Sarajevo nicht vergessen. 100 Jahre Attentat / Eine Delegation des Museums Kierling wurde zu einer Erinnerungsveranstaltung an die Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gattin eingeladen.

Erstellt am 04. Juli 2014 (09:21)
NOEN, Chlebecek
Die Damen Brünns in beeindruckenden Nostalgiekleidern der Jahrhundertwende.

KIERLING-BRÜNN / Enge Beziehungen zu Traditionsvereinen in Brünn – deren Vertreter waren bekanntlich bei der Ausstellungseröffnung zum 1. Weltkrieg im Museum Kierling – führten zu einer Ehreneinladung für den 28. und 29. Juni nach Brünn. Dort wurden mit einem großen Spektakel die Ankunft und die Ermordung von Erzherzog Thronfolger Franz Ferdinand und seiner Gattin Sophie in Sarajevo nachgestellt.

Halb Brünn war in historischen Kostümen auf den Beinen, begleitet von zahlreichen Mitgliedern von Traditionsregimentern, als das hohe Paar in einem historischen Salonwagen am Brünner Hauptbahnhof eintraf. Danach ging es in einem langen Festzug auf die Festung Spielberg, die in der Monarchie ein Gefängnis war, in dem die gefährlichsten Verbrecher eingesperrt wurden.

Attentat wurde nachgestellt

Ein „zeitgenössisches“ Auto aus dem Technischen Museum in Brünn brachte das hohe Paar auf den Spielberg, wo das Attentat eindrucksvoll nachgestellt wurde. Anschließend gab es auf dem Spielberg noch eine Ausstellungseröffnung zum Anlass des Beginns des 1. Weltkrieges sowie die reich bebilderte Ausgabe eines Buches in tschechischer und deutscher Sprache.

Am Sonntagvormittag wurde unter prominenter Beteiligung und dem Aufmarsch von Traditionstruppen eine Gedenktafel für den Chauffeur des Thronfolgerpaares, Leopold Lojka enthüllt, der am 18. Juli 1926 in Brünn gestorben war und begraben ist. Anlässlich der Veranstaltungen fuhr auch eine alte, mit schwarzgelben Fahnen geschmückte, Straßenbahn zur freien Benützung durch Brünn und das Mährische Museum zeigte eine kleine, aber ausgezeichnete Ausstellung im Erinnerungsjahr.
 

Die Delegation des Museums Kierling mit Direktorin Christl Chlebecek, ihrem Stellvertreter und Dolmetscher Jiri Juda samt Gattin sowie dem Kierlinger Ausstellungskurator Fritz Chlebecek war freudig überrascht und erstaunt über so viel herzliche „Habsburg-Nostalgie“ in Brünn. Am Freitag, 11. Juli zeigt, im Rahmen der Ausstellung „Kitsch, Karikatur und Propaganda im Weltkrieg 1914-1918“, der Kurator Fritz Chlebecek, um 18.30 Uhr, einen Beamer-Bericht über diese eindrucksvolle Brünner Veranstaltung.