meistens weiter in die Apotheke. In Klosterneuburg und den sechs Katastralgemeinden gilt das für die Patienten von nur einer Ärztin nicht. Die in Höflein ansässige Allgemeinmedizinerin führt neben ihrer Ordination auch eine eigene Hausapotheke. Bei den anderen Ordinationen ist dies nicht möglich: Wenn in sechs Kilometern Umkreis eine öffentliche Apotheke ist, darf man keine eigene Hausapotheke führen.

So geht es auch dem Kritzendorfer Hausarzt Peter Kaufmann. Er betont zwar sein ausgezeichnetes Verhältnis zu den Klosterneuburger Apothekern, aber dennoch wäre eine eigene Hausapotheke nicht nur eine praktische Serviceleistung für seine Patienten, sondern der finanzielle Aspekt ist dabei nicht zu unterschätzen. „Eine Hausapotheke kann in einer Ordination bis zu 50 Prozent des Umsatzes ausmachen“, erklärt Kaufmann.

Gutes Verhältnis zwischen den Sparten

In seinem Fall muss er auf diesen Umsatz verzichten. Aber nicht nur dieses gesetzlich auferlegte Verbot ist für Kaufmann nicht ganz nachvollziehbar: „Es ist halt ärgerlich, wenn man einem Arzt nicht zutraut, die richtigen Medikamente zu verschreiben.“

Dabei gibt Kaufmann auch offen zu, dass es einige Gebiete im Bereich der Pharmazie gibt, in denen er als Mediziner mit einem studierten Pharmazeuten nicht mithalten kann. „Gerade für Arzneimittel-Mischungen wie etwa Salben, Tropfen, Pulver oder Tees bin ich sehr froh über unsere Apotheken in Klosterneuburg“, streut Kaufmann seinen Kollegen – und das sind die Apotheker für den Mediziner auf jeden Fall – Rosen.

Aber Kaufmann kann auch verstehen, dass manche seiner Kollegen sogar ihre Ordination verlegen, damit sie eine Hausapotheke führen können. Für ihn selbst kommt das allerdings nicht in Frage. „Unsere Praxis ist alteingesessen in Kritzendorf, und nur für eine Hausapotheke würde ich sie nicht verlegen“, verweist Kaufmann seine Patienten auch weiterhin an Klosterneuburger Apotheken, um sich ihre Medikamente zu besorgen.

Eine dieser Anlaufstellen in Klosterneuburg ist die Agnes-Apotheke. Die Pharmazeutin und Konzessionärin Angela Hauger ist immer für ihre Patienten da. Und hier sieht sie auch einen der großen Vorteile öffentlicher Apotheken. „Apotheken bieten eine Rund-um-die-Uhr-Arzneimittelversorgung – 94,5 Prozent der Bevölkerung können die nächste Apotheke innerhalb von zehn Minuten erreichen“, erklärt Hauger. Ein weiterer Vorteil dabei ist auch, dass öffentliche Apotheken – im Gegensatz zu Hausapotheken – das ganze Jahr über geöffnet haben.

„Apotheken bieten eine Rund-um-die-Uhr- Arzneimittelversorgung – 94,5 Prozent der Bevölkerung können die nächste Apotheke innerhalb von zehn Minuten erreichen.“ Angela Hauger, Pharmazeutin in der Agnesapotheke

Aber bei den Öffnungszeiten können Hausapotheken meist nicht mit öffentlichen Apotheken mithalten. Auch das Angebot an Arzneimitteln ist um ein Vielfaches größer. „Die Bevorratung einer öffentlichen Apotheke ist um zehn bis 20 Mal größer als die einer Hausapotheke: etwa 6.000 verschiedene Arzneimittel gegenüber 150 bis 200 Präparaten“, so Hauger.

Für die Pharmazeutin bieten die öffentlichen Apotheken auch eine Entlastung der Ärzte. Einerseits durch weniger Zeitaufwand bei der Beratung und andererseits, da viele Patienten sich zunächst Rat und Hilfe in den öffentlichen Apotheken suchen. Und Hauger meint außerdem: „Die weitgehende Trennung der ärztlichen Tätigkeit von der Arzneimittelvergabe vermeidet potenzielle Interessenskonflikte, Mehrverschreibungen für die Patienten und zusätzliche Kosten für das Gesundheitssystem.“

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