Klosterneuburg

Erstellt am 14. März 2019, 03:06

von Christoph Hornstein

Petition gegen Verkauf. Anrainer und Naturschutzbund gegen Verkauf von zwei Hektar Wald in „Natura 2000“-Gebiet.

Der Waldbestand im Reihergraben soll erhalten werden, versprichtVizebürgermeister und StadtratRoland Honeder. Es bestehe kein Umwidmungsrisiko.  |  privat

Dem Vorhaben der Stadtregierung, 20.000 Quadratmeter Grünland an eine Immobilienfirma – die dafür eigens gegründete Reihergraben GmbH & COKG – zu verkaufen, will jetzt auch eine Unterschriftsammlung entgegentreten. Die Forderung: „Die Stadtregierung soll jetzt und in Zukunft kein gemeindeeigenes Grünland im Reihergraben an Immobilien-, Baufirmen oder sonstige Dritte verkaufen, da die Gefahr von Umwidmung, Bebauung und Zerstörung von Wald und Natur besteht.“

Der geplante Verkauf des im „Natura 2000“-Gebiet gelegenen gemeindeeigenen Waldes löste viel Wirbel aus. So ist bis jetzt nicht klar, warum ein Immobilienentwickler ein nicht verwertbares Areal im Grünland kaufen will. Noch dazu um den fünffachen Preis des Verkehrswertes.

„In Zeiten des Klimawandels kommt jedem Baum in der Stadt eine besondere Bedeutung zu.“ Naturschutzbund-Obfrau Ilse Wrbka-Fuchsig

Was vom zuständigen Stadtrat Roland Honeder (ÖVP) mit Stolz als lukratives Geschäft bezeichnet wird, macht zumindest den Anrainern am Reihergraben große Sorgen. „Was war das für eine friedliche und ruhige Gegend? Jetzt gibt es schon so viele Baustellen. Damit muss einmal Schluss sein“, so die Organisatorin Helga Hasler.

Der schon ausformulierte Antrag zum Verkauf der Waldfläche wurde vor der Sitzung von der Stadtregierung zurückgezogen und jetzt noch einmal im Ausschuss behandelt. Die Petition soll nun in die Entscheidung eingebracht und dem Bürgermeister in etwa zwei Wochen übergeben werden.

Auch der Naturschutzbund, Ortsgruppe Klosterneuburg, meldet sich nun zu Wort. Schon dessen „Waldpetition“ für den schonenden Umgang mit gemeindeeigenen Waldgebieten konnte mit mehr als 700 Unterschriften aufwarten. Sie wurde der Stadtregierung übergeben und ist schon abgeschlossen.

„Die Stadtgemeinde, die den Wald zum Wohle aller Bürger verwalten sollte, setzt sich über den Schutzstatus ,Natura 2000‘- Gebiet und Biosphärenpark Wienerwald und die Anliegen der Bürger einfach hinweg und schlägt beim ersten, gewinnbringenden Angebot zu“, so Obfrau Ilse Wrbka-Fuchsig. Dass dieser sensible Bereich, der aufgrund der Steilheit des Geländes am besten mit Baumbewuchs vor Erosion und Hangrutschungen gesichert ist, würde außer Acht gelassen werden.

Naturschutzbund fordert Rückzug aus Verkauf

Wrbka-Fuchsig fordert die Stadtgemeinde auf, „vorbildlich zu handeln, Schutzgebiete und Bürgeranliegen ernst zu nehmen, als Biosphärenpark-Gemeinde nachhaltig zu wirtschaften und diesen Verkauf zu unterlassen.“ Nachdem derzeit überall im Wienerwald und in den Auen massive Schlägerungen mit Hinweis auf das Eschensterben und die damit einhergehende Haftungsproblematik durchgeführt würden, sei die Erhaltung jedes einzelnen Baumbestandes sehr wichtig geworden.

„In Zeiten des Klimawandels kommt jedem Baum im Stadtgebiet eine besondere Bedeutung zu. ,Natura 2000‘-Gebiete müssen zum Schutz der Pflanzen- und Tierarten, die von ihnen abhängig sind, ernst genommen werden“, schließt die Obfrau.

„Wir stimmen dem Naturschutzbund zu, dass die Stadt auf vielen Ebenen nachhaltig arbeiten muss“, so der Vizebürgermeister und zuständige Stadtrat Roland Honeder (ÖVP). Grundsätzlich bestünde aber kein Umwidmungsrisiko im Reihergraben. Der Waldbestand soll nach Honeder erhalten bleiben. Und abschließend: „Wir werden uns sehr detailliert im Ausschuss mit allen Fragen beschäftigen, um in dieser Sache eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden.“