Neuer Polizeichef für Klosterneuburg. Seit 1. April ist es fix: Der frühere Kommandant aus Weidling Michael Scharf ist oberster Ordnungshüter Klosterneuburgs.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 14. April 2021 (04:30)
Michael Scharf
zVg

Zum Ausklang des Jahres 2020 verabschiedete sich der langgediente Polizeikommandant Georg Wallner in die Pension, und das Bewerbungsverfahren für den Posten des obersten Ordnungshüters in der Stadt startete. Auch der frühere Kommandant des Postens Weidling, der mittlerweile aufgelassen wurde, bewarb sich. Am 1. April war es fix: Michael Scharf ist der neue Kommandant der Polizeiinspektion Klosterneuburg. Die NÖN bat ihn zum Gespräch.

NÖN: Hat Sie die Bestellung zum Polizeikommandant von Klosterneuburg überrascht?
Michael Scharf: Die Bewerbung lief bereits seit Ende November 2020. Am Ende jedoch geht dann immer alles sehr rasch.

Was waren die Beweggründe, warum Sie den Beruf des Polizisten gewählt haben?
Mein ursprüngliches Berufsziel war, Mitglied der Sondereinheit „ECO-Cobra“ zu werden. Der Weg dorthin führte dazumal über die Gendarmerie. Also bewarb ich mich dorthin. Die ersten Jahre mussten wir auf einer Gendarmeriedienststelle unseren Dienst verrichten. Das war bei mir der Gendarmerieposten Kritzendorf. Diese Aufgabe war allerdings so vielschichtig und interessant, dass ich bei dieser Tätigkeit blieb.

Seit 1. April übernehmen Sie die Aufgaben Ihres Vorgängers Georg Wallner. Haben Sie vor, etwas anders zu machen als er? Wenn ja, was?
Nein, ich habe nicht vor, etwas anders zu machen. Auch ich werde mit meinen Stellvertretern gemeinsam agieren. Ein Anliegen ist mir jedoch das Forcieren von Fußstreifen, damit wieder ein unmittelbarer Kontakt mit der Bevölkerung stattfinden kann.

Klosterneuburg ist eine vergleichsweise ruhige Stadt. Stimmt das auch für Sie und sind sie froh darüber? Oder hätten sie lieber als Polizist eine Stadt mit mehr Action?
Ruhig ist in unserem Tätigkeitsfeld ein relativer Wert. Neben den saisonalen Schwerpunkten sind wir gerade in der Corona-Zeit sehr gefordert.

Ruhig ist in unserem Tätigkeitsfeld ein relativer Wert

Apropos Corona: Halten sich die Klosterneuburger an die Verordnungen der Regierung, oder muss die Polizei oft eingreifen?
Im Allgemeinen halten sich die Klosterneuburger sehr gut an die Verordnungen der Regierung. Es gab bis dato keine größeren Exzesse. Das eine oder andere Mal musste aber sehr wohl eingeschritten werden.

Wenn Sie eingreifen, reichen da Abmahnungen oder wird gestraft?
Im Großen und Ganzen werden die Personen einsichtig, und so konnte oft mit Abmahnungen das Auslangen gefunden werden. Nur in ein paar Einzelfällen musste Anzeige erstattet werden.

Wie schützt sich die Polizei vor Corona? Homeoffice wird es ja wohl kaum geben…
Nein, Homeoffice geht bei uns nicht. Wir können lediglich auf die Kollegen dahingehend einwirken, Vorsicht walten zu lassen, die Regeln für die Begegnung mit Menschen einzuhalten – Mund- Nasenschutz, Desinfektion und Abstandsregel. Allerdings scheint mir auch sehr wichtig, regelmäßige Testungen vorzunehmen. Damit sind wir bis jetzt auf der sicheren Seite, und der Dienstbetrieb konnte bis jetzt in vollem Umfang aufrecht erhalten werden.

Bei der Gendarmerie in Kritzendorf startete Michael Scharf seine Polizeikarriere. 
NÖN Archiv

Wie schützen Sie sich privat vor Corona?
Ebenso, wie zuvor beschrieben. Ich glaube, wenn man versucht, sich mit den vorgegebenen Regeln zu schützen, ist man auf einem guten Weg, auch weiterhin mit den Kollegen zu arbeiten und mit seinen Familienangehörigen Kontakt pflegen zu können. Einen absoluten Schutz davor gibt es allerdings leider nicht.

Waren Sie schon jemals in ihrer Polizeikarriere in echter Lebensgefahr?
Es hat durchaus schon stressige Situation gegeben, jedoch sehe ich das eher als eine Fragestellung am Ende meiner Karriere. Viel wichtiger scheint es mir, für die künftigen Herausforderungen gewappnet zu sein. Derzeit, bedingt durch Corona, haben wir einen absoluten Rückgang in der Einbruchskriminalität, aber Zuwächse in der Cyberkriminalität zu verzeichnen.

Auch haben in diesen Zeiten Betretungsverbote wegen Gewalt in der Familie massiv an Bedeutung gewonnen. In den letzten Wochen waren auch wieder verstärkt Verkehrsunfälle mit Personenschäden zu verzeichnen. Dem müssen wir uns stellen und entsprechende Maßnahme setzen.

Für sein mutiges Einschreiten anlässlich der Geiselnahme im BH-Gebäude im März 2011 sprach die damalige Innenministerin Johann Mikl-Leitner dem einstigen Abteilungsinspektor Michael Scharf „Dank und Anerkennung“ aus.
Hornstein

Wie oft haben Sie schon von ihrer Schusswaffe Gebrauch machen müssen?
Abgesehen von Fangschüssen gegen verendendes Wildtier, glücklicherweise noch nie.

Geht es mit Ihrer Lebensplanung konform, noch weitere Karrieresprünge zu machen?
Nein. Einen weiteren Karrieresprung habe ich eigentlich nicht vorgesehen. Meine Vorstellung geht eher dahin, dass ich nach weiteren spannenden und schönen Jahren auf der Polizeiinspektion Klosterneuburg noch in diesem Jahrzehnt in den Ruhestand eintreten kann.