Stadt will 20.000m² Wald an Immobilienfirma verkaufen. Stadtgemeinde will Immobilienentwickler 20.000 Quadratmeter Wald verkaufen.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 27. Februar 2019 (04:30)
Dieses Haus im Kierlinger Reihergraben wurde zuerst gekauft. Jetzt will der Immobilienentwickler „Reihergraben Immobilien GmbH & KG“ 20.000 Quadratmeter angrenzendes Grünland (Wald) dazukaufen.
privat

Die eigens für dieses Projekt gegründete Immobilienfirma „Reihergraben Immobilien GmbH & Co KG“ kaufte ein für einen Immobilienentwickler völlig wertloses 40-Quadratmeter-Häuschen im Grünland und suchte um eine GEB-Widmung an.

War dieses Faktum schon eigenartig genug, wurde der NÖN jetzt ein Antrag zur nächsten Gemeinderatssitzung am 1. März zugespielt. Eben diese Immobilienfirma will „zur Erweiterung der eigenen Grünflächen und der Gartengestaltung“ (so wörtlich im Antrag) Grünland mit einer Fläche von 20.000 Quadratmeter um diese Häuschen herum kaufen. Kaufpreis: 245.830 Euro, Quadratmeterpreis: 12,29 Euro. Der Verkaufspreis bei vergleichbaren Grundstücken liegt – laut Antrag – bei 1,80 bis 3 Euro.

In dem der NÖN vorliegenden Antrag soll der Gemeinderat den Verkauf auf Basis eines Angebots der Immobilienfirma beschließen. Es handelt sich dabei um gemeindeeigenen Wald. „Eine wirtschaftlich gewinnbringende nachhaltige Bewirtschaftung ist nicht möglich“, so der Antrag. Trotzdem bietet die „Reihergraben Immobilien GmbH & Co KG“ der Stadtgemeinde den – nach Berechnungen der Stadtgemeinde – fünffachen Verkehrswert der im Grünland liegenden Flächen an.

„Jedes Projekt hat seine eigene Besonderheit. So ist das auch in diesem Fall im Reihergraben.“ Alexander Widhofner, Kommanditist Reihergraben GmbH & Co KG

Daraus ergeben sich einige Fragen: Warum kauft eine Immobilienfirma, die ja Bauprojekte entwickeln will, ein an sich für die Entwicklung wertloses Waldgebiet? Warum zahlt die Immobilienfirma das Fünffache des Verkehrswertes?

Die NÖN erreichte den Kommanditisten der Immobiliengesellschaft, Alexander Widhofner. „Jedes Projekt hat seine eigene Besonderheit. So ist das auch in diesem Fall im Reihergraben“, hält sich Widhofner bedeckt, der aber versichert, keine Umwidmung auf Bauland anstreben zu wollen. Widhofner: „Es soll eine kleine, feine Wohneinheit geschaffen werden.“ Die 20.000 Quadratmeter Grünlandzukauf sollen die Wohnsituation verbessern und verschönern. Genaue Details über das Projekt will Widhofner nicht verraten.

„Jede Ware hat den Preis, den ein anderer bereit ist zu bezahlen“

Warum man das Fünffache für die Fläche bezahlen wolle? „Jede Ware hat den Preis, den ein anderer bereit ist zu bezahlen“, so Widhofner, der noch einmal versichert, auch nicht mit einer späteren Umwidmung auf Bauland zu spekulieren. Ausschließen könne man aber nie etwas.

Der für die stadteigenen Liegenschaften verantwortliche Stadtrat und Vizebürgermeister Roland Honeder (ÖVP) verteidigt seinen Antrag auf Verkauf der Grünlandflächen. „Grundsätzlich kaufen Unternehmen dieser Art Grundstücke. Ich habe nicht nachgefragt, wofür es verwendet werden soll“, so Honeder.

Gemeindegrundstücke würden prinzipiell zu überhöhten Preisen verkauft werden, um das Bestmögliche für die Stadtgemeinde und den Steuerzahler herauszuholen. Deswegen sei auch die Liegenschaftsverwaltung in Klosterneuburg so erfolgreich. Es gebe keine Absichten, die Bebauungsmöglichkeiten über eine GEB-Widmung hinaus zu erweitern, versichert Honeder und stellt in Aussicht, den Antrag bei der nächsten Gemeinderatssitzung von der Tagesordnung zu nehmen und über das Amt nachfragen zu lassen, was der Käufer mit dem Grundstück vorhabe.

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