Stationär ist Stadt gut aufgestellt. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 10. Juli 2019 (03:00)
BilderBox.com, Erwin Wodicka
Symbolbild

Der Durchschnitts-Klosterneuburger ist rund 45 Jahre alt. In der Demografie der Babenbergerstadt dominieren die 40- bis 60-Jährigen – die Generation macht etwa ein Drittel der Bevölkerung aus. Die Zahlen bringen einen zukunftweisenden Schluss: Die Gesellschaft altert, der Pflegebedarf wird in den nächsten Jahr(zehnt)en steigen.

NÖN

Im Landes- und Bundesvergleich ist Klosterneuburg überdurchschnittlich alt. 2.000 Bewohner, etwa sechs Prozent der Gesamt-Einwohnerzahl, haben ihren 80. Geburtstag bereits gefeiert.

In Niederösterreich liegt der Anteil der Über-80-Jährigen bei fünf Prozent, bundesweit sind es vier Prozent. Der NÖ Altersalmanach zählt die Generation 80 plus im Bezirk Tulln: 2018 waren es 5.305, im Jahr 2025 sollen es rund 7.450 sein. Bis 2035 prophezeit die wissenschaftliche Studie einen Anstieg der Hochaltrigen um rund 70 Prozent (auf 8.750).

„Die Abschaffung des Pflege-Regresses hat einen merkbaren Schub verursacht. Mit Ende des Jahres waren alle freien Betten belegt.“ Michael Strozer, Direktor des Agnesheims

Die Überalterung der Stadt spiegelt sich in der Zahl der stationären Pflegeeinrichtungen wider: „Ich kenne kaum eine Stadt, wo es drei Häuser gibt“, berichtet Michael Strozer, Direktor des Pflege- und Betreuungszentrums Klosterneuburg, vormals Agnesheim. Das Heim wurde 2001 eröffnet, seit 2017 gibt es das Caritas-Haus St. Leopold in Weidling, vor wenigen Wochen bezogen die Bewohner der Barmherzigen Brüder den Neubau in Kritzendorf.

„In Klosterneuburg sind wir gut aufgestellt, der Bedarf ist gesichert“, versichert Strozer. Anfang des Vorjahres hatte das PBZ – gegen die Tendenz in NÖ – sogar freie Betten. Dann kam die Abschaffung des Pflege-Regresses: Seit 1. Jänner 2018 darf zur Deckung der Heimkosten nicht mehr auf Privatvermögen der Bewohner zugegriffen werden – die Folge: Mehr Menschen wollten in eine Pflegeeinrichtung. Den Trend spürte auch das Agnesheim. Strozer: „Das hat einen merkbaren Schub verursacht. Mit Ende des Jahres waren alle Betten, die im Jänner noch frei waren, belegt.“

Momentan, so der Direktor, ist der Bedarf an stationärer Pflege in der Stadt gedeckt. Das werde sich in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren auch nicht ändern. „Der Bedarf wird wissenschaftlich ausgewiesen, beispielsweise im Altersalmanach. Wenn es danach notwendig ist, muss das Land strategische Maßnahmen setzen“, so Strozer.

Stationäre Betreuung ist nur ein Eckpfeiler der Pflege. Im Bezirk werden rund 900 Patienten mobil betreut, 520 Menschen leben mit einer 24-Stunden-Hilfe. Tendenz bis 2035 ebenfalls exponentiell steigend – mobil um 55 Prozent, 24-Stunden um 70 Prozent. Das Hilfswerk, der größte Anbieter mobiler Pflege in NÖ, denkt noch weiter in die Zukunft.

„2050 werden wir 3,5 mal so viel Pflegepersonal brauchen wie jetzt. Es sind dringend Maßnahmen nötig, denn der Personalmangel wird sich in Zukunft noch weiter zuspitzen“, fürchtet Hilfswerk-Präsidentin und VP-Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer. Der Mangel ist schon jetzt da: In Klosterneuburg sucht das Hilfswerk eine Heimhilfe und einen Pflegeassistenten, der Bezirk zählt acht offene Stellen. Ein Blick auf den NÖ-Arbeitsmarkt zeigt die Dramatik: Im Land fehlen dem Hilfswerk 200 Pflegekräfte.

Das Bedarfs-Wachstum ist leicht erklärt: Kleinere Haushalte führen zu weniger Pflegepotenzial in der Familie, Frauen sind im Vergleich zu früher vermehrt berufstätig, die Lebenserwartung steigt. Dem müsse man, so Hinterholzer, entgegenwirken: mit mehr Mitteln, Ausbau der mobilen Dienste, finanzielle Absicherung des Pflegegelds und Stärkung der pflegenden Angehörigen.

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