Klosterneuburger Park wird zur Lärmhölle. Nach Sperrstund’ Partytreff im Park: Um 1 Uhr ist coronabedingt Sperrstunde. Aber in den Parks wird weitergefeiert. Anrainer erbost.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 02. September 2020 (04:32)
Friedlich präsentiert sich der Kaiserpark untertags. In der Nacht soll er bis weit nach Mitternacht zur Lärmhölle werden. Anrainer finden keinen Schlaf mehr.
Hornstein

Die Kritik, dass Klosterneuburg eine Schlafstadt wäre, kommt nicht selten. Wäre sie berechtigt, müsste man in Klosterneuburg aber zumindest schlafen können. Einigen Anrainern im Zentrum ist aber auch das nicht möglich. So wie für Johannes Zerbs, der in der Pater- Abel-Straße wohnt: „Was war der Roman-Scholz-Platz, mit seinem Kaiserpark, für ein besinnliches und ruhiges Fleckchen mitten in der Stadt. Ein Park mit wunderschönen Blumen. In den Nachtstunden wird er leider nun zur Lärmhölle.“

„Es kann doch nicht sein, dass Anrainer ständig aus dem Fenster um Ruhe schreien müssen, wie ich es selbst oft erlebe. Und das weit nach Mitternacht.“ Johannes Zerbs, Anrainer

Und mit seiner Meinung ist er nicht alleine, wie Zerbs der NÖN erzählt: „Ich spreche für viele Leute, die, so wie ich, bereits über 20 Jahre im Umfeld, unmittelbar in der Pater-Abel- Straße, hinter dem Wohnblock Leopoldstraße wohnen und mit Fenstern Richtung Roman-Scholz-Platz schlafen.“

Im Park soll es in den Nachtstunden wild zugehen. Aber vor allem laut. „Es grölen ständig Betrunkene – nicht nur Jugendliche – dort herum und schlagen Radau“, so Johannes Zerbs weiter. Bis Mitternacht ginge das sowieso immer, und an den Wochenenden bis in die frühen Morgenstunden.

Es ginge hier um zig Menschen, die ihre Nachtruhe im Zentrum, mitten in der Stadt, in einer Wohngegend finden wollen. Zerbs: „Es kann doch nicht sein, dass Anrainer ständig aus dem Fenster um Ruhe schreien müssen, wie ich es selbst oft erlebe. Und das weit nach Mitternacht.“ Vor allem in Coronazeiten und bei Menschen, die, so wie Zerbs selbst, erkrankt sind und Ruhe brauchen, könne man das fordern. Und abschließend: „Auch wir wollen im Sommer bei offenem Fenster schlafen. Um 23 Uhr müsste doch Ruhe im Park sein.“

Johannes Zerbs ist auch schon mit einem Brief an Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager initiativ geworden. Dieser versprach Hilfe und Weiterleitung der Beschwerde an die Polizei. Die Situation sei aber mittlerweile leider sogar ärger geworden, und Zerbs merke keine Änderung.

„Auch wir wollen im Sommer bei offenem Fenster schlafen. Um 23 Uhr müsste doch Ruhe im Park sein.“

„Wir machen immer wieder Kontrollen am Roman-Scholz-Platz und strafen auch, wenn es notwendig ist. Es gibt dort Veranstaltungen mit Musik, aber die sind angemeldet. Wenn es für die Anrainer in der Nacht zu laut wird, sollen sie uns verständigen. Wir sind ja gleich um die Ecke“, so ein diensthabender Polizeibeamter, der ein Zunehmen der Lärmbeschwerden aber nicht feststellen konnte. Mit dem Lokal „Uptown“ sei man in gutem Einvernehmen, denn dort werde die Sperrstunde eingehalten.

Michael Reichenauer-Kofler, Chef des „Uptown“, bestätigt das: „Wir halten uns an die Corona-Sperrstunde 1 Uhr und bitten die Gäste, außerhalb des Lokals leise zu sein, denn wir wollen nicht haben, dass das auf unser Lokal zurückfällt.“ Was nach 1 Uhr passiere, könne man aber nicht kontrollieren, denn dann sei man selbst nicht mehr vor Ort. Auch ihm sei zu Ohren gekommen, dass es oft bis weit nach Mitternacht laut im Park sei.

Auch Beschwerdeführer Zerbs bricht für das „Uptown“ eine Lanze: „Das Lokal ist ein wichtiger Treffpunkt für junge Leute. Die verhalten sich mustergültig und halten die Sperrstunden sicher ein.“